Recht unerwartet lief mit else gestern mein absolutes Highlight auf dem diesjährigen Festival. Der Film hat mich geradezu reingesogen in seine surreale Welt. Die recht absurde Grundthematik wurde fantastisch umgesetzt und ich fand beide Hauptdarsteller sehr originell und auf ihre Art sympathisch. Auch der Regisseur im Interview wirkt genau so sympathisch und kreativ verschroben, wie man es von dem Film erwarten kann. Für Leute die sich einfach gerne in eine surreale Welt reinziehen zu lassen, ohne auf alles eine Antwort haben zu müssen (die tlws. aber durchaus gegeben werden). Lynch und Vincenzo Natali Fans sollten es lieben. Für mich der eigentliche Centerpiece Titel des Festivals, auch wenn Maldoror für sich gesehen ganz gut war. 9/10
Willkommen im Club!
Nein, aber im Ernst: Ich hatte heuer an zwei Tagen drei Filme hintereinander am Stück und ohne Pause dazwischen, da war für meine Wenigkeit eigentlich schon das Maximum erreicht… hätte ich früher ganz relaxed auf einer Pobacke abgesessen, aber mittlerweile geht das doch schon ganz schön sowohl an die Kondition / das Sitzfleisch, als auch auf die Aufmerksamkeitsspanne / Konzentrationsfähigkeit. Mehr ist definitiv nicht mehr drin, bzw. wäre das nur unnötige Quälerei / Selbstgeißelung. Da trete ich dann doch lieber ein bisschen kürzer, und hab’ dann aber von den gesehenen Filmen dafür bedeutend mehr.
Ja, ich hatte es weiter oben ( hier , um genau zu sein) ja schon erwähnt - in FFM und Kölle seid Ihr teilweise echt bestraft, was die Programmierung der Spätabend-slots angeht - nicht nur „Les pistolets en plastique“ und „Else“ wurden auf den undankbaren letzten Platz des Tages verbannt, heute abend ja auch noch „Vampire humaniste…“ Und gerade im Fall von „Else“ ist das wirklich jammerschade, weil der, so glaube ich, auf einem entspannten Nachmittags-Termin doch nochmal ganz anders gewirkt hätte, als (gefühlt) mitten in der Nacht nach einem langen Kinotag, wo man oft schon mit sich selbst und den ersten Ermüdungserscheinungen zu kämpfen hat, und sich der Sache nicht mehr mit der gebotenen Konzentration widmen kann. Dabei wäre es ja, gerade was den gestrigen Tag anbelangt, ein Leichtes gewesen, den Ablauf ein wenig aufmerksamkeitsfreundlicher zu gestalten: „Else“ auf 14:30 Uhr packen, und das restliche Programm dann jeweils einen „Sendeplatz“ nach hinten verschieben - also „A Place Called Silence“ in den Spätnachmittag, „Maldoror“ in die prime time, und „Azrael“ in die night shift. Hätte IMHO viel besser gepasst - aber je nun, weiss der Deibel, was Rosebud da geritten hat / warum sie das so gemacht haben, wie sie’s nunmal gemacht haben…
Das war ja leider schon letztes Jahr so, mit den beiden ähnlich sperrigen Filmen „Conann“ und „Pandemonium“ auf den hintersten Programmplätzen. Zumindest „Pandemonium“ konnte ich zwischenzeitlich nachholen.
Ich plädiere ja seit Jahren dafür, den BEGINN auf eine frühere Uhrzeit zu verlegen. Menschen mit einem normalerweise einigermaßen vernünftigen Tagesablauf sollten es doch gebacken bekommen, um 12 Uhr mittags wach genug zu sein, um einen FILM anzusehen ? Ich kann schon seit vielen Jahren diese Nachtslots nicht mehr sehen, weil ich einfach kein Nachtmensch bin, musste mich da bereits in „jungen“ Jahren quälen, um nicht einzuschlafen und auf Aufputschmittel hab ich auch keine Lust. Wegen mir könnte der erste Film morgens um 10 nach dem Frühstück laufen.
Während des Films habe ich mich auch gefragt, ob das zentrale Thema des Films wirklich Mobbing ist, oder ob der Regisseur einen Kreislauf der Gewalt zeigen will oder ob es um Korruption geht.
Gewaltakte gibt es ja viele:
Mobbing
Der Polizist verprügelt seinen Sohn
Der Ehemann von Li Han verprügelt seine Frau
Li Han verprügelt Tong
Vieles wird ignoriert
Die Nachbarin macht nichts, wenn die Frau verprügelt wird
Beim Mobbing schauen alle nur zu
Die Ursache des Todes wird vertuscht
Die Polizisten sind stets bemüht, die Überwachungskameras vom Aufzeichnen abzuhalten
Bei ein paar Sachen war der Regisseur m.E. unsauber. Z.B. wenn Tongs Freundin, die Tochter von dem Mörder, auf dem Dach gemobbt wird, bevor sie in den Tod stürzt. Die Klasse unten hätte die ganze Sache mitbekommen müssen. Schon bevor sie in den Tod stürzt.
Was mir gerade auch noch einfällt, bei den Untertiteln hat leider die Übersetzung der Textnachrichten gefehlt, also gerade wenn die Handyunterhaltung zwischen der Hauptmobberin und einer ihrer vermeintlichen Freundinnen eingeblendet wird.
Sorry für die späte Antwort, aber meine Schlaflosigkeit hat mich die letzten Tage, äh, Nächte über ganz schön getriezt, weshalb ich oft nur mit halber Kraft unterwegs war… von gestern auf heute aber endlich mal wieder ausgeschlafen. Da fühlt man sich doch gleich viel fitter.
Exactly what I felt… ein bisschen Abschiedsschmerz, ein bisschen (Vor-)Freude auf die Rückkehr in den „normalen“ Alltag. Hier in HH war schönstes Spätsommerwetter, bis gestern noch. Da fiel das „Goodbye!“ dann nicht ganz so schwer.
Der war wirklich toll fotografiert… die ganzen beeindruckenden Totalen, hat auch sehr schön mit der räumlichen Tiefe / Bild-Vorder- und Hintergründen gearbeitet, fand ich. Aber gut, bei so einer phänomenalen Landschaft bietet sich das ja auch an.
Ich hatte das so verstanden, dass sich da im Laufe der Reise (zumindest bei ihr) die innere Einstellung geändert hat - nachdem sie am Ende dann ja scheinbar ihren Sohn doch noch wiedergefunden hat (was ich, als die Kinder alle hinten von der Ladefläche runterkamen, gar nicht so mitbekommen hatte, aber am Ende ist sie dann ja doch wieder mit ihm zusammen heimgekehrt), war sie dann wohl wieder hoffnungsvoll / wollte doch noch weiterleben, und hat sich „umentschieden“… wohingegen es für Brajyuk, nachdem er seine Rache bekommen hatte (was für mich die wohl grausamste Szene des an grausamen Szenen ja nun wirklich nicht gerade armen Films war, als er die Familie einfach bei lebendigem Leibe hat verbrennen lassen), ja wohl gar keinen Sinn mehr gab, noch weiterzuleben. Sie hat dann ja auch schon geschossen, noch bevor er überhaupt auf Drei runtergezählt hat. Ich selbst hatte sowieso gedacht, dass das Ende noch weitaus fieser und nihilistischer gewesen wäre… als sich die Beiden nämlich gegenüber aufstellen, hatte ich erst angenommen, dass sie sich jetzt einfach gegenseitig erschiessen (hatte zu dem Zeitpunkt, wie schon erwähnt, noch nicht mitbekommen, dass sie ihren Sohn wiedergefunden hat), und der Film dann quasi damit enden würde. Und eigentlich, finde ich (immer noch), wäre das auch ein zum ganzen vorhergegangenen Film weitaus passenderes und schlüssigeres Ende gewesen. Dass es einfach gar keine Hoffnung mehr gibt (dann hätte sie natürlich aber auch ihren Sohn nicht wiederfinden dürfen), für Niemanden - dass der Tod einfach die letzte, sinnhafte Konsequenz ist. Dass in dieser Welt, unter diesen Bedingungen, ein Weiterleben gar keinen Sinn mehr macht. Wäre der letzte, härteste und allerfieseste Schlag in den Magen gewesen, und nochmal ein böse-finsteres Statement zum Schluss. Aber naja, war auch so ein schönes, passendes, und dafür auch ein wenig hoffnungsvolleres Ende eines mir doch sehr gut gefallen habenden Films.
Ja, hier in HH lief „Conann“ leider auch mitten in der Nacht, sonst hätte ich mir den auch angesehen, hätte mich durchaus auch interessiert (wenn auch nicht so sehr wie Bertrand Mandicos andere Filme, also „Wild Boys“ und „After Blue“… von „After Blue“ gibt’s leider nur eine Blu Ray-Veröffentlichung ohne englische Untertitel, die bringt mir nix. Ist ja aber bei den frenchies bedauerlicher Weise quasi schon Standard, dass sie oft ohne Subs releasen…).
Wäre ich dagegen, und wird auch ziemlich sicher nicht passieren, jedenfalls nicht unter der Woche - Du darfst nicht vergessen, dass oft die Filme in den frühen Nachmittags-slots ja jetzt schon eher so semi-gut besucht sind, um es mal nett auszudrücken - und um 12 Uhr mittags würdest Du vermutlich mehr oder weniger da alleine sitzen mit zwei, drei anderen Hanseln. Von daher dürften die Rosebud-dies das alleine schon deshalb nicht machen, weil sich das für sie schlichtweg gar nicht rechnen würde / (noch höhere) finanzielle Einbußen bedeuten dürfte.
Gewalt und Mobbing sind sicherlich zentrale Themen in A Place Called Silence. Es geht aber auch darum wie die Umgebung und gewisse Umstände das Verhalten und die Emotionen eines Menschen beeinflussen auch im Bezug zu psychischer und körperlicher Gewalt. Trauma und Vergangenheitsbewältigung spielen ebenfalls eine zentrale Rolle, sie prägen immerhin das Leben der Charaktere im Film. Es geht auch um Identität und Identitätssuche. Mal ganz abgesehen von der Verlust, Rache, Erlösung Thematik.
Die sind meiner Meinung nach deswegen „weniger gut“ besucht, weil es sich schlicht und ergreifend häufig nicht um die Publikumslieblinge bzw. heiß erwarteten Filme handelt. Ob die nun um 16 oder 14 Uhr, oder um 12 Uhr laufen, dürfte egal sein. Und wer berufstätig ist und keinen Urlaub hat, der geht wahrscheinlich vor 18 Uhr sowieso nicht aufs Filmfest.
Nachtrag zu A Place Called Silence: Empfinde das Werk in der Gesamtheit überhaupt nicht als kitschig. Kitschig ist für mich das Gefängnisdrama Die Verurteilten. Der Film ist auch noch seit Jahrzehnten die Nr.1 auf IMDB in der Kategorie „Bester Film aller Zeiten“. Wahrlich unfassbar.
Willkommen im Club.
Auch was die Kurzfilme betrifft, 200 auch bei mir.
Ich finde die Zeiten schon gut so, wie sie sind. Das war ja früher, als noch zwei Filme parallel im Cinedom liefen, noch später, da gab es sechs Filme am Tag und der letzte häufig um 23:45. Da ist dieses Jahr meist schon feierabend. Und natürlich bekommt man eher Leute um 14 oder 15 Uhr, die halbtags arbeiten oder früher frei machen als um 12. Und ich verstehe, dass viele Else als zu spät angesehen haben und finde auch, dass auf den letzten Slot scared shitless Filme gehören aber früher hab es dafür extra die midnight madness abteilung und die wurde ja abgeschafft… für mich war Else aber lustigerweise genau richtig programmiert, zu später stunde konnte ich da richtig eintauchen. Auch connan fand ich da letztes jahr perfekt. Pandemonium lief hier nachmittags.
Bitte dran denken, Spoilerwarnungen zu setzen! Habe deinen Post eben mal entsprechend editiert.
Für @XhellbroX und alle anderen eventuell daran Interessierten:
Mein (nicht ganz so) kurzer Bericht vom Hamburger Q & A mit Koen Mortier, dem Regisseur von „Skunk“ (und „Ex Drummer“ sowie „22nd Of May“): Siehe hier (Link / Klick’ mich!)
Ich muss gestehen, dass ich bei ELSE in der Nachmittagsvorstellung kurz ein wenig eingenickt bin, was aber an meiner persönlichen Bio-Uhr liegt, ich bin dann bei den späteren Filmen wacher. Ich fand den Film aber trotzdem klasse und so ein bisschen Dämmerzustand war gegen Ende sogar ganz passend.
Sleep
War gut. Ich finde, mehr Horror hätte dem Film gut getan.
7/10
Strange Darling
Die ersten Minuten fand ich den ziemlich langweilig, dann hat der durch die Wendung aufgedreht und am Ende ging es wieder bergab. Gute Idee, aber ich kann auch diese nuschelnden Amerikaner nicht so hören. Puh, keine Ahnung. Meinetwegen
6,9/10
Meine Highlights des Festivals (und ich habe alle Filme gesehen):
Strange Darling
Blood Star
Twilight of the Warriors
Das schlechteste der letzten Jahre:
Kill
„Kill“ schlechter als „Breathing In“? Hmmm… bist Du Dir ganz sicher, dass Du auch wirklich alle Filme gesehen hast?
SCNR ![]()
TAG 6 in Köln
Neue Woche, neues Glück? Obwohl das Zeitgefühl auf dem FFF ja eh verschwimmt… Und es sich schon etwas komisch angefühlt hat erst um 18 Uhr nach Köln aufzubrechen…
Denn da ich heute die ersten beiden Filme schon kannte (Interstate - 4/10; Sleep - 7/10), durfte ich komplett ausschlafen und noch Sachen mit der Familie erledigen. Normal Essen und auch das Zuhause mal genießen. Eine Wohltat und Abwechslung. Werde ich in den kommenden Jahren wohl immer versuchen mir das Programm ein wenig zu entstrecken. Obwohl es im Vorfeld allzu viele Titel natürlich nie gibt international/online. Erst recht wenn wir in Köln nächstes Jahr dann im Starterpulk sind ;)…
STRANGE DARLING
6,5/10
Der Poser des Jahres. Aber immerhin ein sexy Poser :D… Also gerade bei so Vielguckern wie uns sollte das doch übel aufstoßen für wie viel schlauer und cooler er sich hält als er wirklich ist. Naja, mal fühlt man den Hype, mal nicht… Würde ihn aber auch nicht komplett abstrafen. Ist dann halt immer ein madiger Beigeschmack wenn man merkt, wie geil sich der Filmemacher findet und wie vorhersehbar die Chose dann für einen doch ist. Nimmt aber nichts davon, wie attraktiv der Weg zum Letdown ist… Obwohl der Regisseur im Pub eigentlich solide sympathisch rüberkam.
HUMANIST VAMPIRE…
8,5/10
Der Gewinner (nicht nur der Herzen) aus den anderen Städten. Süß. Sehr, sehr süß. Als ob Jarmusch „What We Do In The Shadows“ gemacht hätte. Dunkle Melancholie. Wunderschön. Ein moderner Vampirclassic. JP ist der König. Positiv zugänglich und mainstreamig. Crowdpleaser mit dem Herz aber sowas von am richtigen Fleck!
Mich freut’s ganz arg, dass mein Favorit bei vielen so gut ankommt…
Sehr gut beschrieben! Auf den Punkt. Und vor allem die Erwähnung von JP - sehr geil, ich fand den Charakter nämlich auch sowas wie die Kirsche auf der Torte.
Am liebsten würde ich den Film heute sofort nochmal sehen
.
Fand HUMANIST VAMPIRE…auch klasse, die Feminine Note ist durchgehend spürbar. Vielle nette Gags, tolle Atmosphäre und sehr stilsicher. Allerdings muss man sagen, auch mit quasi durchgehend null Spannung. Nichts was einen wirklich überrascht, die Grundstorie ist sehr vorhersehbar und letztlich ist es alter Wein in neuen Schläuchen, auch wenn diese noch so edel daherkommen. Dennoch ein Film mit dunklem Herzen, den man einfach nur mögen kann und auf den man sich einlassen muss (7/10)