Tag 3 in Stuttgart
12 Stunden Kino mit Filmstart um 13 Uhr, warum tue ich mir das nochmal an? Der erste Film bleibt die Antwort zunächst schuldig, aber zwei Highlights stehen noch an.
Aber zunächst bekommen wir als Vorfilm noch den unsäglich prätenziösen A MONSTER CALLED LOVE von der Züricher Filmhochschule vorgesetzt, man kann also getrost eine Viertelstunde länger schlafen.
SHE LOVED BLOSSOMS MORE
Meine Vorab-Prognose: Auch hier wieder eine herausragende Ästhetik, die offenbar nicht von der Qualität des Drehbuchs gematcht wird: „Arresting Visuals Compensate for Limp Characters“ (Disappointmantmedia). Ansonsten scheint der Regisseur (eigentlich Norweger) von Lanthimos inspiriert, nicht das schlechteste Vorbild. Und Dominique Pinon ist auch mit dabei. Aber eben auch wieder Arthouse, der sich in Trauer und Verlust suhlt.
Meine Kurzkritik: 1. Ich bin mehrmals kurz eingenickt. 2. Das hatte m. E. keine große Auswirkung auf das Filmverständnis. SHE LOVED… ist mehr visueller Trauertrip als kohärenter Film, der „Genuss“ könnte durch die vorherige Einnahme von Substanzen eventuell gesteigert werden, aber da kann ich nicht mitreden. 5.5/10
ELSE
Meine Vorab-Prognose: Das Konzept dieser ELSE klingt wahnsinnig interessant, die wenigen bislang sichtbaren Bilder sprechen für ein visuelles Erlebnis, ich hoffe, dass es auch eine Story gibt und nicht nur abstrakte Visuals.
Meine Kurzkritik: Eine emotional berührende Geschichte und inszenatorisch unglaublich stark von Farbgebung und visuellen Effekten bis zum exzellent horrenden Sounddesign – Bodyhorror als ASMR. Das Ende wird einigen zu esoterisch sein, ich fand es jedoch künstlerisch konsequent. Sehr sehens- und hörenswert! 7.5/10
PROJECT SILENCE
Meine Vorab-Prognose: Hui, weil eine Massenkarambolage ja für einen koreanischen Katastrophenfilm nicht ausreicht, packt man noch Giftgas und Kampfhunde in den Mix? Ich erwarte Humbug und CGI in katastrophalem Ausmaß, denke aber, wenn man sowas schon schaut, dann wenigstens im Kino.
Meine Kurzkritik: Für einen Film mit seinem Titel macht er ganz schön Lärm, natürlich um nichts, aber nach den beiden ruhigen Einstiegsfilmen kann ich diesen Katastrophenmumpitz mit seinen lächerlichen CGI-Hunden zum Wachbleiben gut gebrauchen. Ganz unterhaltsam und interessant, dass zumindest zwei Charaktere nicht ganz so eindimensional bleiben wie anfangs angenommen. 6/10
MALDOROR
Meine Vorab-Prognose: Puh, zweieinhalb Stunden französisches True Crime-Drama über den belgischen Kindermörder Marc Dutroux vom Regisseur von CALVAIRE und INEXORABLE. Kann man sich denke ich gut auch im TV geben.
Meine Kurzkritik: Als Ermittlungsthriller trotz Überlänge extrem fesselnd, leider schmälert die hinzugedichtete Räuberpistole etwas die Intensität des wahren Falls. 7/10
AZRAEL
Meine Vorab-Prognose: Postapokalyptische Horroraction, hmm, da gab es schon mehr Schund als Treffer, aber Samara Weaving ist das Ticket eigentlich meistens wert. Und „ohne Dialog“ heißt, dass es zumindest mal keine schlechten gibt. Die Kritiken bei IMDb, Rotten Tomatoes und Letterboxed pendeln sich alle bei „gehobenem Durchschnitt“ ein.
Meine Kurzkritik: Ich leide mit Samara Weaving, aber nicht wegen ihrer Rolle, sondern wegen des lahmen Films. Als hätte man Neil Marshalls CENTURION und THE DESCENT billig nachgedreht und neben Handlung und Charakteren auch noch die Spannung vergessen. A QUIET PLACE this is not. 4.5/10


