Hunde, Heime, Handgemaltes – das FFF 25 hat mal wieder ein wirklich buntes Programm und nach den ersten „naja“-Ankündigungen kamen zum Glück ja doch noch ein paar Kracher rein, zumindest für meinen Geschmack.
Mein Besuch des diesjährigen Hauptfests wird dennoch reduzierter ausfallen als üblich, da ich aufgrund der Rahmenbedingungen (feste Sitzreihen, laut Rosebud „mittig“, was nicht meine bevorzugte Platzierung ist) seit 26 Jahren (mit urlaubsbedingter Ausnahme 2013) zum ersten Mal ohne „Leeloo-Dallas-Multipass“ dabei sein werde.
Da ich ungern deutlich mehr Geld ausgeben möchte als mit Dauerkarte (d. h. „nur“ ca. 20 Filme), ist meine Auswahl dieses Mal etwas stringenter als sonst, was hoffentlich auch mit einem höheren Qualitätsdurchschnitt belohnt wird. Hier meine persönliche Programmeinschätzung.
+++ auf jeden Fall ++ wahrscheinlich + eher nicht - bestimmt nicht
L’ACCIDENT DE PIANO +++
Klar, der neue Dupieux ist ein Muss, immer wieder eine Wundertüte, schade nur, dass wir schon wieder einen (THE SECOND ACT) auslassen mussten.
ANGEL’S EGG -
Ich weiß, das wird viele begeistern, aber ich bin da raus. Ich kann wirklich nur mit wenigen Animes was anfangen und fand selbst erklärte Hits und Klassiker wie AKIRA, GHOST IN THE SHELL und auch einige Ghiblis nur so mittel.
BAMBOO REVENGE +
Jetzt fangen die Franzosen auch noch an mit diesen „eine Handvoll Leute erwacht in einer Location und muss irgendetwas über sich selbst rausfinden“ Filmen. Das Setting mit dem schnell wachsenden Bambus als Bedrohung klingt schon mal reichlich dämlich, der Regisseur hat sich bislang auch nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert. Da muss schon noch eine richtig gute Kritik erscheinen, um mir den schmackhaft zu machen.
BONE LAKE +
Ach Gott, schon wieder ein AirBnB-Film. Das Beste am Trailer sind die eingeblendeten Presse-„Blurbs“ – bis man sich die zitierten Quellen (Mama’s Geekly, A Movie Guy) anschaut
. Brian Tallerico schreibt auf rogerebert. com „Bone Lake doesn’t go exactly where you think it will“, was hoffen lässt. Denke trotzdem, dass der im Heimkino reicht.
CODE 3 -
Puh, also beim Trailer musste ich genau so oft lachen, wie bei dem zum NAKED GUN-Reboot, nämlich genau null Mal. Das ist sicher eine angenehme Abwechslung für die Dauergucker, wenn man zwischendrin mal die Anspannung loswerden kann, aber ich glaube, so viel Alkohol kann ich gar nicht trinken, um mich hier zu amüsieren. Fehlt eigentlich nur noch Kevin Hart.
CREATION OF THE GODS II -
Männer, die auf Drachen reiten. Da bin ich nicht in der Zielgruppe. Wird bestimmt allen Asiafantasyfans gefallen, auch wenn der Trailer eher nach Studio-Greenscreen als nach Neuseeland aussieht (soviel zum Thema LORD OF THE RINGS-Vergleiche). Aber wenn sowas, dann im Kino und auf dem FFF!
CRUSHED +
Von Simon Rumley fand ich bislang nur RED WHITE & BLUE so richtig gut, das Thema klingt mal wieder superdüster. Bei seiner bevorzugten schäbigen Optik muss das wahrscheinlich auch eher nicht auf der großen Leinwand sein. Und ich hoffe, die Katze überlebt.
DEATHSTALKER +
Wenn der Macher von PSYCHO GORMAN (den ich auch nur im Festivalumfeld erträglich fand) ein CONAN-Ripoff-Reboot macht, fliegen bestimmt die Fetzen, aber ich glaube, dafür bin ich zu lange aus der Pubertät draußen.
DOG OF GOD +++
Nennt mich pervers, aber der spricht mich an. Hier hab ich schon beim Trailer ein paar Mal mehr gelacht, als bei dem von CODE 3
. Hoffe nur, dass sie den nicht in den Nachtslot packen.
EXIT 8 +++
Centerpiece ist ohnehin must-see. Zudem klingt diese „Videospielverfilmung“ wunderbar nach Hitoshi Matsumotos weird-durchgeknalltem SYMBOL, eins meiner Festivalhighlights 2009. Ich bin gespannt!
GOOD BOY +++
Hatte ich eh auf meiner Watchlist, klingt hübsch ungewöhnlich mit der POV-Experience und auch wenn ich eine Cat Person bin, ein must-see. Noch dazu angenehm kurz mit 71 Minuten – der wahrscheinlich kürzeste FFF-Opener aller Zeiten!
HER WILL BE DONE -
Auf der IMDb als reines Drama getaggt, auf Letterboxd schreibt jemand „Another drama-horror trying to blend coming-of-age with folklore“, was meine zugegebenermaßen bestehenden und von Rosebud mehrmals im Jahr aufs Neue verstärkten Vorurteile bestätigt. Eher nichts für mich.
HI-FIVE ++
Mein erster Gedanke beim Sichten des Trailers war: Haben sie das in den Kulissen von SQUID GAME gedreht? Das mag ja in Korea mal wieder ein Blockbuster sein, aber Entschuldigung, die Story von den Losern, die plötzlich Superkräfte haben, ist doch jetzt wirklich durch alle Länder durch, nein? Wenn das nicht der Abschlussfilm wäre, würde ich ihn ja auslassen, aber so…
HONEY BUNCH ++
Ich mochte den Vorgänger des Regie- und Autorenduos, VIOLATION, im Gegensatz zu vielen anderen (IMDb 5,3/10) sehr, weil er im Rape-and-Revenge-Genre mal etwas wirklich Neues zeigte. Auch wenn die Handlung hier etwas wirr erscheint, vertraue ich den beiden und lasse mich gerne überraschen.
THE HOME (US) -
Pete Davidson kann ich nicht wirklich leiden und der Film hat bereits jetzt einen unterirdischen IMDb-Score von 39/100 (Kritiker) und 5.6/10 (Publikum). Vielleicht irgendwann mal im Stream.
THE HOME (HEMMET) ++
Dieser Heimthriller sieht schon deutlich interessanter aus, ein schwedischer Slow Burner wäre genau der richtige Einstieg in den Festivaltag. Trotz der lustigen Letterboxd-Bemerkung „Forgot to escalate in the third act.“. Lässt bei mir THE KINGDOM Vibes aufkommen. Und wer’s gerne etwas hektischer mag, kann sich ja HELDIN anschauen.
MAN FINDS TAPE ++
Ich gebe es zu: Ich stehe auf Found Footage. Da ich mir in dem Subgenre auch den größten Schotter (wie z. B. FROGMAN) ansehe, ist der hier Pflicht, denn die bisherigen Kritiken sind ganz vielversprechend. Ich bin nur noch nicht sicher, ob es dafür die große Leinwand braucht.
MARCO +++
Da ich eine absolute Schwäche für indische Filme habe, auch wenn sie nicht gerade mal wieder die härtesten aller Zeiten sind, ist das hier ein must see für mich. Trailer knallt aber auch.
NIGHTMARE BUGS -
Siehe oben, sieht hübsch aus, aber Animes laufen meist ohne mich.
NINA +
Rachegeschichte in Westernikonografie, almodovarhaftes Female Empowerment. Sieht visuell ganz interessant aus, eine spanische Gazette schreibt „this wonderful trailer, which promisingly invites the viewer to see the film, is in this case clearly superior to the product it advertises, which is quite disheartening“, andere sind sehr angetan. Da entscheiden dann wohl Vorab-Reviews und Zeitplaner.
NO ONE WILL KNOW ++
Erst mal herzlichen Glückwunsch an die internationale Titelschmiede, die aus dem französischen „Sonnenkönig“ einen dieser austauschbaren Thriller-Allerweltstitel gemacht hat. Bei Handlung und Trailer dachte ich gleich mal an Iglésias’ unterhaltsamen EL BAR vom FFF 2017. Könnte interessant werden.
ODYSSEY +
„Morally Dubious Character Study Explodes into Ultra-Violent Thriller“ schreibt Bloody Disgusting. Einen Trailer gibt’s noch nicht, einen Clip kann man hier sehen, der sieht nach okayem düsterem britischem Unterwelt-Thriller aus. Aber eher was fürs Heimkino.
OMNISCIENT READER: THE PROPHECY ++
Warum brauchen die Koreaner so oft solche Bandwurmtitel? Der Trailer sieht mir eigentlich viel zu fantasylastig und zu kindisch aus, aber so was kann auf dem FFF auch Spaß machen. Eine Animeversion ist schon in Planung, klar.
OTHER ++
Trailer, Regisseur und Hauptdarstellerin machen mich an, die bisherigen Bewertungen (5.2/10 auf der IMDb, immerhin 3/5 auf Letterboxed) nicht ganz so. Mache ich mal vom Slot abhängig.
ROQIA +
Ein Genrefilm aus Algerien hat natürlich den Exotenbonus, aber die Story klingt schon verdächtig danach, als würde uns hier der x-te Aufguss von CARNIVAL OF SOULS erwarten.
SLANTED ++
Amy Wangs THE BROTHERS SUN auf Netflix habe ich nicht länger als bis zur zweiten Episode durchgehalten, aber thematisch finde ich ihren neuen Film interessant. Auch hier wäre ein Trailer hilfreich, um die Tonalität des Films einschätzen zu können. Die BROTHERS waren mir jedenfalls deutlich zu plakativ.
SWEETNESS ++
„Gen-Z MISERY“ und laut Eye for Film „One of the strongest films presented at this year’s South by Southwest“, das lässt aufhorchen, wobei das Setting wahrscheinlich auch gut im Heimkino funktioniert, wo der Film bestimmt auch bald landen wird. Mal noch einen Trailer abwarten.
SWORD OF VENGEANCE -
„Mad Max meets Highlander“, schreit uns der Trailer an. „Laientheater meets Balkan-Schlachtplatte“ rufe ich zurück. Der Ostblock-Endzeit-Fanfilm sieht tatsächlich unterirdisch mies aus, dabei hätte es für mich gar keinen Trailer gebraucht. Nach den ersten Sätzen der Inhaltsbeschreibung „In a post-apocalyptic world…“ war ich raus.
THE THINGS YOU KILL +++
Der iranisch-türkische Thriller hat bereits einen IMDb Metascore (!) von 78 (!) und wird auf Letterboxd u. a. so beschrieben: „seems like a strong anti-patriarchy moral thriller,…but halfway through it becomes more than that, elegantly sliding into wtf dream logic, as if (it) suddenly became laced with a strong dash of Lost Highway.“. Gehört dieses Jahr für mich definitiv zu „the things you watch“!
TOXIC AVENGER ++
Zwei Jahre im Giftschrank, weil er „unvermarktbar“ ist? Ich bitte Euch! Heutzutage gibt es doch für jeden Mist einen Markt, noch dazu, wenn er mit Peter Dinklage, Elijah Wood und Kevion Bacon besetzt ist und von Jeremy Saulnier-Spezi Macon Blair kommt. Sein I DON’T FEEL AT HOME IN THIS WORLD ANYMORE auf Netflix ist durchaus einen Blick wert. Und die bisherigen (sehr wenigen) Kritiken sind durchaus angetan: „even as some viewers will undoubtedly start to jump ship, the film’s immersive commitment to being a filthy Saturday morning cartoon impresses.“ (discussingfilm .net), “The Toxic Avenger isn’t as off-puttingly funny as Ari Aster’s Beau Is Afraid — nor is it as funny as it means to be — but the two aren’t as dissimilar as you’d expect.“ (Variety). Werde ich mir wohl schon geben, zumal mit der Festivalcrowd.
WE BURY THE DEAD +
Daisy Ridley vs. Zombies? Wenn ich „meditative zombie drama“, „mood piece“ und „another familiar exploration of grief“ lese, bekreuzige ich mich inzwischen schnell drei Mal und mache, dass ich fortkomme. Da steckt mir doch HANDLING THE UNDEAD vom letzten Jahr noch zu sehr in den müden Knochen – obwohl ich THESE FINAL HOURS vom selben Regisseur ganz gut fand.
WELCOME HOME BABY +
Andreas Prochaska hat DAS FINSTERE TAL und IN 3 TAGEN BIST DU TOT (inkl. Fortsetzung) gemacht, über die sich jeweils sagen lässt, dass es ganz okaye Genrefilme sind – für Österreich. Das ist mir – trotz interessanter Besetzung mit Maria Hofstätter und Gerti Drassl – ein bisserl zu wenig für eine Kinokarte. Kommt eh im ZDF.