Lessons From The Wasteland: Ein Film-Marathon-Fazit
Hätte ich gedacht, als ich mich vor gut eineinhalb Wochen für die Dauer von acht Tagen ins postapokalyptic wasteland eingebucht habe, dass es ein dermaßen wilder Ritt werden würde? Einen joy ride hatte ich nun nicht unbedingt erwartet, dafür ist George Millers brutale Endzeit-Welt ja auch viel zu grimmig… aber dass mich der rewatch (fast) aller „Mad Max“-Filme auch heuer wieder dermaßen heftig durchschütteln, ein weiteres Mal mit maximaler Beschleunigung in den Sitz pressen und wie im ruckartigen Schock des Aufprall-Moments ein ums andere Mal so bös erwischen und fast schon schleudertraumatisiert geplättet zurücklassen würde, damit hatte ich am Samstag abend vor gut zehn Tagen nicht wirklich gerechnet… allein, ich hätte es natürlich ahnen können. Zu großartig sind Millers directorial skills, zu schrecklich-wundervoll diese bizarr-beeindruckende Welt, zu abgefahren-adrenalingeladen diese (für mich jetzt ja bloss noch) vier Einträge in die franchise, als dass es mich nicht wieder voll erwischt hätte. Stand jetzt vermutlich die für mich in ihrer Gesamtheit wohl großartigste Filmreihe überhaupt, und sicherlich eine der faszinierend-fesselndsten Welten in all of movie history.
Wobei ich wirklich jeden einzelnen Film in all seiner eigenwilligen Verschiedenheit, in seinen individuellen Eigenheiten, in seiner je einzigartigen Qualität wieder aufs Neue schätzen gelernt habe. Und es mir deshalb auch schlichtweg völlig unmöglich ist, einen einzigen davon als besten heraus zu heben. Weil eben keiner ohne die anderen so wäre, wie er eben ist. Und ich im Grunde genommen auch alle vier auf ihre je eigene Weise so absolut mind blowing und umwerfend finde, dass ich mir auch gar nicht anmaßen wollen würde, da jetzt noch einen definitiven all time favorite herauspicken zu wollen. Jeder von ihnen hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, und ich mag sie einfach alle so sehr:
Den niederschmetternden Nihilismus von „Mad Max“.
Die brutale Grausamkeit von „Mad Max 2 - The Road Warrior“.
Den intensiv-mitreissenden Sog von „Fury Road“.
Und die wilde, flammend-frostige, unbezähmbare Schönheit von „Furiosa“.
And speaking of „Furiosa“: Der hat sich tatsächlich nochmal eine ganz besondere Erwähnung verdient, nicht nur, weil es der jüngste Ableger der ganzen chose ist. Nein, wie Miller hier seine ohnehin schon unglaublich detailverliebte und facettenreiche, atmende und plastisch-lebendige Welt sowohl in eine ausufernd epische Größe verbreitert, als auch in eine ausgefeilt-durchdachte, ungekannt liebevolle Fühlbarkeit gehend vertieft hat, das sucht spätestens jetzt im world building seinesgleichen. Der taktil-dynamische Detailreichtum dieses alles Andere als öden wastelands ist, einem postapokalyptischen Füllhorn gleich, so lebhaft-verspielt, dass man beinahe meint, diese doch nur erdacht-fiktionale Welt mit eigenen Schritten begehen zu können (nicht, dass man dort länger als allerhöchstens fünfzehn Minuten überleben könnte…). Und wenn „Fury Road“ der beinahe perfekt geschliffene, brillant leuchtende Diamant in der „Mad Max“-Krone ist, dann ist sein counter part „Furiosa“ der verführerisch-verdammnisvoll funkelnde Rubin. Beide strahlen sie taghell, und tragen jedes doch auch eine kaum wahrnehmbare Patina von mattschwarzer Dunkelheit in sich. Spiegelbilder des je anderen, in der Zusammenschau gleißendes Filmgold.
Seit ich damals auf den FantasyFilmfestNights den von mir schon Monate vorher heiß erwarteten „The Witch“ gesehen habe, halte ich Anya Taylor-Joy in very high regard. Und jedem anderen Regisseur als George Miller hätte ich es vermutlich kaum verziehen, wenn er diese einer meiner derzeitigen Lieblings-Schauspielerinnen einer derart krassen Tortur unterzogen hätte, wie es Taylor-Joy bei den anstrengend-grenzüberschreitenden Dreharbeiten zu „Furiosa“ wohl hat durchmachen müssen (you can read more about that here). Aber einerseits ist das - zumal in Anbetracht aller circumstances - zum Teil wohl kaum zu vermeiden gewesen, und andererseits: Wenn dabei ein so wahnsinnig grandioser Film herauskommt, dann ist das wohl der Preis, den man dafür zu zahlen hat. Und Taylor-Joy hat der ganzen stressigen Tortur ja durchaus auch gute Seiten abgewinnen können. Auch wenn sie, wie sie selbst sagte, jetzt wohl erst einmal zwei Jahre brauchen wird, um sich davon zu erholen. Wie auch immer: Ich kann ihre formidable Leistung in „Furiosa“ gar nicht genug würdigen, und es auch nicht mal ansatzweise nachvollziehen, wie tonnenschwer es sein mag, wenn man als actress fast aller seiner üblichen Ausdrucksmittel (Gestik, Mimik, Dialoge, etc. pp.) beraubt wird, und sich gezwungen sieht, so gut wie Alles an Emotionen allein mit den Augen vermitteln zu müssen. Insofern: Kudos, Mrs. Taylor-Joy, für eine schauspielerische Wahnsinns-Leistung against all imaginable odds! Sicherlich jetzt schon eine meiner absoluten top performances des Kinojahres. Und hat sie für mich im Ansehen nochmal um Einiges höher steigen lassen (falls das überhaupt noch möglich sein sollte…
).
Es ist schon seltsam: Nach all der langen Zeit, all diesen vielen Stunden, die ich cineatische Ferien im wasteland gemacht habe, mich zwischen der Citadel, der Bullet Farm, Gastown, dem von Humungus’ Horden belagerten Fort herumgetrieben, Mays Farm, die Halls of Justice und den Green Place Of the Many Mothers besuchen durfte, die Bekanntschaft des verlotterten Feral Boy, der ältlichen Madenzüchterin, der durchgeknallt-chromberauschten war boys und der resoluten Mary Jabassa gemacht habe, da fällt mir der (vorläufige) Abschied von der franchise gar nicht so leicht. Einer franchise, die mich ja nun auch schon fast vierzig lange Jahre begleitet - seitdem ich damals anno 1985 mit dreizehn oder vierzehn Jahren zum allerersten Mal mit einem Freund das ausgeleierte VHS-tape von „Der Vollstrecker“ in den Cassettenschacht des Videorekorders schob, wir Brian Mays unvergessliche Titelmusik hörten, und die immer noch in meinem Kopf nachhallenden Worte vernehmen durften: „Mein Leben neigt sich dem Ende zu. Die Bilder verblassen…“. Nun, mein Leben neigt sich (hoffentlich) noch nicht dem Ende zu - mein cineastischer Aufenthalt im wasteland allerdings schon.
Die Bilder aber, die werden wohl nie so ganz verblassen.
Danke, Mr. Miller, für Alles.
It was a journey beyond belief.
Maybe see you again some time, in that barren place they call the wasteland.
Ah - I almost forgot:
Two for the road…







