The Skull Beneath The Skin - Was vor dem Ende war, was am Ende bleibt, was nach dem Ende kommen wird
„28 Years Later:The Bone Temple“
(Nia DaCosta / 2026 / Kino (DCP) / englischsprachige Originalversion / Erstsichtung)
"I left alone / My mind was blank
I needed time to think / To get the memories from my mind
What did I see? Can I believe?
That what I saw that night was real and not just fantasy?
Just what I saw in my old dreams
Were the reflections of my warped mind staring back at me?
'Cause in my dreams it’s always there
The evil face that twists my mind and brings me to despair
Yeeeeeeeaaaaaah !!!"
(Iron Maiden, „The Number Of The Beast“ )
Am Nachmittag des 15. Juli 1993 sah ich mich, um mein Ziel zu erreichen, Schwerstarbeit zu verrichten gezwungen. Mit beiden Händen am Objekt meiner Begierde zerrend, mit einem Fuss gegen die verkrustet-festgebackene Wand von aufeinander gehäuften Gebeinen mühsam mich stemmend, um noch mehr Druck aufzubauen, immer in Gefahr, dass eventuell doch noch ein:e Aufpasserin zurück oder vorbeikommen, und mich bei meiner moralisch-ethisch nicht ganz so einwandfreien Betätigung ertappen könnte, mühte und plackte ich mich bedeutend mehr ab, als einst die arme Ripley am Ende von James Cameron’s „A L I E N S“, während sie verzweifelt versucht, ihre Ersatz-Adoptiv-Tochter Newt als dem schleimig-zähen-Gelee-Kokon-Gespinst der aggressiv auf Vermehrung bedachten Ausserirdischen zu befreien. Doch irgendwann nach gut 10 bis 15 Minuten war es dann geschafft, und der von mir ausgeguckte Totenschädel endlich aus der Beinwand herausgebrochen. Und wurde sodann eiligst hypernervös in meine Flieger-Umhängetasche verstaut. Und ich natürlich am Ausgang, ob der kaum zu übersehenden Ausbeulung ebenjener Tasche, zur Kontrolle ausgesondert, und verblieb der menschliche Kopfknochen da und dort, anstatt dass ich ihn aus dem von der Öffentlichkeit auch weiterhin zugänglichen Teil der Pariser Katakomben hätte heraus schmuggeln und mit in den restlichen Frankreich-Urlaub sowie nach dessen Beendigung mit heim nehmen können. Warum ich damals so dermaßen erpicht darauf war, einen echten Totenkopf entführen zu können? Nun, heutzutage weiss ich das gar nicht mehr so einfach zu beantworten. Vielleicht, weil es letztlich das ist, was von einem Menschen als Allerletztes bleibt, lange, nachdem sein Fleisch verwest, sein Leben geendet, sein Geist erloschen ist. Weil so ein Schädel für mich damals (und auch immer noch) auch eine gewisse morbide Ästhetik ausstrahlt, von ihm eine unbestimmte, gar nicht so genau fest zu machende Art von erotisch-thanatosischer Faszination ausgeht. Weil wir uns bei seinem Anblick daran erinnern, was wir selbst - materiell besehen - eigentlich sind. Organische Lebewesen aus Fleisch und Blut, die ohne das unsere äussere Erscheinungsform nicht nur mit bestimmende, sondern überhaupt erst und beständig aufrecht erhaltende, Skelett einfach in sich zusammenfallende Gewebehaufen wären. Weil der Schädelknochen die Heimat und der Sitz unseres ureigensten innersten, auch psychischen Selbst, in der materiellen Form des Hirns, ist. Der bone temple unserer eigenen, unverwechselbaren Identität, sozuschreiben.
Als ich im Dezember 2023 die Urnen mit den sterblichen Überresten meiner Eltern entgegen nahm (die beide im zeitlichen Abstand von nicht einmal zwei Wochen verstarben - ich schrieb darüber vor 2 Jahren am Ende meines FFF 2024-reviews zu „Else“ (<— Link / Klick’ mich!) schon einmal), da war ich doch etwas verwundert ob der unerwartet ausnehmenden Größe der Urnen-Behältnisse, und äusserte dies dann auch sogleich gegenüber der Mitarbeiterin des Bestattungs-Unternehmens. Woraufhin sie mir nur lapidar antwortete, dass, obwohl die nach dem Verbrennungs-Vorgang übrig gebliebenen Knochen zwar zermahlen werden, scheinbar aber dennoch immer einige grössere Stücke übrig bleiben. Ich zog es während des Gangs über den kalten winterlichen Friedhof vor, lieber nicht so genau darüber nach zu denken, während ich die eingekapselten letzten Überbleibsel meiner Eltern zu ihrer letzten Ruhestätte begleitete.
Das bisherige 21. Jahrhundert wurde in popkultureller Hinsicht vor Allem von drei (mehr oder minder) grossen Zombiekalypse-franchises bestimmt: Zu allererst einmal natürlich von Bruce Straleys, Neil Druckmanns und Halley Gross’ kongenial-einzigartiger Videospiel-Serie „The Last Of Us (Parts 1 & 2)“, welche einen einsamen Höhepunkt der gaming-Kunst darstellt, und nach wie vor eine der beeindruckendst-verstörendsten, nachhaltig in Erinnerung bleibenden Erfahrungen ist, die mensch in Sachen (pop-)kulturelle Artefakte in diesem century bislang überhaupt machen konnte. Und die dann in eine in ihrer ersten season schon eher mediokre TV-Show übersetzt wurde, welche dann im Verlauf der zweiten Staffel von Mit-show runner Craig Mazin, so wie auch Druckmann und Gross, welchen die Grandezza ihres eigenen Ausgangs-Materials entweder nicht mehr geläufig zu sein schien, oder aber sie diese schlichtweg verkannten, und darob besonders den Charakter von Haupt-Protagonistin Ellie vollkommen kaputt schrieben, aber auch viele andere Details und plot points (meist zu deren gravierendem Nachteil) neu interpretierten, und umformulierten, heftigst gegen die Wand gefahren wurde. Sodass aus einem absoluten Meisterwerk und unmatched pinnacle of video gaming eine eher leidlich durchwachsene, mittelprächtig fehlgegangene TV-Show wurde. Ich kann jedenfalls nach wie vor allen Serien-Zuschauer:Innen nur allerwärmestens empfehlen, sich, falls noch nicht geschehen, doch nochmal intensiv den um sovieles besseren Spielen (und hier wenigstens „Part 2“) zu widmen. Gerade auch, nachdem ich erst vor gut zwei Wochen zum nunmehr dritten Mal den zweiten Teil (bei diesem Durchlauf auf „Survivor“) beendet habe.
Next wäre da noch die Comic-Reihe „The Walking Dead“ zu nennen, welche eine immens populäre Fernseh-Serie nach sich zog, die auch zu ihrem besten Zeiten nie wirklich über die Mittelmässigkeit hinauskam, und ihre (ja durchaus vorhandenen Stärken) meist nur in den bottle episodes („The Grove“ !!!, „The Same Boat“) voll ausspielen konnte. Davon ab blieb „TWD“ aber eine inkonsistent-inkonsequente, in ihren übergreifenden story arcs erschreckend ungelenke und in der Gesamtheit ihrer Narration und Geschichte ausufernd umständliche, überaus schwachbrüstige und scheintote Veranstaltung, deren enormer Hype sich mir bis zum heutigen Tage nicht erschliessen will, und deren durchschlagenden kommerziellen Erfolg ich mir trotz vieler spannender Charaktere (Michonne, Glen, Carol, Maggie, Beth, etc. pp.), aus denen aber über die Laufzeit der Show so gut wie gar nix gemacht wurde, auch beim besten Willen immer noch nicht erklären kann. Zu der dieser TV-Serie zu Grunde liegenden Comic-Vorlage kann und will ich mich mangels Kenntnis derselbigen hier ausdrücklich nicht äussern.
Und dann gibt es da ja auch noch das eher nicht so sehr im Rampenlicht stehende und irgendwie immer ein wenig sträflich vernachlässigte ungeliebte Stiefkind „28 Days / Weeks / Years Later“. Eine franchise, welche im Jahre 2002 mit dem von Danny Boyle und Alex Garland verantworteten „28 Days Later“, der als einer der ersten Zombiekalypse-Streifen rasend schnelle Infizierte, anstatt der schlurfend langsam sich fort bewegenden Untoten darstellte, und sich in krisselig-unscharf gefilmten, in der post production künstlerisch und künstlich verfremdeten Digitalbildern und einer nervös-spannungsvollen Hand-Wackel-Kamera präsentierte. Und traf damals - wohl eher zufällig - exakt genau mit nahezu sezierendem Blick und skalpellhafter Präzision die soziopolitische Verfasstheit einer bis ins Mark veunsicherten und von den eigenen Ängsten getriebenen Post-9/11- und New Millenium-U.K.-Gesellschaft. Dem einige Jahre später erschienenen „28 Weeks Later“ gelang es trotz schauspielerisch guter Leistungen (Robert Carlyle / Imogen Poots / Rose Byrne / Jeremy Renner) leider nicht einmal ansatzweise an den grossen Erfolg seines Vorgängers anzuknüpfen. Zu gewöhnlich waren sowohl script (das einzige Drehbuch der gesamten Filmreihe, an dem Alex Garland nicht mitschrieb) und Story, als auch die eher beflissen-biedere Inszenierung. Woraufhin die franchise erst einmal für die Dauer von 18 langen Jahren ruhen sollte, bevor sie dann im letzten Jahr mit Danny Boyles „28 Years Later“ ihre unverhofft erstaunliche Wiederauferstehung erlebte.
In „28 Years Later: The Bone Temple“, ihrem Nachfolge-Film zu Boyles gerade einmal vor einem guten halben Jahr veröffentlichten, von mir bislang noch ungesehenen und mit eher durchwachsenen Kritiken bedachten Neustart der Reihe, stripped Regisseurin Nia DaCosta mit Brennglas-genauem Blick die franchise zunächst bis auf ihr allerinnerstes und formgebendes Knochengerüst, seziert mit ruhiger, aber fest inszenierender Hand die maßgeblich-zentralen Inhalte und arbeitet diese präzise focussiert heraus, nur um ihnen sodann abermals neues Fleisch auf die abgenagt-ausgeblichenen Knochen zu zaubern. Und wie sie das macht, wie formbewusst-selbstsicher sie dabei zu Werke geht, ganz anders als dem Vernehmen nach der doch eher fahrig-unkonzentriert Regie geführt habende und sich wohl auch in der Art und Weise seiner Darstellung zu sehr in spielerisch-selbstverliebten Mätzchen verloren habende Boyle, das ist absolut sehenswert, und sollte in diesem Kinojahr von keiner:keinem Genre-Freund:in verpasst werden. Auch und selbst dann nicht, wenn Ihr - so wie ich - Euch dereinst den ersten „28 Years Later“ erspart habt. Dafür genügt auch das Ansehen eines 15-minütigen recap-Videos auf youtube (siehe bespielsweise hier (<— Link / Klick’ mich!), und Ihr seid bestens im Bilde, was die Geschehnisse bis zum Ende von Boyles franchise revitalisation anbelangt.
DaCosta ist nicht grossartig an einer Action-voranbewegten, „klassisch“ dramaturgischen Narration interessiert. Im Gegenteil scheint sie vielmehr eine dezidiert verdichtete, distanziert beobachtende, dabei aber dennoch Anteil nehmende Perspektive zu präferieren. Wobei ihr das etwas stringentere, abermals von Alex Garland verfasste Drehbuch dabei auch sehr entgegen kommt. Das wird schon in der fesselnd-imponierenden Auftakt-Sequenz, in welcher der junge Spike einen Messerkampf um sein eigenes Leben, dessen Gewinn ihm gleichzeitig auch die Aufnahme in die Gang des Guru-haft sich gebenden, dem im Auftreten, Outfit und Haarpracht frappierend dem real life Kindes-Misshandler, TV show host und einstigem Star-DJ Jimmy Savile nach empfundenen Banden-Anführer „Sir“ Jimmy Crystal sichern würde, ausfechten muss, offenbar. DaCosta und Ihr DoP Sean Bobbit (unter Anderem „Byzantium“, „12 Years A Slave“, „On Chesil Beach“) bleiben immer ganz dicht bei den Duellanten, und verfallen doch nie in die einfach-bequeme Simplizität, für einen der Beiden Partei ergreifen zu wollen. Das blutig-endgültige Schicksal von Spikes Kontrahent Jimmy Shite ist da nur ein kleiner Ausblick auf the gruesome unimaginable horrors yet to come.
In the meantime hat der seltsam hippie-esk entrückt lebende Eremit Dr. Ian Kelson damit begonnen, sich den mit dem Rage-Virus Infizierten dergestalt anzunehmen, dass er sie mit per improvisierten Blasrohr abgeschossenen Morphium-Pfeilen erst betäubt, und sodann zu domestizieren, oder wenigstens für eine kurze Weile von ihrem Wut-Trip abzubringen versucht. Als Versuchs-Kaninchen auserkoren hat er dafür einen der Alpha-„Anführer“, einen hünenhaft-muskulösen, langhaarig imposanten Muskelprotz, welchen er nach dem alttestamentarischen, sich für die Bezwingung der Philister selbst aufopfernden biblischen Helden „Samson“ tauft. Die Szenen mit Kelson und dem somnambul sedierten Samson, in denen beide ihre Bro-mance against all odds in utopisch-unwirklichen Begegnungen voll ultra slomo-trauter Zweisamkeit ausleben, zwischen den Knochenstelen von Kelson’s bone temple cenotaph / Memento mori-Denkmal-Installation zu von Kelson bemerkenswert schief gesungenen Duran Duran-Songs schunkelnd-torkelig umher tanzen, oder einfach nur gedanken- und zeitverloren gemeinsam in den wolkenbedeckten Himmel starren, gehören dabei zu den bizarrsten, und zugleich auch anrührend schönsten Momenten des ganzen Films. DaCosta gelingt hier eine beeindruckend-eindringliche, meditativ-sinnierende, transzendental-traumverlorene Reflexion über die Grundmotive jedweder Zombiekalypse-Verfilmungen: Sterben / Tod, das Annehmen der eigenen Vergänglichkeit, die Rückbesinnung auf das wirklich Bedeutende im subjektiv-eigenen Leben und Er-Leben. Wenn Samson in einer Art heightened sense of reality sich dem Rauschen der Blätter im Wind hingibt, genussvoll nach lange Zeit wieder einmal eine selbst gepflückte Brombeere verspeist, und im fahlen Licht des vollen Mondes das Sprechen neu erlernt, oder Kelson in wehmütig zwinkernder Melancholie und über die verloren gegangene Vergangenheit und einstige soziale Ordnung raisonniert, und dabei en passant verlauten lässt, dass er sich an all die früher so wichtig scheinenden Dinge wie Technik, Computer, Mobil-Telefone etc. pp., kaum noch erinnern kann, dann hat das eine ganze eigene, anrührend-ergreifende Qualität. Sowieso spielt der ja ohnehin immer formidabel-herausragend agierende Ralph Fiennes hier so famos auf, wie schon lange nicht mehr. In einer tollen Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben zu sein scheint, und er wirklich alle Register, von schmerzhaft-reumütig, entgrenzt-einschüchternd, über empathisch-zuneigend und praktisch-hemdsärmelig (so er denn überhaupt jemals ein Hemd tragen, und nicht ohnehin den ganzen Film über mit entblösstem Oberkörper durch die Szenerie tappsen würde), bis hin zu tatkräftig-entschlossen sowie versunken-verflüchtigt, ziehen kann. Was für eine Ausnahme-performance im noch blutjungen Kinojahr, und sicherlich eine von Fiennes’, an Karriere-Highlights ja nun nicht gerade armen, besten Schauspiel-Leistungen! Auch der hier und da dann doch mal aufblitzende Humor kommt durchaus nicht zu kurz, etwa, wenn Kelson das frühere britische Gesundheits-System aufs Korn nimmt ("I’m NHS, so no charge!"), oder in einem Satz sogar noch eine kleine feine „This Is Spinal Tap“-Hommage untergebracht wird („Let’s turn this thing up to eleven!“
).
Während die in den vorangegangenen Einträgen in die franchise ja doch sehr im Mittelpunkt gestanden habenden Infinzierten hier also beinahe völlig in den Hintergrund gerückt, und also jetzt blosse Staffage sind (trotz der Tatsache, dass sie (obwohl ja gar keine eigene Spezies im eigentlichen Wortsinn) nunmehr die dominante Spezies im weitestgehend sich selbst überlassenen ehemaligen United Kingdom geworden sind), ist hier nun die jeglicher Moral und äusserer oder innerer Verhaltensregeln, sozialer Normen und Prinzipien enthobene und rücksichtslos-grausam agierende, ihrem in gottgleicher Herrlichkeit allein gebietendem, Guru-haft sich gebenden Anführer des sektenähnlich auftretenden (Möchtegern-)Satanist:Innen-Kults hörige, und ruthlessly rampaging and roaming Teenager- und young adult-Bande (welche den bereits erwähnten Droogs aus Anthony Burgess’ und Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“ wirklich beunruhigend ähnlich ist) zu den Haupt-Antagonist:Innen geworden. Auch sie allesamt verwirrt-verirrte Seelen, im (wortwörtlichen) Kadaver-Gehorsam ihrem sich für den Antichristen persönlich haltenden Anführer hörig, der vom Verhalten her weniger an Jimmy Savile, sondern vielmehr an eine andere contemporary real life personality mit auffallender Haarpracht und einem selbstgerechten, egomanisch-narzisstischen, gönnerhaft-grenzdebilen, beizeiten an Wahnsinn gemahnendem Auftreten und in permanenter krankhaft eingebildeter Selbstbespiegelung regierender pöbelhaft-rüpeliger Geste handelnd, gemahnt. Die Rede ist natürlich vom derzeitigen U.S.-Präsidenten, den laut eigener Aussage nur eines in seinen überzogenen-school yard bully-Aktionen stoppen kann: Seine eigene Moral, oder besser gesagt die Abwesenheit selbiger. Dass Jimmy Crystal und seine „seven fingers“ titulierten Gangmitglieder dabei nicht unähnlich auftreten wie derzeit die von Trump in diversen U.S.-amerikanischen Metropolen eingesetzten, die eigene Bevölkerung gnadenlos terrorisierenden und sogar extra-legale Hinrichtungen vornehmenden Schlägertruppen der U.S.-Einwanderungs-Behörde ICE, ist dabei wieder einmal eine vermutlich rein zufällige, aber nicht von der Hand zu weisende zeitbezüglich-aktuelle Parallele zur momentanen weltpolitischen Lage. Wenn die Jimmys eine kleine Wohn-Gemeinschaft heimsuchen, deren Mitglieder erst beim Mittagstisch drangsalieren, danach in der Scheune an Seile hängen, und sie daraufhin auf Geheiss ihres leaders grausamst blutrünstig foltern (was in der Kult-eigenen Ideologie als „charity“, also Wohltat, verkauft wird), dann ist das der Rhetorik, dem großspurig-rücksichtslosen Auftreten und der engstirnig-egozentrischen Weltsicht eines Donald J. Trump beängstigend anverwandt. Wobei der explizit ausbuchstabierten und gezeigten Gore-Momente auch in diesem franchise-Eintrag eher wenige, dafür aber in ihrer anschaulich-konkreten Überdeutlichkeit umso eindringlichere sind (auch beim Wirbelsäulen-Heraus- und Köpfe-Abreissen durch Samson, sowie die glibbrig-glitschige Hirnmasse genussvoll auslöffelnden Mittags-Mahl desselbigen). Das beschönigend-verhamlosend „removal of the shirt“ genannte Häuten bei lebendigem Leibe ist eine unangenehm anzusehende Tortur par excellence, wie sie in einer solch schonungslosen Drastik und Vehemenz in den bisherigen „28 Days / Weeks / Years“-Filmen so noch nicht vorkam. Als Spike dann von Sir Jimmy losgeschickt wird, um eine hochschwangere junge Frau, welche sich vehement zur Wehr gesetzt, und daraufhin eine Jimmy getötet hat, zur Strecke zu bringen, er diese aber aus lauter Mitmenschlichkeit einfach laufen lässt, ist sein standing in der auf absolute Unterordnung und bedenkenloses Ausführen von Befehlen basierenden Gruppe gefährdet. Wie passend, dass Jimmy Ink genau zu diesem Zeitpunkt mit der Nachricht von einer scouting mission zurück kehrt, sie habe keinen Anderen als „Old Nick“ (also Sir Jimmys Herrn Papa, a.k.a. Satan himself) durch ihr Fernglas erspäht. Er sei in seinem nur aus Knochen erbauten Schloss mit einem Dämon zugange gewesen. Woraufhin beschlossen wird, doch den Herrn Alter Nick höchstselbst zur weiteren Verfügung von Spikes Schicksal zu befragen…
Das vollkommen geisteskrank-irrwitzige Finale von „28 Years Later: The Bone Temple“, dessen letzter Abschnitt in der Tat so anmutet, wie eine post-gesellschaftliche, dystopisch-Zombie-kalyptische Variation des Vietnamkriegs-Dschungel-Alptraums von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (nur, dass anstelle von Colonel Kurtz’ jungle temple da nun eben Dr. Kelsons Knochen-Memorial auf der grünen Wiese steht), wie die Reise einer kleinen Gruppe von (anti-)social outcasts in den allmählich immer stärker sie umfangenden und mehr und mehr geistig umnächtigenden totalen Wahnsinn, in einen fiebrig-fantasmatischen Nachtmahr von züngelnden Flammen, dröhnend düsterer Weltuntergangsmusik, und sinnes-betäubendem und sichtvernebelndem angel dust, arrangiert DaCosta als weithin leuchtendes, mitternächtlich schwarzes Fanal eines post pandemic judgement day. Wenn sich hier die beiden sowohl in ihren world views als auch in der Art und Weise ihrer zu deren Verbreitung eingesetzten Methoden diametral konträren Gegner Sir Jimmy Crystal und Dr. Ian Kelson - welcher selbst als alter Duran Duran-Fan ab und an dann doch mal die Notwendigkeit sieht, eines der besten Metal-Alben aller Zeiten auf den Plattenteller zu legen, und seiner versammelten Jünger:innen-Schaft einen der ikonisch-unverwechselbarsten Iron Maiden-signature songs zu Gehör zu bringen, bevor er vermittels ihnen direkt ins Gesicht geblasenem Halluzinogen-Staub und eines ihre sämtlichen Sinne verwirrenden, derwischhaft überzeichnetem Ausdruckstanzes inmitten eines hellish ring of fire eine satanistic one man show hinlegt, wie man sie noch niemals zuvor im Kino gesehen hat - gegenüber stehen, dann ist der Film auf seinem Höhepunkt, und die Stimmung im Kinosaal an ihrem Siedepunkt angelangt. In Hamburg gab’s direkt danach (und das bei einer Knapp-Vor-Mitternachts-Vorstellung) begeistert-ungläubigen Szenen-Applaus. Und sowohl Dr. Kelson, als auch Sir Jimmy (der hier als self proclaimed son of satan im Grunde genommen nur seine wohlverdiente, dem Schicksal von Gottes eigenem Sohn Jesus Christus entsprechende, Entlohnung für all seine voraus gegangenen Missetaten erfährt), als auch der zumindest zum Teil seine eigene Menschlichkeit wieder erlangt habende Samson (welchen Kelson kurz vor dem grande finale in einem falsch verstandenen Akt von Barmherzigkeit noch vermittels bereits aufgezogener und angesetzter Giftspritze hatte euthanasieren wollen, sich dann im allerletzten Moment doch noch eines Besseren besonnen, und dem Lebensrecht auch dieser Kreaturen erinnert hatte), und die zwei überlebenden Jimmys haben alle noch einen letzten ikonischen Moment. Bevor der Film dann wirklich an sein Ende kommt… und hier muss ich dann doch nochmal ein wenig Kritik üben. Denn nicht nur hätte ich selbst ein offeneres, poetischeres Ende für weitaus stimmiger und passender gehalten als jenes, welches uns Alex Garland da mit seinem wie angetackert wirkenden, den Kreis zum ersten Film wohl schliessen sollenden und IMHO unnötig-überflüssigem Schlenker zurück zum allerersten „28 Days Later“ und dessen main protagonist Jim (sowie dessen gemeinsamer Tochter mit Selena (Side Note: Dass die der Schauspielerei ja schon vor geraumer Zeit abgeschworen habende Hannah-Darstellerin Megan Burns hier nicht mit dabei war, kann ich ja noch halbwegs verstehen… aber die tolle Naomie Harris habe ich wirklichst schmerzlichst vermisst)) serviert… Nein, ich hätte es tatsächlich vorgezogen, wenn DaCosta und Garland diesen Film mit seinem für mich eigentlich kaum noch zu übertreffenden und gerade als Endpunkt der gesamten Filmreihe sich geradezu anbietenden und wie prädestiniert wirkenden Finale als endgültig die franchise abschliessende Koda inszeniert hätten, und Spike, Kelli, und die dann vielleicht noch einmal auftauchen hätten könnende Hochschwangere aus der barn scene gemeinsam in eine ungewisse, aber nicht mehr ganz so finster wirkende Zukunft aufgebrochen, ihrem weiteren Schicksal, und dem Filmende, entgegen gegangen wären. So aber weiss ich momentan noch nicht so recht, was genau ich von den letzten paar Minuten dieses bis dahin grandios-fulminanten Genre-Beitrags halten soll. Meinetwegen hätt’s das jedenfalls nicht gebraucht, und bin ich immer noch äusserst skeptisch, ob ein letzter Film unter Boyles Regie und mit Cilian Murphys Jim der ganzen Sache nicht vielleicht doch eher schaden, als ihr gut tun wird. Zudem hätte ich mir auch noch eine um etwa eine halbe Stunde längere Laufzeit gewünscht, da die Gruppen-internen Dynamiken und vor Allem auch die jeweiligen Charakterisierungen der einzelnen Jimmys mir doch etwas zu kurz kamen, und ich davon gerne noch bedeutend mehr gesehen hätte. Und letzten Endes wäre dann auch mehr Zeit gewesen, die meiner Meinung nach gelungensten Szenen des Films (die Momente von Kelson und Samson und ihrer innigen Zweisamkeit in der und Verbundenheit mit der Natur) ein wenig mehr auslaufen zu lassen, und ihnen etwas mehr Raum zum Atmen geben zu können. Aber das Alles ist wirklich piefig meckerndes nit-picking auf allerhöchstem Niveau.
Im Gegensatz zu so manch anderer hier bereits zu Wort gekommener Stimme mochte ich bei meiner vor etwas über einem Jahr aus bekannt traurigem Anlass erfolgten Erstsichtung ja auch Nia DaCostas „Candyman“-Neu-Interpretation sehr gerne, und halte den auch nach wie vor für überaus gelungen (hier (<— Link / Klick’ mich!) mal eine andere Stimme, die das - aus ähnlichen Gründen wie den meinen - auch so sieht). Mit dem furios-berührenden, über weite Strecken ruhig-unaufgeregten, zutiefst humanistisch mitfühlenden, in einem alle sieben Sinne überreizenden und jedweden Verstand sprengenden vulkanisch-eruptiven megaklimaktischen Ausnahme-Finale mündenden „28 Years Later: The Bone Temple“ hat sie sich allerdings ein kaum noch zu überragendes Genre-Denkmal gebaut, welches - ähnlich dem Knochen und Schädel gewordenen Memento Mori-Stelenfeld des Dr. Kelson - die Zeiten überdauern wird, und als später Triumph einer franchise, die nach einem begeisternd-mitreissenden Auftakt zwischenzeitlich doch etwas vom Wege abgekommen und im verloren umher taumelnden Straucheln begriffen zu sein schien, heller strahlt und gleißender leuchtet, als Dr. Kelsons Feuerring in der einsamen Mitternacht der menschlichen Existenz. Dies ist ein herausragend immersiver Film, der unbedingt im Kino genossen werden will, und gesehen werden muss. Auf einer möglichst grossen Leinwand, mit einem möglichst guten Sound-System! Um möglichst jedes noch so kleine Detail, jede noch so feine Nuance davon mitzubekommen, wer wir einst gewesen sind, wer wir jetzt gerade sind, und was von uns bleiben wird, wenn wir einmal gehen.
Und wenn Nia DaCosta sich morgen entschliessen sollte, keine Filme mehr zu machen, und sich endgültig zur Ruhe setzen würde (was ich nicht hoffen möchte, ganz im Gegenteil… denn ich erwarte noch wahrhaft GROSSE Filme von ihr): Dieser Film würde, dieser Film wird bleiben.
Bis ans Ende der menschlichen Zivilisation, wie wir sie kennen.
Und vielleicht sogar darüber hinaus.
"Around the world the nations wait
For some wise words from their leading light
You know it’s not only madmen who listen to fools
„Is this the end?“, the millions cried
Clutching their riches as they died
Those who survive must weather the storm
Gone are the days when man looked down
They’ve taken away his sacred crown
To be so free, it took so long
It’s not journey’s end, it’s just begun"
(Iron Maiden, „Total Eclipse“)
"What has happened to it all?
Crazy, some would say
Where is the life that I recognise? (Gone away)
But I won’t cry for yesterday, there’s an ordinary world
Somehow I have to find
And as I try to make my way to the ordinary world
I will learn to survive"
(Duran Duran, „Ordinary World“)








