Ja, naja, da hast Du natürlich einen interessanten Punkt aufgemacht… aber dennoch - und gerade weil der Film selbst ja auch ebendiese „konsequente Positionierung“ zu seinem eigenen Bürgerkriegs-Topos vermeidet / auslässt, ist das aus meiner Perspektive aber eben nicht das Hauptanliegen von „Civil War“. Denn dass die Geschehnisse dokumentiert werden müssen, und zu diesem Zwecke auch eine eindeutige Positionierung für die eine oder andere Seite vermieden werden muss, ist ja eben genau eine der entscheidenden Bedingungen, ohne die die Arbeit von Kriegsbericht-Erstatter:Innen und -Fotograf:Innen gar nicht möglich wäre. Aus meiner Sicht stellt der Film vielmehr die Frage, wie ich mich denn zum „Gegenstand“ meiner Arbeit (der gerade hier eben kein bloßer Gegenstand, sondern ein menschliches Wesen ist) verhalte / positioniere, und nicht im großen Ganzen. Nehme ich den / die Andere:N überhaupt noch als Menschen mit Gefühlen, Schmerz- und Leidensfähigkeit, mit je einer eigenen Geschichte ausgestattet, wahr und anerkenne ihn / sie in all diesen Aspekten? Oder aber tue ich so, als gehe mich all das gar nichts an, und werde ob all des von mir gesehenen Grauens zynisch und emotional abgestumpft? Weil genau diese empathische oder aber emotionslose Herangehensweise das Foto als solches in dem, was es und wie es das zeigt, entscheidend beeinflusst. Genau das wollte ich eigentlich mit der zugegebenermaßen etwas schwammig-ungenauen und nicht konsequent zu Ende gedachten Formulierung „[…] [d]ass jedes gemachte Foto durch eben genau die Bedingungen, unter denen es entsteht, selbst eine ethisch-moralische Rahmung aufweist […]“ implizit auch mit ausdrücken. Dass der Film von Journalist:Innen eine eigene Positionierung zu (unbestritten) zunehmenden Spaltungstendenzen der Gesellschaft einfordern würde, habe ich tatsächlich nicht gesehen (aber vielleicht auch nur übersehen?). Die haben sie - als "Privat"personen ja sowieso. Müssen für eine vernünftige Durchführung ihrer Arbeit während ebenjener Arbeit diese eigene Positionierung aber hintenanstellen / aus dem Job raushalten. Was zugegebenermaßen manchmal schwierig, bis vielleicht sogar komplett unmöglich ist, dennoch aber das Ziel bleiben sollte. Denn alles Andere wäre unprofessionell, und würde einer tendenziös-parteilichen Berichterstattung Tür und Tor öffnen. Die eigene Positionierung zum Geschehen erfolgt IMHO quasi durch das Foto selbst.
Von daher: Let’s agree to disagree. ![]()
Aber vielleicht meinen wir ja auch Beide mehr oder weniger dasselbe, und ich hab’ Dich bloß missverstanden. Kommt bei mir oller Dusseltröte ja auch ab und zu mal vor…
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Ist doch aber auch schon sehr schön, dass der Film uns so sehr zum Nachdenken / Grübeln / Diskutieren anregt. Damit hat er vielleicht ja schon eines seiner Hauptanliegen, nämlich dass die Leute wieder mehr ins Gespräch / den Meinungsaustausch kommen, statt sich unversöhnlich gegenüberstehen (was ja die von Dir (und auch mir) bekrittelte soziale Spaltung vertiefen und befeuern hilft) bereits erreicht… ![]()
Ich merk’ aber jetzt schon, dass ich da vermutlich demnächst noch ein zweites Mal rein muss… und am Besten direkt davor nochmal Christian Freis kongeniale Doku „War Photographer“ über James Nachtwey anschauen sollte… irgendwie arbeitet das Thema seit Montag abend ganz schön in mir, und lässt mich gerade nicht so richtig los.



