Stimmt, da war ja noch was…ganz vergessen gehabt - der Vorfilm von “Keep an Eye out”, ein rabiat-rumramenterndes Geschlöttel namens “Space Trash Bag”. Machen wir’s kurz: Das Anschauen dieses Machwerks ist in etwa so unterhaltsam, wie einem Hund zuzusehen, während er gegen einen Laternenmast pisst. Hätte ich vermutlich nichtmal Anfang / Mitte der 1990er amüsant gefunden. Und dieses grottige Absichtlich-auf-Ultraschlecht-Machen-weil-is’-ja-voll-witzisch-und-so-weisst? nervt einfach nur wie (pardon my french) Pickel am Arsch.
Schwierig, da jetzt einen halbwegs passablen Übergang zu finden, deshalb versuch’ ich’s garnicht erst: “Marrowbone” ist ein stimmungsvoll ausgestattetes und opulent bebildertes, leicht melancholisches Familiendrama vor imposanter Naturkulisse (die nordöstliche Küste(nregion) der U.S.A.). Spätestens seit "Der Zementgarten" und “Lord of the Flies” wissen wir ja nur zu gut, dass es meist nicht gutgehen kann, wenn Kinder / Jugendliche sich selbst überlassen sind - so verhält es sich auch in diesem bittersüssen Melodram mit Gothic Horror- / Gespenstergeschichten-Anklängen. Anja Taylor-Joy und Mia Goth seh’ ich ja beide immer sehr gerne, aber auch der Rest des Ensembles spielt sehr gut auf. Der Hauptschauplatz (das alte Familienanwesen) ist auch gut ins Bild gesetzt - die sonnendurchfluteten Fenster kontrastieren reizvoll mit dem alten, abgewetzten und erdfarbenen Interieur der vielen Räume und Treppenaufgänge. Dazu kommt noch die wunderbar getragene, schwelgerisch-schöne und manchmal doch sehr altmodisch (was jetzt nicht negativ gemeint sein soll, sondern im Gegenteil wunderbar passend ist) anmutende Orchestermusik. Was die Story anbelangt, so werden diejenigen, welche den spanischen 2007er-Film “El orfanato” kennen, doch merken, dass hier der Drehbuchautor ebenjenes Geisterfilms auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Sowohl thematisch als auch von gewissen Storywendungen / Enthüllungen sind sich beide Filme doch sehr ähnlich. Macht aber nichts, denn atmosphärisch ist “Marrowbone” ein Volltreffer, und die wenigen, sparsam eingestreuten Schockmomente sitzen perfekt. Schöner Film, und genau das Richtige für einen spätsommerlichen Nachmittag.
Danach ging’s dann mit “An Evening with Beverly Luff Linn” in gaaaanz bizarre Weirdo-Gefilde. Wenn Dich jemand fragt, wie Dir der Film gefallen hat, dann sag einfach: “Mmmmmhhhmm!” (insert tiefes Brummen here)
Als hätte Helge Schneider beschlossen, basierend auf einem von Mitch Hedberg (R.I.P.) verfassten Drehbuch, ein Indie-Remake von (Torsten Dewi a.k.a. Wortvogel hat es in seinem hier nachzulesendem Review ja schon perfekt auf den Punkt gebracht) “What’s up, Doc?” zu verfilmen. Dass die “Witze” dabei längst nicht alle witzig sind (in der Tat sogar die meisten davon nicht), versteht sich dabei natürlich von selbst. Wobei, in der Reihe hinter mir und direkt rechts neben mir haben sie sich scheckig und kringelig gelacht…ich selbst habe mich zwar die ganze Zeit über gut amüsiert, aber mehr als ein leichtes Schmunzeln konnte mir das Leinwandgeschehen dann meist doch nicht entlocken. Tut aber nichts zur Sache, weil die Geschichte sich so herrlich neben der Spur entfaltet, die Charaktere allesamt ein spleeniges Sammelsurium von wirklich total panne agierenden Bekloppten darstellen, die dann irgendwie so bekloppt aber doch nicht sind, dass man sich hier eigentlich die ganzen 108 Minuten lang gut unterhalten fühlt. Und wenn eineR_M dann noch so unvergessliche Dialogzeilen wie “It was a pleasure buying tampons for you!” oder auch “One time, I got 14 candies!” ins Gehirn gepflanzt werden, die man nie mehr im Geiste wird aufrufen können, ohne sich dabei an den entsprechenden filmischen Kontext zu erinnern, dann stimmt die Mischung und ergibt das Alles eine runde Sache… die nur noch von der einnehmend-umwerfenden Art von Hauptdarstellerin Aubrey Plaza
, welche hier wirklich absolut famos und formidabel aufspielt, getoppt wird. Dass Plaza und ihr Schauspiel-Kollege Jemaine Clement dann im Finale mit einem Vollspacken-Tanzflächengehampel zu F.R. David’s unsterblichem 80er-Hit “Words” (wem bei der Szene nicht das Herz überfliesst, die_der hat keines mehr) mal eben kurz die gesamten Tanzsequenzen aus “Climax” locker in die Tasche stecken (muss man sich auch erstmal trauen, sich so zum Vollhorst und Oberloddel zu machen), ist dann nur noch das Sahnehäubchen auf dem Kuchen, will meinen, der Schokoriegel im Schokoladen-Mix-Cocktail. Simply wonderf(oo)l…
Bei “Beverly Luff Linn” gibt’s während des Abspanns übrigens auch noch eine kurze Szene zu sehen.
Der deutsche Beitrag “Luz” hat mich dann doch sehr zwiegespalten in die Nacht entlassen… Einerseits steckten da eine Menge guter Ideen drin (die auf dem Polizeirevier unter Hypnose nachgestellte Taxifahrt zum Beispiel fand ich toll), die aber leider in der Summe nicht wirklich zusammenpassten, weshalb die Story zunehmend verworrener wurde, und am Ende auch gar nicht mehr schlüssig war - andererseits krankte der Streifen (wiedermal) an den typisch-deutschen Filmstudent_Innen-Problemen - gestelzt und unecht wirkende Dialogzeilen, stellenweise hölzern-steifes Schauspiel, und zu sehr auf künstlerischen Anspruch machen wollende Kameraarbeit. Warum beispielsweise die ganzen oft eh’ schon unpassend wirkenden Totalen sich minutenlang hinziehen mussten, und dann noch nichtmal irgendwas im Bildkader sich ereignete, das weiss wohl niemand so wirklich, vermutlich nicht einmal die an der Produktion Beteiligten. Sieht halt irgendwie cool aus, ne? Schade, denn oft gefielen mir die Kamera-Einstellungen auch sehr gut, die Ausleuchtung war auch passend (vor Allem in den Taxifahrt-Sequenzen), und die starke, ziemlich krisselige Filmkörnung hat mich persönlich jetzt auch nicht gestört (im Gegenteil, ich mag das ab und an mal ganz gerne). Das Sounddesign war, wie hier von Einigen ja schon angemerkt, wirklich gut und trug viel zur Atmosphäre bei - vieles Andere dagegen leider nicht. Mit besserem Drehbuch, mehr Geld, professionellerer Crew und stärkerer Loslösung von den doch noch sehr erkennbaren Vorbildern (unter anderem Cronenberg und Argento) könnte da beim Zweitfilm aber eventuell auch schon wieder was bedeutend Besseres rauskommen - abwarten.
Als krönendes Highlight des Abends hab’ ich dann beim Verlassenwollen des Kinosaals erstmal noch einen ordentlichen Satz gemacht - irgendein Spezi hatte beim Gehen den ledernen Fusshocker nicht wieder eingerückt, was bei der Düsternis (der Abspann war ja nur weisse Schrift auf schwarzem Grund) kaum zu sehen war. Daraufhin fand ich mich dann erstmal schmerzend und fluchend auf dem Fussboden wieder…naja, als Einstimmung auf den nächsten Film (“Cutterhead”) ist so ein bisschen Möchtegern-)Überlebenskampf in der Dunkelheit ja auch irgendwie ganz passend… 
