„Salem‘s Lot“
SALEMS FLOP
Ich bin ein „Vampir“ Fan. Sicherlich sehe ich deshalb so manchen Film des Genres etwas verklärter und bewerte mitunter großzügiger, als es vielleicht angemessen wäre. Selbst die alten „Dracula“ Filme mit Christopher Lee aus den 70ern können mich bis heute entzücken. Daher war ich auch auf die Neuverfilmung eines meiner Stephen King Lieblingsromane, „Salem‘s Lot“, sehr gespannt. Ich wollte den Film wirklich mögen. Aber leider kam es anders.
Es ist zwar schon eine Weile her, das ich das Buch gelesen habe, doch bin ich mir fast sicher das der Film sich nur ganz grob an der literarischen Vorlage von Stephen King orientiert. Besonders vermisst habe ich, daß wirklich überhaupt nichts zur Vergangenheit des Protagonisten Ben Mears gesagt wird und seine Person in der Neuverfilmung weder Tiefe noch Charisma besitzt. Dies gilt allerdings auch für die anderen Charaktere der Geschichte, die einfach zu oberflächlich und mit mangelnder Charakterzeichnung auftreten.
Bestimmt war Tobe Hoopers 3-Stunden Verfilmung von 1979 auch kein Meisterwerk. Aber der damals als „Miniserie“ für das TV konzipierte Film hatte alleine schon wegen seiner Länge viel mehr Tiefe und vor allem Atmosphäre als das Remake von 2024. Ich habe ihn mir diese Woche noch einmal angesehen, weil ich richtig Bock drauf hatte, aber auch um zu gewährleisten den Film retrospektivisch in einem nicht zu verklärten Licht zu sehen. Im Gegensatz zu der Neuverfilmung hatte ich dann auch richtig Spaß.
Das Remake jedoch wirkt, ich muss es leider so sagen, einfach lieblos hingerotzt. Der Film ist weitestgehend spannungsarm, wirkt generisch und, man verzeihe mir das kleine Wortspiel, blutleer. Die Darsteller bleiben fast alle blass, sogar noch vor ihrer Verwandlung in einen bleichen Vampir. Der Film wirkt insgesamt billig, zu glatt, hat keine wirklichen Highlights und noch dazu den ödesten „showdown“ der jüngsten Filmgeschichte. Ich dachte nur „Dieses Ende ist jetzt nicht Euer Ernst, oder ?“
Noch dazu kopiert Regisseur Gary Daubermann bei der Umsetzung einiger Szenen vollkommen ungeniert von großen Vorbildern wie „Bram Stokers Dracula“, über „Lost Boys“ bis hin zu „Mein Nachbar, der Vampir“. Irgendwie wirkt fast jede Szene wie ein „copy & paste“ bekannter Vorbilder. Abgekupfert, kopiert und zusammengeklaut. Da sind überhaupt keine eigenen Ideen, die dem Remake wenigstens den Geschmack einer eigenen Interpretation gegeben hätten, geschweige denn, den von Stephen King in seinem Roman wirklich ausgesprochen gruseligen Ideen Folge leisten würden, sieht man von einigen wenigen Details einmal ab.
Die Settings sind zu geleckt, der Schnitt des Films miserabel, und die Akteure agieren allesamt von der ersten Minute an unglaubwürdig, als wüssten sie sowieso schon, das sie es mit Vampiren zu tun haben werden. Da hatte sogar der nunmehr 45 Jahre alte und für das TV produzierte Film mehr Klasse.
Es verwundert mich deshalb auch nicht, daß der Film auf IMDB nur einen Score von 5,6 erreicht. Am treffendsten brachte es ein frustrierter Kritiker auf den Punkt, der schrieb „Why did they even bother to make this movie ?“. Genau.
Für mich das überflüssigste und ärgerlichste Remake neben „Speak No Evil“ in diesem Jahr und eine der bislang schlechtesten King-Verfilmungen. Spannungsarmer, richtig käsiger, Mainstream „Horror“. Taugt allenfalls noch dazu an Halloween mit der neuen Freundin im Kino Händchen zu halten und rumzuknutschen. Denn viel verpassen wird man dabei nicht.
3/10 Punkten