FFN 2024 - Fantasy Filmfest Nights

Die Nights sind schon wieder eine volle Woche her, und ich komme jetzt erst zu meinem Fazit. Das wahrscheinlich keinen mehr groß interessieren wird, darum fasse ich mich extra-kurz.

In der Harmonie in Frankfurt war es nett wie immer. Es gab auch wieder einen Festival-Drink, „The Soul Eater“, den ich diesmal aber nicht besonders aufregend fand. Das gilt leider auch fürs Filmangebot - vielleicht war ich aber (wegen viel Arbeitsstress) auch einfach nicht in der richtigen Stimmung, mich großartig begeistern zu lassen. Dann kommt bei mir auch noch das selbstgewählte „Sitges-Problem“ dazu: Bei den White Nights kannte ich 6 der 10 Filme schon von dort, jetzt bei den Nights waren es 4 von 17. Weitere 5 hatte ich in Sitges aber mehr oder weniger bewusst ausgelassen, weil sie für mich nicht so spannend klangen - und die Einschätzung hat sich dann jetzt auch bewahrheitet. Da ich auch dieses Jahr wieder in Sitges sein werde, muss ich mir das mit der Dauerkarte für die nächsten White Nights und Nights wirklich nochmal genau überlegen … Aber das ist natürlich nur mein persönliches Problem. Auf zu den Einzelwertungen:

LOVE LIES BLEEDING
Gefiel mir ausnehmend gut, auch, wenn ich ihm nicht gleich Legendenstatus geben würde. Tolle Farbgebung und Kameraarbeit, feine David-Lynch-Vibes zwischen LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DRIVE, starke Hauptdarstellerinnen, ein paar angenehme Härten. Gute 7,5/10 Punkten.

THE ROUNDUP: PUNISHMENT
Ist langsam gut, jetzt. Bzw. Eben nicht mehr gut. Die Ermüdungserscheinungen bei allgemeinem Set-up und Charakteren werden überdeutlich, der dumpfe Charme nutzt sich ab. Aber ich war auch nie Bud-Spencer-Fan. 5 Punkte.

THE WEIRD KIDZ
Das war dann dagegen ein echter Charme-Bolzen, zumindest für Leute, die ihre Jugend in den 80ern verbracht haben :wink: Der altmodische und extrem simple Zeichenstil war jetzt auch absolut nicht meins (erinnert aber tatsächlich, wie von Artur erwähnt, an SOUTH PARK und v.a. BEAVIS & BUTTHEAD - die ja sogar einen Sozusagen-Cameo-Auftritt hatten), aber wenn man sich daran mal gewöhnt hat, unterhält der Film ausnehmend gut und lässt einem fast warm ums Herz werden. Solche Kids will ich sehen, nicht die Nerv-Tröten aus RIDDLE OF FIRE! 7 Punkte.

MEANWHILE ON EARTH
Berührend und wunderbar atmosphärisch, erfüllt von großer Schönheit und tiefer Traurigkeit. Leider mit teils viel zu vorhersehbaren Storyentwicklung(en) und ein paar Elementen, die man in Sachen Handlungslogik hinterfragen kann. Macht aber wenig, ergreift den Melancholie-offenen Zuschauer trotzdem mit Sicherheit. 7 Punkte.

THE INVISIBLE FIGHT
Als 20-minütiger Kurzfilm wäre der echt gut gewesen. Ein paar gelungene Schmunzler hat er auf jeden Fall drin, speziell in der Quersumme von Heavy Metal und orthodox christlichen Mönchen. Wiederholt viele Gags aber viel zu oft und hat eine erschöpfend lange Laufzeit. Empfehlung: Lieber noch mal KUNG POW schauen. 5 Punkte.

STING
Die kleine Hauptdarstellerin wird mal eine ganz große. Und ich meine nicht die Spinne! Insgesamt aber leider ziemlich belangloses Mainstream-Futter, das mehr Wert auf Comic Relief als auf Schocks oder gar Grusel legt. Da war VERMINES eine ganze Klasse besser/effektiver/Gänsehaut induzierender. 6 Punkte.

THE SOUL EATER
TV-Krimi-Ästhetik. Gute Hauptdarsteller. Leidlich spannend erzählt. Allerdings ist die Story so dermaßen blöd komplett an den Haaren herbeikonstruiert, dass es mich fast schon ein wenig sauer gemacht hat. So einen herbeigeschriebenen Unsinn hat ein solch schmerzhaft reales Thema weder nötig noch verdient. Aber diese Herangehensweise mag Frankreich ja öfter mal, siehe DIE PURPURNEN FLÜSSE. Knappe 6 Punkte.

RIDDLE OF FIRE
Kannte ich schon, fand ihn jetzt ein wenig unterhaltsamer als beim ersten Sehen bzw. konnte ein paar Storydetails besser würdigen als am vorletzten Festivaltag morgens um 11:30 Uhr in Sitges :wink: Ist halt in erster Linie ein Kinderfilm, der wie ein klassisches (Text-based-) Adventure-Spiel am PC angelegt ist. Leider fand ich die den Film tragenden Kinder immer noch in vielen Szenen extrem nervtötend und „fremdschämend“. Einige Dialoge wirken auch nicht unbedingt „Kind-echt“. Ist aber allemal liebevoll gemacht. 5,5 Punkte.

THE EMPIRE
Hmmm… und was war das nun? Hatte ein paar nette Momente und interessante Figuren, war aber in erster Linie eine große Menge Nichts, die ich größtenteils schon wieder verdrängt habe. Zu viel langweiliger Sex, auch. Knappe 5 Punkte.

ODDITY
Hey, mal wieder ein Horror-Highlight. Hat mir sehr gut gefallen, da er mit seiner obskuren GOLEM-Story insgesamt tatsächlich mal ziemlich originell herüberkam und einige wirklich creepy Szenen enthielt. Aus offenkundig geringem Budget ein Maximum gemacht. Muss CAVEAT wohl doch endlich mal schauen. Knappe 7,5 Punkte, sehenswert.

COBWEB
Wegen anderer Verpflichtungen leider ausfallen lassen müssen. Genau wie in Sitges :frowning:

SUITABLE FLESH
Kannte ich schon und hatte kein Problem damit, ihn ausfallen zu lassen. Miserabel ausgeleuchtete, unspannende, trotz der tollen Hauptdarstellerinnen wirklich enttäuschende 90er-Videotheken-C-Ware. 4 Punkte.

BITTEN
Kannte ich schon und habe lieber 90 Minuten länger im Bett statt im Kino schlafend verbracht. Der Film ist für mich eine einzige Enttäuschung, die ihr Versprechen auf Atmosphäre nicht einlöst und, abgesehen davon, ohnehin absolut gar nichts zu bieten hat. Die männliche Hauptfigur hat zudem das Charisma eines Badeschwamms. Jean Rollin hätte im Wachkoma einen verzaubenderen Film gemacht. 5,5 Punkte einzig der Hauptdarstellerin wegen (die einigen männlichen Kritikern vielleicht ein Stück ihrer Objektivität raubt :wink: ).

BOY KILLS WORLD
Die Festival-Schlaftablette ließ ich also bewusst aus, in die Festivalgurke Nr. 1 habe ich es dann leider pünktlich geschafft. Okay, „Gurke“ ist wohl etwas übertrieben, ich kann jede:n verstehen, der hier eine gute Zeit hatte. Für mich war dieser verkrampft Möchtegern-lustige Filmversuch jedoch wirklich schwer zu ertragen, und er fühlte sich in seiner ganzen Herangehensweise so fürchterlich „deutsch“ an. Kein Wunder, stammt er ja auch von der Bande, die schon SCHNEEFLÖCKCHEN verbrochen hat. Weder lustig noch spannend noch cool, findet sich selbst aber überdeutlich so. Speziell der Voiceover (mit der Stimme von „Bob Belcher“ aus BOB‘S BURGERS, wie witzig!) ging mir extrem auf die Nerven. Maximal 4 Punkte.

CONCRETE UTOPIA
Mindestens 20 Minuten zu lang, ansonsten aber sehr solide umgesetzter Katastrophenfilm. Mitunter ziemlich große Logiklücken, nur mäßiges Involvement mit nominellen Hauptfiguren schaffend. Dafür filmtechnisch ohne Fehl und Tadel, in einigen Momenten (Rückweg von Lebensmittelbeschaffung → Angriff mit Molotowcocktails) äußerst spannend inszeniert. Knapp 6,5 Punkte.

LATE NIGHT WITH THE DEVIL
Kannte ich schon und fand ihn beim zweiten Sehen genauso klasse, originell, stark gespielt. Habe ich schon in einem Lang-Review gebührend abgefeiert. 8 Punkte.

THE FUNERAL
Deutlich besser als erwartet. Sehr atmosphärisch. Stimmungsseitig nah an DELLAMORTE DELLAMORE, wenn auch etwas unterkühlter. Für den allerletzten Slot natürlich nur mäßig geeignet. Trotzdem allemal interessant. 6 Punkte.

So viel von mir. Freue mich in jedem Fall schon auf September :wink:

3 „Gefällt mir“