Auch von mir nur in aller Kürze, bin grad’ doch ziemlich K.O. und muss morgen (also nachher) wieder früh raus:
Fünf Filme hab’ ich an diesem Wochenende gesehen, drei davon gut bis sehr gut, einer ärgerlich bis doof, und bei einem war’s ganz nett, wäre im Nachhinein aber auch egal gewesen, wenn ich den nicht gesehen hätte…
…los ging’s am Samstag nachmittag mit “The Cured”. Nach dem Ansehen des Trailers hatte ich mich dann doch zum Kinobesuch entschlossen, obwohl ich zuvor eigentlich eher abgeneigt war, ob der Ausgelutschtheit der Thematik. Das Ganze fing dann auch ganz gut an, nach kurzer Zeit (so etwa 20 Minuten) traten dann aber bereits die ersten Probleme auf, welche der Film bis zum Ende hin auch nicht mehr los wurde oder auch nur ansatzweise in den Griff bekam - im Gegenteil, es wurde von Minute zu Minute schlimmer. Was mit einer durchaus interessanten Prämisse begann und von dem ich dachte, das es sich mehr zu einem Charakterdrama mit Tiefgang und ordentlicher Figurenzeichnung entwickeln würde, das wurde im weiteren Verlauf immer wirrer und fahriger, und verhedderte sich mal in diesem subplot, stolperte sodann über jene Drehbuchwendung, sodass ich leider sagen muss, dass “The Cured” viel zuviel auf einmal wollte ((Schuld-und Sühnedrama, Familienkonflikt, Liebesgeschichte, politischer Anspruch (soziale Ausgrenzung / Wiedereingliederungsproblematik), Revoluzzer-Story, und dann am Ende auch noch der GRRROSSE Showdown, in dem alles zusammenläuft), nix davon wirklich zufriedenstellend hinbekommen hat und am Ende zuwenig abgeliefert hat. Zu stark auf die emotionale Schiene abgestellt hat er auch noch, das war zum Einen hin eher unglaubwürdig dargestellt, und zum Anderen auch viel zu dick aufgetragen.
Für mich das einzige wirkliche Ärgernis des Wochenendes, eine verquaste und überladene Pampe, die nix Halbes und nix Ganzes war.
Zum Glück ging’s dann am Abend weiter mit “Revenge”, der wiederum so ziemlich Alles richtig gemacht hat. Ab einem bestimmten Punkt, der sich tatsächlich schon recht früh im Film ereignet, kann man den Film eigentlich nur noch unter einer comichaften Perspektive sehen und nicht mehr wirklich ernstnehmen, weil die suspension of disbelief sich mehr dehnt als Mr. Creosote’s Hosenbund beim Fressgelage
- das ist aber total egal, weil das Ganze einfach so verdammt viel Spass macht. Farben, die Einem die Sehnerven wegätzen, eine absolut stylishe Kameraarbeit, ein schön treibender und pulsierender Elektroscore, und eine Heldin, die sich vom blonden sexy Dummchen zum fiesen, staubbedeckten und blutverkrusteten Racheengel wandelt. Eine Story im dem Sinne gibt’s auch nicht wirklich - das recht schnell etablierte Ausgangsszenario wird einfach nur konsequent ausgespielt und durchdekliniert, ohne dass irgendwelche grossen Überraschungen sich dabei ereignen würden…but my, did I have fun! 
Der Sonntag begann dann mit “Pyewacket” - ein kleines feines (Back to FFF2017---->) coming of age(Aaargh, da war’s wieder, das Festivalunwort des letzten Jahres
)-Indie-Drama, vom dem ich zuvor ob der doch eher nicht so begeisterten Stimmen hier und anderswo gar nicht soviel erwartet hatte, das seine Sache dann aber doch mehr als gut gemacht hat, und die emotionale Verwirrung und Verunsicherung seiner Protagonistin, die sich zu einer formidablen Psychose auswächst bis hin zum vollkommen konsequenten Ende ausbuchstabiert hat. Einen schönen Schauer hat’s mir auch noch den Rücken herunterlaufen lassen (die Szene, als Leahs Goth-Freundin Janice nächtens im Wald ohne ein Wort zu sagen im Taschenlampenschein steht und böse guckt - mit so 'nem “Blair Witch”-Kram kann man mich eigentlich immer kriegen…). Laurie Holden und Nicole Muñoz spielen solide, die Kameraarbeit ist auch gut, und das Skript kennt seine Stärken und Schwächen und weiss, was in welcher Situation geht, und wo und wann es zuviel des Guten wäre. Netter Film, kann man so machen.
“Hagazussa” dann mein persönliches Highlight des Wochenendes. Ein grandioser Bilderrausch, der für Viele vermutlich zäher war als ein drei Wochen altes Kaugummi und sich mehr zog als Raclette-Käse, aber ich mag ja solche hypnotisch-minimalistischen Endlos-Einstellungen, wo (fast) gar nichts passiert, man jede Menge Zeit zum Selbernachdenken hat und sich so richtig schön in die Bilder versinken lassen kann (manches Mal haben sich die Einstellungen vor meinen Augen in lebende, atmende Gemälde verwandelt - einfach nur (alp)traumhaft). Famose Kamera, superber Schnitt, ein düster-dräuendes Sounddesign und ein Score, der klingt, als würde jemand versuchen, auf Bratschen SUNNO))) nachzuspielen. Tolle Leistung der Hauptdarstellerin auch, und eine beunruhigende, irgendwie schwer fassbare animistische Atmosphäre. Es ist wohl kaum übertrieben zu schreiben, dass hier die Natur eine, wenn nicht stellenweise sogar die Hauptrolle gespielt hat. Für mich kaum zu glauben, dass der Streifen ein Abschlussfilm an der Filmhochschule (DFFB) ist - schon eher zu glauben dann leider die traurige Tatsache, dass es so gut wie keine Fördergelder gab (Genrefilm, historischer Stoff, etc. pp.). In den nächsten Monaten ist eine kleine Kino-Tour durch Österreich und die BRD geplant - wer gerne ruhige, bildgewaltige Psychodramen mit beklemmender Atmosphäre und beeindruckender Landschaftskulisse sieht, welche mehr die Bilder als die Dialoge erzählen lassen, und auf den FFF-Nights keine Chance zum Kinobesuch hat, sollte sich “Hagazussa” spätestens dann nicht entgehen lassen.
Den Abschluss des Wochenendes bildete dann “Brawl in Cell Block 99”, ein fieses Brett von einem Knastfilm. Hier bleibt wirklich kein Auge trocken und kein Knochen ungebrochen, gerne werden auch mal Schädel zu Brei getreten oder Leute mit der eh’ schon zertrümmerten Visage über den Betonfussboden geschleift. Wer sowas lieber nicht sehen möchte, sollte eine Sichtung dann wohl besser unterlassen. Krasse Performance von Vince Vaughn, und über Udo Kier und Don Johnson freue ich mich ja auch immer, wenn ich sie mal zu sehen bekomme. Ganz netter Abschluss der diesjährigen FFF-Nights, auch mir ging’s wie Umelbumel - die zwei und 'ne viertel Stunde gingen wirklich ratzfatz vorbei, ich habe mich auch gut unterhalten gefühlt, wenn man das bei so einem Stoff überhaupt so sagen kann - aber sooo sehr beeindruckt war ich dann von alledem auch nicht wirklich.
War auf jeden Fall ein schönes Wochenende mit nur einem Totalausfall, und zudem hab’ ich ja auch einfach morgen abend noch die Verlängerung in Form von “A Quiet Place” und “Hellraiser” drangehängt… 
