Bee With Your Friends
„The Furious“
(Tanigaki Kenji / 2025 / Kino (DCP) / OmdU / Erstsichtung)
Gute zwei Monate, nachdem uns der Trailer auf den FantasyFilmFestNights zum ersten Mal vor Augen geführt wurde, durfte ich dann vorgestern abend nun auch endlich den im Vorfeld zum allerneuesten heissen Scheiss in Sachen „Martial Arts-Kino“ gehyped-ten, und zur nächsten Fuchtelfilm-Sensation hochgejazzten „The Furious“ in Gänze auf der GROSSEN Leinwand sehen… und was ich soll ich hier und jetzt schon noch lang und breit drum herum schreiben - Alle mehr als positiven Vorab-Eindrücke, und im Vorfeld vernehmbaren überschwänglich-begeisterten Stimmen waren absolut zutreffend, und hatten vollkommen Recht! Das Ding ist wirklich der gleissend hell strahlende neue Stern am Kampfsport-Film-Himmel, und bereits jetzt schon einer der zukünftigen Martial-Arts-movie classics nicht nur dieses Jahrzehnts, sondern höchstwahrscheinlich auch des gesamten filmischen Jahrhunderts. So unfassbar perfekt durch-choregraphierte, stylish-slick inszenierte Kampf-Szenen gab es schon lange nicht mehr im Kino zu bewundern. Regisseur Tanigaki war selbst über drei Jahrzehnte lang Action- und Martial Arts-Film-Kampf-Sequenzen-Koordinator, und -Choreograph, und hat hier einen wuchtig-wirkmächtigen Kracher für die Kampfsport-Film-Ewigkeit geschaffen. Ein aus zerschmettert-zerschundenen menschlichen Körpern erbautes Denkmal des zeitgenössischen Fuchtelfilms, das seinesgleichen sucht. Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann und wird nicht glauben, mit welcher rasant-fulminanten Virtuosität die Menschenmassen-gefüllten fight scenes, mit welcher bis zum Schädelbersten brutal-brachialen Wucht und Schlagkraft jeder einzelne Handkanten- und Hammerschlag, jeder Kukri- und Messerschnitt, jeder knallende Pistolen- und Gewehrschuss hier (wortwörtlich) reinhauen, und einschneidend sich einprägen. Wie krachend-Knochenbrüche verursachend schmerzhaft und blutspritzend-gemütserhitzend all diese Kampf-Ballette hier ins Bild gesetzt werden, wie Hämatom-hervorrufend und ballistisch-aerodynamisch der Schwerelosigkeit gleich hier Körper durch die Luft gleitend, in beengtesten räumlichen Verhältnissen jeden Mini-Quadratzentimeter an Platz ausnutzend sich aufeinander schlagend, umeinander windend, übereinander springend und schwingend aufeinander zu und wieder von einander weg bewegen. Was einstmals für (den IMHO arg unterschätzten) „Resident Evil: Retribution“ galt, ist hier umso zutreffender: Die Position der Figuren im Raum bestimmt ihre Beziehung zueinander, im Kampf erst finden sie ihren ureigensten, ihnen innewohnenden individuellen Ausdruck, und steigert sich der Film mit zunehmender Laufzeit immer mehr und mehr in einen kinetisch-synästhetischen Rausch, dass mensch bald schon nicht mehr weiss, wo ihr:ihm der Kopf steht. „The Furious“ setzt den fortan einzig gültigen Gold-Standard für Kampf-Choregraphien und martial arts movies. Isso. Punkt. Und ja, der Name des Films ist so zutreffend, wie nur irgendwas, und Programm. Die knallharte Gewalttätigkeit der battle scenes steht dabei in krassem Kontrast zu einer von Tanigakis letzten Arbeiten als Stunt-Choreograph: Dem eher episch-epoche-verklärenden, schwermütig-sehnsuchtsvollen Charakter-Drama „Twilight Of The Warriors: Walled In“, das anno 2024 auf dem FFF lief, und mich damals ebenfalls schwer begeistern konnte. Wobei die fights in ebenjenem Film aber eher im Wuxia-Stil inszeniert, und zudem auch etwas arg zu schnell geschnitten waren, sodass es manchmal doch sehr schwer fiel, dem Kampfgeschehen adäquat folgen zu können, weil der Kopf dem Bild auf der Netzhaut gar nicht mehr so schnell hinterher kam. Was in „The Furious“ glücklicher Weise nicht, und in keiner einzigen Sekunde der Fall ist. Wiewohl die battle scenes hier sogar noch um Einiges schneller arrangiert und ausagiert sind. Aber vom Schnitt und Rhythmus her so präzise-genau auf den Punkt sind, dass mensch jederzeit die Übersicht behält, und immer gleichzeitig sowohl mittendrin ist, als aber auch eine übergeordnete Perspektive einnimmt, und beibehält.
Die vielgestaltig-schnelllebigen, wahnwitzig-wirbelnden Hand-, Fuss-, Arm-, Kopf- und Bein-Bewegungs-Kaleidoskope erhalten auch dadurch noch einmal konturhaft-präzise Schärfe und subjektive Tiefe, dass nahezu jede:r henchman / -woman, jeder villain, und jede Figur sein:ihr je eigenes move set an ganz verschiedenen, divergierend-einzigartigen Finishern, attack patterns und combat combos hat, und aufweist. Seien es der bullig-stiernackige Ho, der tödlich genaue, final-lethale Tak, der psychotisch-ruchlose Ober-Motz und Endgegner Paklung, oder auch die gutherzig-rechtschaffene Investigativ-Journalistin Matia. Nur bei den beiden Haupt-Charakteren, dem „mute chinese“, der sich nur per Zeichensprache oder hastig hingekritzelter Zettelchen verständigt, und dem entschlossen-geradlinigen Navin, hatte ich ab und an doch einige Mühe, ihre je eigenen Kampfstile auseinander zu halten (der erstere soll eher Kung Fu anwenden, während Letzterer wohl vornehmlich in Judo geschult ist). Das mag eingefleischten Kampfsport-Film-Enthusiast:Innen aber bedeutend leichter fallen, als mir selbst. Jedenfalls weden auch alle Pro- und Antagonist:Innen von einem superb-diversen Pan-Südost-asiatischen cast prägnant-zutreffend verkörpert. Sowohl der Jet Li- und Chow Yun Fat-erprobte Xie Miao, der bereits aus den „The Raid“-Filmen und den „Mortal Kombat“-Verfilmungen bekannte Joe Taslim, der in „Everything Everywhere All At Once“ aufgetretene Brian Le, der ebenfalls „The Raid“-bewanderte Yayan Ruhian, oder auch die Muay Thai-Kämpferin Yanin Vismitananda. Sie alle duellieren, konkurrieren und massakrieren (mit-)einander, dass es eine wahre Freude, und ein einziger Augenschmaus ist. Und setzen im Kampf alles in den wunderbar verschiedenen und differenzierten locations herumstehende und - liegende Interieur, und / oder Gebrauchs-Gegenstände, Werkzeuge, usw. usf. ein. Mögen das nun Vorschlaghämmer, Euro Pan-Asia-Paletten, Leitern, Fahrräder, oder sonstwas sein. Nichts ist zu schade, und / oder zu unnütz, als dass damit dem:der Gegner:in nicht doch irgendwie noch eine klaffende Platzwunde zugefügt, der Schädel eingeschlagen, oder ein grossflächiger Bluterguss beigebracht werden könnte. Das krachig-hervorragende, knackig-vielsagende Sound Design trägt dabei viel zur Immersion und kantigen Wucht der Leinwand-Action bei. Wobei mir die durchaus en detail dargestellte, derb-brutale Gewalt gelegentlich immer noch nicht brutal genug war, und von mir aus gerne noch ein, zwei Momente länger im Bild hätte gezeigt werden können. In etwa so, wie damals in den ersten beiden Titeln der Neuauflage der First Person Shooter-SciFi-Splatter-Horror-Video-Spiele der „DOOM“-franchise die berüchtigt-überdrehten, überkandidelt-überzogenen Glory Kills. Welche den rasant-fulminaten Spielfluss immer mal wieder für die Dauer von einigen Sekunden unterbrachen, ohne ihn aber zum Stocken,oder gar Erliegen zu bringen. Wobei CGI-Blut halt immer noch reichlich scheisse, und unecht-doof ausschaut. Was sich wohl leider nie so ganz ändern wird. Aber das sind eigentlich nur völlig vernachlässigenswerte Niggeligkeiten am Rande, welche den überragend-kongenialen Gesamt-Eindruck von „The Furious“ nie wirklich schmälern können. Wer auch nur einen Funken Liebe für Fuchtel-Filme inne hat, und anderen Menschen gerne mal dabei zuschaut, wie sei einander mit wirklich Allem, dessen sie nur irgend habhaft werden können, mit Schmackes und Emphase auf der Leinwand verdreschen, die:der muss diesen Film einfach im Kino gesehen haben! Und wird danach lichterloh in Flammen der Begeisterung stehen, und nach Vorstellungs-Ende mit einem breiten Grinsen im Gesicht den Heimweg antreten. Un-fucking-believable! Und doch existent. Der:die Gott:Göttin des mit Liebe und Hingabe zelebrierten Kampfsport-Films meint es in diesem Kinojahr gut mit uns… Denn mehr, und heftiger, werdet Ihr anno 2026 nicht mehr auf die cineastische Fuchtelfilm-Fresse bekommen! Und Ihr werdet jedes einzelne frame, jede rasendschnelle Millisekunde davon abgöttisch lieben. Word. Und jetzt rafft Euch endlich auf, und guckt das gottverdammte Ding!
P.S.: Falls sich jemand allen Ernstes fragen sollte, warum ich hier kein einziges Wort zur Story des Streifens verloren habe: Weil die, wie oft (aber ja durchaus nicht immer) in solchen Filmen, vollkommen hanebüchener Kappes, absurd-abstruser Stuss, und total Banane ist. Was im Falle von „The Furious“ aber mal sowas von absolut egal ist. Ich kann da nur die Worte aus meinem vorigen post wiederholen: Wer sich einen Martial Arts-Streifen der Geschichte wegen anguckt, hat eh die Kontrolle über das eigene cineastische Leben verloren, oder hatte sie erst gar nie. Geht da halt einfach rein, am Besten schon vorgestern noch heute. Und dankt mir später dafür.


