Der Film ist in den ersten 60 Minuten eigentlich ein Fest für Fans. Die Idee ist genial, weil ja eigentlich wirklich alles bereits auserzählt war. Nur leider versemmeln sie es. Selbst hardcore fans wie ich finden das Ende bescheuert und Teile unglaubwürdig. Und wenn wir anfangen bei SAW über „unglaubwürdig“ zu sprechen, läuft sicherlich was schief. Sehr schade, war eigentlich ein cooler restart.
Sieht aus, als könnte das der beste Film der Reihe werden. Ich hoffe auf noch mehr 80er-Giallo-Vibes!
Ein Remake, das von uns keiner braucht, mit einem ordentlichen Spoiler am Ende (Warnung für alle, die das Original nicht kennen).
Ja, looks fucking fantastic, oder? Hatte das Video ja letzten Dienstag im totalen Aufbruchs-Stress nur ‚ne gute Viertelstunde, bevor wir dann gen Hamburg zum Jesus And Mary Chain-Konzert losdüsten, gepostet, und war bis heute gar nicht wieder dazu gekommen, mir den Trailer nochmal ausführlicher zu Gemüte zu führen - Aber heilige Hölle, jetzt bin ich noch hibbeliger auf den Film, als ich es zuvor eh‘ schon war… Nach dem letztjährigen FFFN-screening von „Pearl“ ging’s mir ja so ähnlich wie @splattercheffe - ich war so dermaßen hin und weg von Wests und Goths Splatter-Melodram, dass ich ja doch eher skeptisch war, ob ich mich Goths Worten, von wegen „[…] it’s the best script. It’s going to be the best movie of the three.“ wirklich würde anschliessen können - aber nach der eingehenden, wiederholten Trailer-Sichtung habe ich da eigentlich kaum noch Zweifel. I so fucking hope that they’re gonna pull this off… wenn der dritte Teil auch nur annähernd so gut wird, wie der Trailer das jetzt schon verspricht, dann dürfte das nicht nur eine der Horrorfilm-Reihen dieses Jahrzehnts, sondern in meinen Augen sogar des (bisherigen) Jahrhunderts werden. Großartig auch, dass jeder Streifen nicht nur thematisch und tonal so dermaßen unterschiedlich auszufallen scheint, und sich zudem ja jeder Teil der Reihe auf ganz verschiedene Art und Weise mit den diversen Aspekten des Filmemachens, - vorführens und movie business befasst - auch diese Art der wiederum Film gewordenen love letters an jeweils mehrere Genres (Backwoods-Horror à la „Texas Chainsaw Massacre“ und das Golden Age Of Porn in „X“, die Technicolor-Filme wie „Wizard Of Oz“ und die 50er-Hollywood-Melodramen Sirk’scher Prägung in „Pearl“, und jetzt in „MaXXXine“ eben die 80er-Slasher und Giallos sowie die damals typische U.S.-B-Movie-Videothekenware) finde ich einfach nur entzückend.
![]()
Vom Look und Stil her passt da jedenfalls Alles, sogar die Musik im Trailer kann gerne genau so auch im fertigen Film erscheinen („Obsession“ von Animotion war zwar immer mein persönlicher Soundtrack für das Ende von Bret Easton Ellis’ „The Rules of Attraction“, passt aber auch hier ganz wunderbar… und die Branigan-Version von RAF’s Italo Disco-Hit „Self Control“ wirkt sowieso wie für diesen Streifen gemacht…
). Ich bin mal gespannt, ob diese angedeutete real life-Konnexe zum „echten“ Night Stalker Richard Ramirez in der Handlung tatsächlich noch relevant werden wird, oder bloß als red herring herhalten muss.. Und ob der von Kevin Bacon gespielte Privatdetektiv, wie von mir vermutet, von Maxine’s Psychosektendaddy angeheuert wurde, um ihren Verbleib ausfindig zu machen. Wie auch immer - it’s gonna be fabulous… ![]()
Hätte nicht gedacht, dass ich dieses Jahr auf irgendeinen Film noch ungeduldiger warten würde, als auf George Millers „Furiosa“ - but damn, Ti West und Mia Goth lassen mich voll nervöser Vorfreude auf meinem Sitzplatz hin- und herrutschen…
Hach ja, mal wieder lustiger Doppel-post - but seriously, who gives a flying fuck? ![]()
Deutscher, 45 Minuten langer „Mad Max“-Fan-Film, ab dem 05.05.2024 auf youtube, und am 20.04.2024 als Kino-Premiere in BaWü, genauer geschrieben in Heidenheim an der Brenz:
More Info, auch zu den Dreharbeiten und der post production:
Ich hoff ja auf ein 3er Paket (DVD oder BluRay) von X, Pearl und Maxxine.
Ist das in Deutschland der gleiche Rechteinhaber? Dann kommt da garantiert irgendwas. Erstmal natürlich die Mediabook-Collection für 199 Euro, aber später wirst du fündig werden.
Da fragt man sich wirklich : WARUUUUUUUMMM ??? Das Original war doch genial (verstörend). Nebenbei sieht das fast so aus wie ein Bild-für-Bild Nachbau. Wenn jetzt noch das fiese Ende fehlt, ist es komplett für die Tonne.
Solltest Du Dich das wirklich fragen: Das hat kulturelle und kapitalistische Gründe. Die Vielzahl der Amerikaner schaut keine Filme mit Untertiteln aus einem Land, das sie nicht kennen, mit Schauspielern, die sie noch nie gesehen haben. Die Studios machen gerne risikoarm Geld mit Stoffen, die sich bereits in irgendeiner Form bewährt haben. QED.
Das ist mir sehr wohl bekannt, nur war das Original doch bereits in Englisch ohne Untertitel, oder ? Und die Schauspieler im Remake sind ja nun auch nicht gerade die erste Riege Hollywoods. Und als kommerziell aussichtsreichen Stoff kann man diesen Horrofilm ja auch nicht wirklich bezeichnen.
Omen Double Feature
„The First Omen“ (2024) (Prequel plays 1971)
„The Omen“ (1976)
Prequel im Kino, danach Original im Heimkino.
48 Jahre später bzw. 5 Jahre früher und ja, es funktioniert.
Wie @todaystomorrow bereits erwähnte, „sooo schlecht“ wie von mir im Nachbar Thread flapsig dahingeschrieben, war „Das erste Omen“ natürlich nicht, sondern in der Tat ein durchwegs geschmackvolles audiovisuelles Schmankerl, Horrorfilm meets katholische Kirche, sehr stimmungsvoll und atmosphärisch in Szene gesetzt, mit stilvollen Kulissen, künstlerischer Kamera, Ciao bella Roma, ein Hauch von Nunsploitation, frisches Cast, shot auf Breitwand, wie es Richard Donner damals für sein Omen auch schon wollte, aber dann doch zu Scope überredet wurde, ein Musiktitel stammt sogar von Ennio Morricone, merkt man sofort! Das Leiden und die Schmerzen unserer Protagonistin „Maggie“ werden audiovisuell wirklich sehr intensiv in die Gehirne der Zuschauer transportiert, Augen gerne in Großaufnahmen fokussiert, wunderbare Reflection Shots mehrfach zelebriert, eigenwillige Schnittkompositionen eines erfahrenen Editors lassen nie Langweile aufkommen, lediglich die etwas erzwungenen, aber zum Glück nur sporadisch eingefügten „jump scares“ hätten sie sich sparen können, denn diese zerstören eher die creepy Atmosphäre als das sie wirklich shocken.
Abschließend kann man sagen, ja, die Vorgeschichte und Anschlüsse zum Original funktionieren, Gregory Peck wird am Ende des Prequels noch als Ziehvater für das Neugeborene „vorgestellt“ und dieses dann als Damien „getauft“. Somit ist der Übergang zu dem 1976er Omen bestens geebnet.
Für beide Filme kann es nur eine einzige Bewertung geben, 6.66 von 10 Punkten.
![]()
„Slow-burn Horror with an eerie charme“
Tilman Singer hat es erneut getan - und nach LUZ einen weiteren artsy Genrefilm veröffentlicht, der stilistisch wirklich große Klasse ist, in Sachen Drehbuch (oder sogar Story) jedoch reichlich viel vermissen lässt. CUCKOO hat jede Menge Argento- und Cronenberg-Vibes (fast mehr von Brandon als von David), wagt sich mitunter gar ins Lynch-Milieu, erinnert ansonsten bisweilen schwer an eine Kreuzung aus CURE FOR WELLNESS und ROSEMARY‘S BABY - und ist vor allem sehr laut, wild und direkt. Am Ende jedoch leider weder schlüssig noch übergreifend stimmig - und wirkt daher mehr wie ein Showcase als wie ein richtiger Film. Dennoch, für deutsche Genrekost beachtenswert.
Erzählt wird die Geschichte der 17-jährigen „Gretchen“ (Hunter Schafer, EUPHORIA-Fame), die nach dem Tod ihrer Mutter bei der neuen Familie ihres Vaters leben muss, komplett blass bleibende Stiefmutter und stumme Stiefschwester inklusive. Als wäre das nicht schon schlimm genug, siedelt man aus den USA in die bayerischen Alpen über, weil Papa dort für „Herrn König“ ein Resort ausbauen soll. Und wer hätte es gedacht, hier geht Finsteres vor sich …
Man muss Singer zugute halten, dass er ein tatsächlich originelles Stück Film kreiert hat, allerdings auch eines, dessen Story vogelwild ist (Pun beabsichtigt) und an allen Ecken und Enden auseinanderfliegt. Mehr Form als Inhalt, wieder mal, aber immerhin ist die Form unterhaltsam (was nicht zuletzt an der großartigen Kamerarbeit liegt). Mir insgesamt zu artifiziell und verkopft und durcheinander, aber dennoch sehenswert.
Hatte seine Premiere bei der Berlinale, lief dann beim South by Southwest. Sollte im Mai oder Juni ins US-Kino und im Juli dann auf deutsche Leinwände kommen, aber der US-Start wurde verschoben und es ist noch nicht ganz klar, wann er dann hierzulande anlaufen wird.
Abigail
Zum Vorglühen für die nights: eine kleine Ballerina, die gerne zum Schwanensee tanzt. Eine nette liebe kleine 12jährige. Die gerne mit ihrem Essen spielt. Und da wird’s dann sehr blutig und splatterig.
Fühlte mich gut unterhalten, bisschen Livide, bisschen From Dusk Till Dawn, bisschen Suspiria. Wird garantiert kein Klassiker, tut aber auch nicht weh. War teilweise auch ganz witzig. Bin sogar zwei- dreimal erschrocken.
Es sollte FSK 40 geben, damit man nicht Horrorneulinge eine Reihe hinter sich hat. Die dann auch nocht lauthals Popcorn essen. ![]()
(Alex Garland / 2024 / Kino ( DCP) / englischsprachige OV / Erstsichtung)
Pretty mixed bag… Großartige Performance von Kirsten Dunst (die man viiiiiel zu lange nicht gesehen hat), superbes Sound-Design (wiewohl auch reichlich up front und heftig in your face), interessantes colour scheme, mit all diesen übersaturierten Grüntönen, hat einen tollen Auftakt, und mich dann auch die Hälfte / zwei Drittel seiner Laufzeit gut bei der Stange gehalten, aber mei, o mei - dieses depperte Ende, das man schon auf tausend Yards kommen sieht… immerhin ein schicker look, schön desillusioniertes bleak road movie durch ein destruktiv-derangiertes Amerika im fortgeschrittenen Zustand der Selbstauflösung… aber der letztliche Erkenntnisgewinn nach den end credits tendiert leider gegen Null. „War Photographer“ und „Under Fire“ einmal durch den Mixer gedreht, garniert mit ein paar Sprengseln „High Art“. Hoher Unterhaltungswert, ansehnlich abgefilmt, hält sich aber leider für weitaus schlauer, als er es letzten Endes dann ist.
Morgen nachmittag / abend dann hoffentlich mehr dazu… muss um fünfe schon wieder aus den Federn, will meinen: Alpakahaaren.
Morricone paßt aber eigentlich nicht, die grandiose Musik der Original-Trilogie stammt doch aus der Feder von Jerry Goldsmith… ![]()
M. Night Shyamalayan hat einen Konzertfilm gedreht. Sieht deutlich uninteressanter aus als der neue Film seiner Tochter (THE WATCHERS).
Hausaufgabe: Schaut Euch CIVIL WAR an. Review folgt, sobald ich meine Gedanken geordnet habe. Spontan würde ich sogar soweit gehen zu sagen: APOCALYPSE NOW 2025. Auf jeden Fall Alex Garlands bester Film bislang.
Bei dem Spoiler im Trailer war ich fassungslos.
„That’s a great shot!“
(Alex Garland / 2024 / Kino ( DCP) / englischsprachige OV / Erstsichtung)
Es gab einen Moment Ende Juni 2020, in Pittsburgh, als ich mir einerseits wünschte, diese Reise würde nie zu Ende gehen. Wir hatten gerade Sam und Henry kennengelernt, und auf dem Weg zu ihrem hide out eine Handvoll Raiders getötet. Und nun standen wir da, und das schwindende Licht der untergehenden Abendsonne fiel auf die Betonplatten des angrenzenden Gehwegs, und ich dachte so bei mir: „Es könnte doch eigentlich ewig so weitergehen… da sind noch soviele menschenleere Großstädte, die wir erkunden könnten, da ist noch dieses ganze scheinbar unendlich weite Land vor uns, das es zu entdecken gibt.“ Und ein Teil dieses Wunsches war die Angst vor dem, was uns am Ende unseres Weges durch diese post-pandemischen U.S.A. wohl erwartete, die Befürchtung vor dem toll, den die unvermeidlichen Konsequenzen at the journey’s and auf uns Beide haben würden. Ja, ich hatte schlichtweg Angst vor dem outcome der ganzen Unternehmung. Und andererseits hoffte ich so sehr, dass dieser beschwerlich-qualvolle road trip, diese Odyssee durch die Überreste der menschlichen Zivilisation einfach nur vorbei sein möge. Dass wir uns nicht mehr tagein, tagaus mit grässlich entstellten Infizierten, skrupellos mordenden Banden marodierender Bandit:Innen, und Menschenfleisch verzehrenden creepy Päderasten herumschlagen müssten. Dass wir Beide endlich Frieden finden würden - sie vielleicht mehr noch als „ich“ (=Joel Miller). Dass endlich Frieden wäre. Wir zur Ruhe kommen könnten.
Warum ich diese Gedanken der Besprechung von Alex Garlands Bürgerkriegs-Medien-Drama voranstelle? Nun, weil ich beim Ansehen des Films einen Déjà-vu-Moment hatte, der genau auf dieses Erlebnis zurückzuführen ist… etwa in der Mitte des Streifens fahren die Protagonist:Innen mitten in der Nacht durch ein lichterloh brennendes Waldstück, und die orangeroten Feuerfunken stieben um ihr Vehikel wie eine Myriade von fire flies (<— see what I did there?
). Just beim Anschauen dieser Szene entsprachen meine Empfindungen ziemlich genau jenem Moment vor fast vier Jahren, als ich zum ersten Mal „The Last Of Us“ spielte - ich wollte nicht, dass diese geisterhafte Fahrt jemals an ihr Ende in Washington, D.C. käme - zum Einen, weil ich die Reise und die Bilder, welche sie unterwegs produzierte, so sehr „genoß“ (auch, wenn das Wort hier eher unpassend erscheint, meinen Gefühlen aber dennoch recht nahekommt), zum Anderen, weil mich das ungute Gefühl beschlich, dass das Ganze zumindest für einige, wenn nicht sogar für alle Beteiligten, nicht gut ausgehen würde. Ein Gefühl, welches mich nicht trügen sollte…
Der Auftakt zu „Civil War“ ist grandios gestaltet - es wird gerade einmal das Allernötigste erklärt, die Ausgangslage eher kurz und schemenhaft umrissen, denn eingehend erläutert. Warum genau der amtierende U.S.-Präsident eine dritte Amtszeit innehat, wieso sich gerade der mit Abstand liberalste und einer der konservativsten Bundesstaaten zu einer sezessionistischen Allianz zusammengefunden haben, was das große „Antifa“-Massaker ist, welches irgendwann einmal (vermutlich von Regierungsorganen) verübt wurde - wir wissen es nicht genau, und der Film wird sich im weiteren Verlauf auch nicht mehr groß dafür interessieren. Was wir aber wissen, und auch ad hoc hautnah vorgeführt bekommen - die U.S.A. befinden sich im Ausnahmezustand, und werden von mal kleineren, mal größeren Unruhen, Aufständen und civil riots erschüttert. Mitten in diesem Chaos beschliessen die desillusionierte, abgeklärt-gefühlsverkapselte Fotoreporterin Lee (Kirsten Dunst in einer ihrer besten performances nicht nur seit Langem, sondern tatsächlich überhaupt), der abenteuerlustig-draufgängerische Reuters-Journalist Joel, und Lees altväterlich-fürsorglicher Mentor Sammy, eine Autofahrt in die Bundeshauptstadt zu unternehmen, um als Erste den kurz vor seiner Absetzung (oder, noch schlimmer, Hinrichtung) stehenden commander-in-chief zu interviewen. Ihnen sich anschliessend, reist die blutjunge und naiv-unerfahrene Fotograf:Innen-Aspirantin Jessie, die in Lee ihre persönliche Heldin sieht, und die Fahrt sowohl als großes Abenteuer als auch als Chance für eine berufliche Bewährungsprobe versteht, gegen den Willen von Lee mit. Noch ahnen die vier nicht, dass diese triste Reise durch ein zutiefst gespaltenes und verfeindetes Land, durch eine nation in disintegration, sie Alle bis an ihre persönlichen Grenzen führen wird… und darüber hinaus.
Wo Garlands Film zuallererst und am Augenfälligsten punkten kann, ist in den Kriegs-Szenen und Kampf-Sequenzen. Wenn das Team an einer verlassenen Hochschule einen blutig-brutalen Häuserkampf begleitet, wenn sich an einer abgelegenen, idyllisch-blumengesäumten Landstraße zwei sniper durchs Zielfernrohr duellieren, wenn die leichengefüllte Ladefläche eines LKW in ein mit Kalk bestäubtes Massengrab entleert wird, oder wenn in Washington Apache-Helikopter Raketen in Häuserzeilen feuern und Abrams-Panzer über Straßenbarrikaden rollen, dann ist all das von einer involvierend-irritierenden Intensität und Aus-heiterem-Himmel-Unmittelbarkeit, wie man sie lange nicht mehr auf der Leinwand erlebt hat. Wozu auch das wuchtig-donnernde Sound Design einen Gutteil beiträgt. Denn auch wenn die Tongestaltung etwas arg vordergründig und aufdringlich sein mag - wenn urplötzlich das peitschende Knallen von Gewehrschüssen ertönt, einem MG-Salven und missiles nur so um die Ohren fliegen, das brachiale Kriegsgetön nur so durch Mark und Bein geht, dann zuckt man oft genug im Kinosessel zusammen, als wäre man selbst mittendrin. Im Kontrast dazu dann die Momente scheinbarer Ruhe (welche immer wieder durch kleine, beinahe unmerkliche Details im Bildhintergrund, wie bewaffnete Wachposten auf Kleinstadtdächern, von Autobahnbrücken baumelnde Lynchopfer oder am nächtlichen Horizont taghell aufleuchtendes, meilenweit entferntes Flakfeuer konterkariert werden), die wir so schon aus dutzenden ähnlicher Filme kennen - die Verbrüderungsrituale mit Schnaps und Joints beim gemeinsamen abendlichen Abhängen, das erstaunte Stromern durch Hinterland-Kleinstädte, die unbeeinflusst vom fernen Kriegsgeschehen so weiterleben, als sei die Zeit stehengeblieben und Alles noch so wie vorher, das Sich-unters-Volk-Mischen in zu Flüchtlingslagern umfunktionierten Sportstätten. Nur, um dann im nächsten Moment wieder aufs Neue einen Augenblick der eigenen Verunsicherung und Verstörung zu durchleben. Wobei Lee das Alles so oder ähnlich schon dutzende Male gesehen hat. Wie Kirsten Dunst hier die emotional abgestorbene Kriegsfotografin „mit müden Augen, ganz staubig und leer“ (in der leichten Umformulierung einer Textzeile aus Rio Reisers „Junimond“) gibt, ist schlichtweg phänomenal und dürfte ihr mit ziemlicher Sicherheit einen vorderen Platz unter den besten darstellerischen Leistungen des Kinojahres sichern.
Was uns dann zur nächsten Ebene des Films bringt, die dieser meiner Meinung nach schon nicht mehr ganz so überzeugend vermittelt. Die Kritik an Betrachten des Leidens Anderer (Susan Sontag), hier verkörpert durch die beiden war photographers Lee und Jessie, gelingt Garland IMHO leider bei Weitem nicht so gut wie das Darstellen der überwältigenden emotionalen Erschütterung durch das Kriegsgeschehen. Während uns als Zuschauende jeder einzelne Schuß trifft wie ein Vorschlaghammer, ist das sich direkt vor ihrer beider Kameralinsen vollziehende Sterben für Lee und Jessie als durch den Sucher sich vollziehende Jagd nach dem nächsten great shot, nach dem Bild schlechthin, was alles einfängt und ausdrückt, das die Eine zu empfinden nicht mehr in der Lage ist, und von dem beeinflusst zu werden die Andere sich zu befreien erst noch lernen muss, nur mehr eine Banalität, eine blosse Bilderschau, bei der im genau richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken nicht verpasst werden darf. Dass jedes gemachte Foto im Moment seiner Entstehung durch eben genau die Bedingungen, unter denen es entsteht, selbst eine ethisch-moralische Rahmung aufweist, das ist es, worauf der Film letztlich hinauswill - meiner Meinung dabei aber reichlich flat on it’s face fällt. Denn nicht nur ist das (doch eher mediokre) Ende schon meilenweit vorhersehbar, und zudem in seiner Gesamtaussage so simpel wie altbekannt. Natürlich entdeckt die ach so abgestumpfte Veteranin ihre verloren geglaubte Menschlichkeit wieder, und opfert sich für die jüngere Version ihrer Selbst auf, und ebenso natürlich begeht eben dieses ihr jüngeres Selbst den größten nur denkbaren Verrat an ihrer großen Heldin, indem es sie (durch das Fotografieren just im Moment des Todes) quasi ein zweites Mal „erschießt“ (siehe auch die Doppeldeutigkeit von „to shoot someone“ im Englischen (einmal mit einer Feuerwaffe, einmal mit einer Kamera). Das Foto des Präsidenten im Moment seiner Hinrichtung durch die Truppen der Western Forces als defining moment und turning point des Krieges dürfte Jessie mit ziemlicher Sicherheit den Pulitzerpreis einbringen - wenn auch „nur“ um den Preis der endgültigen Aufgabe ihrer emotionalen Anteilnahme am Leiden Anderer.
Insofern: Ja, ich kann es durchaus verstehen, wenn @Herr_Kees hier Parallelen zieht zu / Vergleiche anstellt mit „Apocalypse Now“ (dessen psychedelisch-entgrenztes Abgleiten in den Wahnsinn hier ja eher - aller einbeziehenden In your face-Haftigkeit zum Trotz - einer nüchtern-dokumentarischen Bestandsaufnahme weicht) - allein: Mich persönlich hat all das bedauerlicher Weise aber weder emotional noch intellektuell wirklich erreichen und / oder überzeugen können. Weil zum Einen schon vorher durch andere Filme, denen die Vermittlung dieser Anliegen für mein Empfinden besser gelang, bekannt gewesen, zum Anderen durch seine platt-pathetische Endnote (trotz aller Trockenheit in der Darstellung) nicht gelingend genug rübergebracht. Und auch, wenn mich selbst „Ex Machina“ von seiner Gesamtaussage her letztendlich dann mehr überzeugt hat als „Civil War“ - inszenatorisch, von den reinen Schauwerten und den schauspielerischen Leistungen her ist dies trotzdem Garlands bisher rundester und reifster Film. Und alleine schon Kirsten Dunsts Oscar-reifer, stellarer Ausnahme-Performance wegen ein absolutes must see.
Edit-To-Add: Anatomy of a scene - Alex Garland breaks down the sniper battle
Das (vor Allem hier in dieser Szene an die halluzinogen-farbsatte Autofahrt-Sequenz durch ein Blumenfeld aus „28 Days Later“ erinnernde) Spiel mit Unschärfen, Brennweiten, lens flares und Überstrahlungen, sowie die surreal-intensive Farbgebung, welche an die eigene Inszeniertheit des Films gemahnen, hatte ich in obiger Endlos-Bleiwüste ganz vergessen zu erwähnen.
Schöne Besprechung, aber eben das denke ich nicht. Natürlich, vordergründig spielt die Thematisierung „journalistischen Ethos‘“ eine große Rolle, aber: stehen die Journalisten hier nicht viel mehr noch als Symbol für jeden Menschen auf dieser Welt, der denkt, er könne angesichts der Spaltung unserer Gesellschaften eine reine Beobachterposition beziehen, sich raushalten, sich um eine eigene konsequente Positionierung drücken? (- Um am Ende dann, natürlich etwas plump, aber aus meiner Sicht dennoch effektiv, ganz klar zu sagen: Nein, verdammt noch mal, das könnt ihr nicht. Jedenfalls nicht, wenn ihr seelisch noch nicht komplett abgestorben seid.)