Die letzten Tage nicht viel online gewesen, daher kommt nun eine Zusammenfassung der Filme, die ich in den letzten drei Tagen gesehen habe.
Kill
Action ist nicht unbedingt mein bevorzugtes Genre. Und trotzdem zählen gleich zwei actionlastige Filme, die ebenfalls in Zügen spielen, zu meinen absoluten Lieblingen: Bullet Train und Source Code. Züge sind für mich so eine Art Sweet Spot: Filme, die auf fahrendem begrenzten Raum spielen, haben bei mir immer einen persönlichen Bonus. Über weite Strecken unterhält dieser Film ganz gut. Zwischendurch wird eine mutige Entscheidung getroffen, die ich dem Film auch anrechnen kann (das Entledigen einer zentralen Figur, um den Zorn des Protagonisten vollends zu entfesseln). Der Hauptdarsteller ist ebenfalls sympathisch. Aber das war es dann leider auch: Meine Wertschätzung gegenüber den Actionszenen zieht den Kürzeren gegenüber dem, was aus dem Setting gezogen wurde. Insgesamt empfand ich den Film ab der Hälfte nur noch als monoton und die ganzen „der ist der Bruder / Vater / Onkel / Neffe von“ löst in mir eher so ein „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“-Gefühl aus, sodass ich das alles auch nur bedingt ernstnehmen konnte.
5/10
Párvulos
Mit Evil Eye hat Isaac Ezban einen meiner persönlichen Lieblinge der letzten Jahre geschaffen. Umso gespannter war ich darauf, wie sein nächster Film aussieht. Hier stimmt für mich fast alles: Der emotionale Kern der Geschichte, die Ausweglosigkeit (die sich mit der Zeit erst von selbst erklärt), der pointierte Einsatz des Humors. Das Ende habe ich wirklich komplett anders kommen sehen: Ich dachte, dass die Jungs sich bei dem Überfall zur Sicherheit unten in der Zelle einsperren. Und dann kommt die Mutter ab sofort regelmäßig vorbei und füttert nun SIE mit Ratten …. Dafür gab es einige tolle Wendungen und der Verlauf ist wirklich nicht absehbar. Underdog des Festivals für mich.
8/10
Maldoror
Den Fall um Marc Dutroux habe ich in den 90ern sehr genau verfolgt, auch aus persönlichen Gründen. Und auch Jahrzehnte später hallt er bei mir nach, sodass ich mich immer wieder mit dem Mysterium auseinandergesetzt habe, dass so viele Menschen gestorben sind, die einem Netzwerk hinter ihm auf irgendeine Weise auf die Schliche kamen. Maldoror ist überraschenderweise dann doch mehr ein eigenständiger Plot, der auf dem Versagen der Polizisten beruht, die tatsächlich in dem Keller waren. Der Zeitkolorit ist toll eingefangen, den Hauptdarsteller finde ich richtig gut (insbesondere weil er nicht den typischen Helden verkörpert) und auch Marc Dutroux ist gruselig eingefangen. Insgesamt hätte ich mir hier mehr Thrill erhofft. Mehr über die Opfer. Die Perspektive ist nicht die, die ich mir gewünscht hätte und davon war es dann doch zuviel (Hochzeit, Familie, etc.). Habe nichts gegen andere PoVs, nur an der Stelle wurde auch viel Zeit mit Dingen verbracht, die ich als wenig reizvoll empfand. Die erste Hälfte zog sich dadurch für mich wie Kaugummi.
7/10
A Place Called Silence
Der schwierigste Film in diesem Jahrgang für mich. Weil er ein wichtiges Thema behandelt, dafür aber nur teilweise das richtige Fingerspitzengefühl aufbringt. Und dann wird zugunsten einer wendungsreichen Geschichte alles solange gedreht und gebogen, bis es irgendwann in die völlige Unglaubwürdigkeit abrutscht. Forciert ist das Gefühl, das mir in den Sinn kommt. Die ganzen Entwicklungen, die sich da im Haus abspielen, sind zum Teil sogar haarsträubend bis absurd, sodass ich dann überraschenderweise mehr Spaß an den Schmunzlern hatte, die die Vermieterin liefert. On top kommt die dicke Ladung Kitsch am Ende. Wäre das ein Streaming-Titel gewesen, hätte ich ihn irgendwann abgebrochen. So wollte ich einfach nur noch sehen, wie das Ding weiter gegen die Wand gefahren wird.
5,5/10
Else
Hier bin ich früh weggepennt. Der Tag war an sich schon anstrengend und man wird ja auch nicht jünger. Als ich irgendwann aufgewacht bin, stellte ich fest, dass links und rechts von mir ebenfalls alles verschlafen wurde. Joa … das war dann das Signal, jetzt aufzubrechen.
Sleep
Einer der Titel, auf die ich mich im Vorfeld sehr gefreut habe, weil ich ihn schon länger auf der Watchlist habe. Holt aus seinen begrenzten Mitteln eine Menge heraus und schafft es auch ganz gut zu verwirren, indem irgendwann gar nicht mehr so klar ist, was eigentlich (wirklich) passiert und was nicht. Verlauf und Ende sind meiner Ansicht nach nicht unbedingt absehbar. Solide Nummer, die mich über ihre Laufzeit auch keine Sekunde langweilte.
7/10
Strange Darling
Ich wollte den Film mögen. Ich wollte den aufgeladenen Hype mitnehmen. Davon kam bei mir aber nichts an. Hier strotzt aus jeder Pore eine Art von „Ich bin ein ultimativer High Art Movie, also finde ich mich edgy und fancy“-Attitüde, das mir das schnell sauer aufstieß. Und ja: The Substance ist dagegen Satire, nimmt sich nur in den richtigen Momenten ernst und hat auch mehr Botschaft als das hier. Ganz besonders verarscht fühlte ich mich allerdings von der Erzählstruktur. Der Plot ist nicht komplex (nicht einmal im Ansatz) und trotzdem wird er so verkauft, als wäre das eine wendungsreiche und geniale Abfolge an Ereignissen. Am Ende ist das halt pure Genre-Konvention, nur anders verpackt. Da hielt jemand den Twist für cleverer als die Zuschauerschaft. Trotz allem: Starker Cast und ein paar pointierte Momente (das Bärenspray!)
4,5/10