Ich habe wirklich eine ganze Weile lang hin- und herüberlegt, ob ich mich wirklich überhaupt nochmal dazu äussern mag und möchte, aber wenn’s denn sonst niemand tut…
Ja, wirklich und wahrhaftig ein sehr schöner Auftakt - an dem mich persönlich vor Allem diese nichts erklärende, impulsiv-immersive Unmittelbarkeit jedes einzelne Mal wieder von Neuem zu faszinieren weiss. Dieses umstandlos-rücksichtslose Mitten-Hinein-Geworfenwerden, mit full speed direkt ins Geschehen Hineinkatapultiertwerden. Sicherlich von allen vier „Mad Max“-Filmen die mit ganz weitem Abstand grossartigste Eröffnungsszene.
Wieso nur lese ich bei solcherlei Ein- und Anwürfen fast immer unterschwellig so ein schmollig vorwurfsvolles persönliches Beleidigtsein heraus? Nach dem Motto: „Wir sind die einzig wahren Fans (selbstschreibend auch ein völlig bescheuertes Selbstverständnis von „Fan-Sein“ / Fan-Tum, aber dazu komme ich übrigens gleich auch nochmal, keine Sorge…
), also haben wir verdammt nochmal auch ein Anrecht darauf, den Film geliefert zu bekommen, den wir sehen wollen! Ganz gleich, was der:die Regisseurin selbst gerne für eine Art Film machen / für eine Geschichte erzählen möchte!“ Man kann es, auch zum mittlerweile hunderttausendsten Mal, ja offensichtlich immer noch nicht genug betonen: Nein !!! Eben genau das, also ein irgendwie verbrieftes Anrecht darauf, dass immer nur gemacht wird, was die angeblichen „Fans“ gerade gerne haben wollen, das habt Ihr, das haben wir, nunmal nicht! Als wäre ein:e Film-Regisseur:In nur eine Art Dienstleister:In, und nicht ein:e kreative Künstler:In mit einer eigenen Vision. Mag sein, dass Miller in Deiner Denke „(s)eine Chance“ hatte, die „Fans“ (welche Fans genau eigentlich?) mit einer erwartbaren Wiederholung der immergleichen / ähnlichen Bildsprache / Erzählweise „zufrieden zu stellen“ / ihnen genau „das zu geben, was sie wollten“, but guess what? Genau das hat ihn nicht die Bohne interessiert, und wollte er eben nicht! Und, ich schäme mich fast dafür, das überhaupt ausschreiben zu müssen, weil es doch so gottverdammt offensichtlich ist: Natürlich hätte Miller auch jetzt und heutzutage noch zehn- bis hundertmal die chops, einen Film wie „Mad Max 2“ drehen zu können (eben, weil er seinen Zenith noch nicht überschritten hat, wie er ja sowohl mit „Fury Road“ und auch mit „Furiosa“ unter Beweis gestellt hat (auch, wenn das nicht Alle sehen können / wollen)). Aber offensichtlich hat er einfach gar kein Interesse daran, abermals einen Film wie „Mad Max 2“ drehen zu wollen… warum auch? Das hat er ja schon getan. Und eben keine Lust drauf, sich einfach nur nochmal zu wiederholen. Insofern bin ich auch nach wie vor überaus dankbar dafür, dass er es, um mal Deine Worte aufzugreifen, „grandios versaut“ hat, einfach nur bloßen fan service abzuliefern…
In meinen Augen ist es jedenfalls eine absurd-narzisstische Anmaßung, sich als (gerade auch als) Fan hinzustellen, und von einem Regisseur einzufordern, einfach bloss die eigenen Ansprüche befriedigt bekommen zu wollen, anstatt sich mal wirklich auf das einzulassen, was Einer:Einem der tatsächliche Film dann zu bieten hat. Natürlich ist jedwede berechtigte Kritik am Gesehenen legitim, aber beständig nur das eigene Wunschdenken an ein movie franchise erfüllt bekommen zu wollen, ist nicht nur reichlich redundant, ich halte das beinahe schon für regressiv - und bringt weder das Filmschaffen als Ganzes, noch die jeweilige Film-Reihe als solche weiter, weder künstlerisch-inszenatorisch, noch narrativ-dramaturgisch.
Zu allererst: Du solltest vielleicht nur für Dich selbst sprechen, und nicht für Dich in Anspruch nehmen, für „alle“ „hardcore MadMax Fans“ (wer oder was auch immer das sein mag) die Stimme zu erheben. Als wären Fans eine Art monolithischer Block, und würden Alle mehr oder weniger dasselbe / das Gleiche denken / empfinden / sehen wollen. Ich für meinen Teil würde jedenfalls - gerade auch nach all dem, was ich weiter oben in diesem thread zu den einzelnen „Mad Max“-Filmen geschrieben und geposted habe - das Etikett, "Hardcore-„Mad Max“-Fan zu sein, durchaus auch für meine Person in Anspruch nehmen wollen - finde mich und meine Perspektive auf die neueren Filme und die Reihe als Ganzes aber mal so gar nicht in Deinen Worten wieder… Von daher: Als Bezeichnung für das Ansinnen und die Wünsche der „echten“ franchise-Fans, zu deren Fürsprecher Du Dich eben mal selbst erklärst, absolut unpassend, und tatsächlich auch überhaupt nicht zutreffend. Es sei denn, wir kommen darin überein, den Terminus „echte hardcore „Mad Max“-Fans“ durch „ewiggestrige verbohrte „Mad Max“-Fans“ zu ersetzen… dann würd’s wieder passen.
Denn: George Miller ist sich und seinem Stil in der Tat erstaunlich treu geblieben, und hat sich selbst, seine Vision und deren Umsetzung aber konsequent weiter entwickelt, und ist dann aber eben auch nicht in den frühen Achtzigern stehengeblieben - eine ganze Menge seiner /der „Mad Max“-„Fans“ scheinbar aber schon… Ihr wollt nochmal einen Film wie „Mad Max“ oder "Mad Max 2" sehen? Ja, um Himmels Willen, dann guckt Euch doch zum was-weiss-ich-wievielten Male die Originale an, und hört endlich auf, wie beleidigte Kinder, denen man ihr Lieblings-Spielzeug weggenommen habt, immer bloß rumzuheulen und zu greinen! Von Miller werdet Ihr einen solchen Film jedenfalls nicht mehr bekommen, soviel sollte Euch inzwischen ja eigentlich auch selbst klargeworden sein. Was vermutlich auch einer der Hauptgründe dafür ist, dass Ihr Euer ewiges Lamento dennoch immer noch nicht unterlassen könnt. Zur Abwechslung könntet Ihr danach (also, nach der Sichtung) dann ja vielleicht auch mal was Positives zu diesem thread beitragen, und Eure Gedanken und Seh-Eindrücke dazu posten, anstatt Euch wie die grumpy middle-aged men, die Ihr vielleicht, vielleicht auch nicht, seid, bloss immer nur in Eurer allzu offensichtlich dargebotenen (und von mir persönlich deshalb mitterweile auch nicht mehr ernstgenommenen) Ablehnung der neueren franchise-Einträge auf bestätigende Art und Weise gegenseitig auf die virtuellen Rücken zu klopfen. Ich finde ein solches Verhalten mittlerweile nicht mehr nur ermüdend und langweilig, sondern fast schon bockig-infantil. Und kenne selbst auch genug andere Fans der alten Filme, die auch „Fury Road“ und „Furiosa“ in der Tat durchaus viele positive Aspekte abgewinnen können, und nicht immer nur den alten Zeiten hinterher trauern. Zumal auch weder in „Fury Road“ noch in „Furiosa“ die von Dir behauptete „Zeitgeist-Alibi-Frauendramastory“ erzählt wird, sondern eben nur ein weiterer road movie-Rache-, Schuld-und-Sühne-Endzeit-Western mit muscle cars, comichaft überzeichneten Antagonisten (die im Falle von „Furiosa“ aber wirklich hart an der Grenz zur Selbstparodie agieren), und jeder Menge high speed car chase action - was mit Mad Max als Charakter zwar wirklich nichts mehr / nicht mehr viel zu tun hat (und aber auch gut so ist) - mit der Filmreihe als Solches und gerade auch den alten Filmen aber sehr wohl, und umso mehr. Selbst, wenn die Hauptfigur jetzt nicht mehr den Nachnamen „Rockatansky“ trägt. Den Geist und die Essenz vor Allem auch der ersten beiden Streifen des franchise hat Miller jedenfalls kongenial aktualisiert und transformiert - und zwar ganz ohne sich selbst, die Hauptfiguren und / oder deren Integrität zu „verraten“, sondern sie ganz im Gegenteil noch um interessante Facetten zu erweitern, und sowohl Story als auch Setting zu verbreitern. Und dabei dennoch immer klar fokussiert und hoch konzentriert aufs Wesentliche reduziert zu erzählen. Viel besser hätte man die Reihe meiner Meinung nach kaum fortführen können.
Mal ganz davon ab, dass ich Hardys performance jetzt auch nicht so dolle fand, und tatsächlich auch für einen der (ganz wenigen) Schwachpunkte von „Fury Road“ halte, und es Max IMHO wohl auch gar nicht vergönnt gewesen wäre, bis in ein solches Alter, wie Gibson es innehat(te), mit seiner Art von life style im postapokalypischen wasteland zu überleben - was für eine Art Geschichte hätte Miller denn mit einem ergrauten, in die Jahre gekommenen Max erzählen sollen? Ich jedenfalls hätte ich keinen Bock auf eine Art Vergebungs-Drama à la „Logan - The Wolverine“ im „Mad Max“-Universum gehabt… wobei das von der Art der Inszenierung und dem Stil als Road movie-Western eigentlich ja sogar ganz gut gepasst hätte. Miller selbst hatte ja jedenfalls sowieso Anderes in Sinn, und IMHO hätte Gibson nun wirklich nicht in das Setting und die Story von „Fury Road“ gepasst.
Zum Thema „Terrifier 3“: Der Trailer lief vor dem „Smile 2“-screening, welches ich vorgestern besucht habe, und hat mich vom Stil her doch recht neugierig gemacht. Sah schön kratzig-dreckig und schraddelig-rough aus. Nachdem ich mich nun aber mal etwas schlauer über den Film gemacht habe, habe ich nicht nur beschlossen, da von einer Sichtung Abstand zu nehmen, sondern kann auch überaus gut nachvollziehen, warum Rosebud den eben nicht auf dem FFF gezeigt hat. Das ist überhaupt gar nichts, was noch zu denen und ihrem Festival-Profil passt. Eher schon zu David und seinem „Obscura“ (aber dafür wäre er wohl viiiiel zu teuer, und hat ja eh’ schon einen regulären BRD-Kinostart).