Fall ( Scott Mann / 2022 / BluRay / englischsprachige Originalversion / Erstsichtung)
Zwei junge Extremkletterinnen, gute 600 Meter über dem Wüstenboden festsitzend auf einem Pizzakarton-großen Gitterboden an der Spitze eines in luftigste Höhen ragenden metallenen Zahnstochers, ohne Wasservorräte oder einen Rückweg nach unten - willkommen zum neuen Lieblingsfilm aller Akrophobiker*Innen oder solcher, die es (spätestens nach dem Ansehen) noch werden wollen…
Eigentlich war ein Survival-Thriller zum (nicht mehr allzu neuen) Extrem"sport"-Phänomen Roofing ja längst überfällig - dass dieser dann ausgerechnet von den Produzent*Innen von „47 Meters Down“ kommen würde (wie Trailer und anderes Marketing nicht müde werden zu betonen), und darüber hinaus dann sogar noch ziemlich gelungen ausfallen würde, war so nun aber nicht unbedingt zu erwarten gewesen. „Fall“ macht seine Sache aber tatsächlich mehr als gut, was zum Einen an den beiden gut miteinander harmonierenden Hauptdarstellerinnen (die übrigens so gut wie alle Stunts selbst gemacht haben (wenn auch natürlich nicht in 600 Meter Höhe, sondern „nur“ gut 30 Meter über dem Erdboden)) liegt, denen vom Script zwar keine Höchstleistungen in puncto Mimenspiel oder emotionalen Ausdruck, dafür aber umso mehr in Sachen Körperbeherrschung und akrobatische Kunststücke abverlangt werden, zum Anderen aufgrund seines phänomenalen Sets und Settings, welches superb abgefilmt wurde, und der grandiosen, üble Beklemmungen erzeugenden Atmosphäre. Und obwohl Script und Story nicht mehr als bestenfalls durchschnittlich, sämtliche Twists vorhersehbar wie die future crimes in „Minority Report“ und auch the obstacles that have to be overcome alle altbekannt sind, tut das dem Filmvergnügen keinen großen Abbruch. „Fall“ kann sich ganz auf die herzklopfverstärkende Spannung, die er trotz einiger kleinerer Längen im Mittelteil und einem Ende, das so rushed ist wie Britney Spears’ wedding in Vegas, aus seinem minimalist setting zieht, und die Kraft seiner teils atemberaubenden Bilder (nur allzu gerne hätte ich den Streifen auf einer RRRichtig GRRROSSEN Kinoleinwand bestaunt) verlassen. Am Besten ist der Film immer dann, wenn die Kamera eine urplötzliche Bewegung in die Vertikale macht - was in diesem Fall meist heisst, geradewegs in die Tiefe wegzukippen. Der höhenschwindelerregende Sog, der dadurch erzeugt wird, würde mit Sicherheit auch einen Scottie Ferguson nicht kalt lassen.
Schöner Film mit größtenteils handgemachten Bildern. Nur bei der Höhe des towers mussten CGI aushelfen, ach ja, und wie sich dem ebenfalls empfehlenswerten „Making Of“ entnehmen lässt, leider auch bei der virtuellen Nachbearbeitung der Mundbewegungen der main actresses, die bei den teils improvisierten Drehs ein wenig zu sehr mit „f words“ um sich warfen. Da Nachdrehs weder logistisch noch finanziell drin waren, musste halt so per CGI Lip synch nachge"bessert" werden, um doch noch das begehrte PG-13 rating ergattern zu können. Den Film-Puristen in mir schmerzt so etwas schon sehr, andererseits hat der Streifen dadurch bei Produktionskosten von etwa 3 Millionen $ und Marketing-Ausgaben von 4 Millionen $ so immerhin ein Einspielergebnis von 21 Millionen $ einfahren können - und das wiederum gönne ich ihm dann doch von Herzen.