Filmfest Hamburg 2025

Richtig, ich habe für Samstag gebucht.

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Für etwaige Interessierte hier noch der Link zu einem spoilerfreien und eher kritischen review zu Ducournaus „Alpha“ in diesem reddit-thread, vom Hamburger FilmFest…

Dieses Jahr hab’ ich’s tatsächlich geschafft, Karten für zwei der „Am 3. Oktober sind alle FilmFest-Hamburg-Vorstellungen für lau, umsonst und umme“-screenings zu bekommen… Hatte erst noch überlegt, auch abends noch ‚nen Film mitzunehmen, dachte mir dann aber, dass derer zweie eigentlich auch reichen. Und das war auch gut, und richtig so. Und was für tolle Filme das doch waren… Während ich selbst mich immer noch mit (m)einem Text zu Ducournaus „Alpha“ herumschlage (aber er wird, wenn auch laaaaangsam, aber, immerhin: Er wird…), mach‘ ich es hier mit diesen beiden heute mittag / nachmittag gesehenen Streifen mir etwas einfacher, und halte die entsprechenden reviews auch ein wenig kürzer. Was ja vielleicht auch in Eurem Sinne sein könnte. Jedenfalls kann ich für beide Streifen eine dickedolle Seh-Empfehlung abgeben - Für den Einen mehr, als für den Anderen (und interessanter Weise isses dabei genau anders herum, als zuvor von mir erwartet…). R U Ready 4 It? Okay, here we go…

„Ich hatte einen Kanarienvogel. Sein Gezwitscher ging ihr auf die Nerven. Sie nahm ihn aus seinem Käfig, und ertränkte ihn im Klo.“

„Jeunes mères“
( Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne / 2025 / Kino (DCP) / OmdU / Erstsichtung)

Perla, Ariane, Jessica, Julie und Naïma sind allesamt minderjährige bereits gewordene oder noch werdende junge Mütter aus prekären Lebensverhältnissen und sozialen Umständen, die in einem Lütticher Heim für ebensolche Mütter leben. In miteinander verwobenen und einander überkreuzenden Episoden werden ihre jeweiligen Motivationen in Bezug auf und Problemen bei ihre(r) sie oftmals überfordernde(n) Mutterschaft und Fürsorge ihrer (Kleinst-)Kinder deutlich, und offenbar: Perla liebt den falschen Typen, der weder von einer Vaterschaft, noch von ihr etwas wissen will, und glaubt, mithilfe des Babys ihn zurückgewinnen zu können. Ariane will sich aus dem Griff und den Ansprüchen ihrer alkoholkranken und gewalttätigen eigenen Mutter befreien, während Jessica als Baby selbst zur Adoption freigegeben wurde, und kurz vor der Geburt ihres Kindes stehend, endlich Anerkennung von ihrer leiblichen Mutter einfordert. Die suchtkranke Julie schliesslich wünscht sich nichts sehnlicher, als ihr altes Leben als obdachlose Fixerin endlich hinter sich zu lassen, und zusammen mit ihrem Freund und der gemeinsamen Tochter eine Familie zu gründen. Naïma hingegen hat es geschafft: Ihre Eltern erkennen sowohl sie als auch ihr Kind an, und eine Ausbildungsstelle zur Zugbegleiterin ist ihr auch schon sicher.

Das spröde-nüchtern erzählte, semi-dokumentarisch abgefilmte und realistisch-lakonische, aber immer auch ungemein empathische, und niemals verurteilende Sozialdrama „Jeunes mères“ der Dardenne-Brüder gewann bei den diesjährigen Festspielen in Cannes den Preis für das beste Drehbuch - vollkommen zu Recht, denn wie feinfühlig-feinsinnig die Dardennes hier ihre fabulöse aufspielende junge Darstellerinnen-Riege in Szene setzen, das ist schon eine kleine Sensation, und Meisterleistung sondergleichen. Aber bei den Beiden ja nun auch nichts Neues mehr. Dennoch ist auch diese szenisch-episodenhafte Milieu-Beobachtung und engagiert zurückgenommene Sozialstudie gerade und vor Allem in ihrem unaufgeregt-undramatischem Realismus stellenweise nur äusserst schwer erträglich, und gehen Einer:Einem die gezeigten Biographien und geschilderten Schicksale während der Laufzeit ganz schön an die Nieren, und nach dem Filmende nicht mehr so schnell aus dem Kopf. Ich jedenfalls brauchte natürlich wieder bedeutend mehr als nur ein, zwei Papier-Taschentücher, um im Dunkel des Kinosaals meine Tränen zu trocknen. War aber dennoch schwer beeindruckt, tief bewegt und nachhaltig angerührt von diesem Film, den so wohl nur die Dardennes auf die Leinwand bringen können. Nicht verpassen! Jedenfalls nicht, sofern Ihr bereit seid, auch mal einen etwas ungeschönteren, wirklichkeitsgetreueren Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zu werfen, und zuzulassen. Und es gibt in all der Tristesse und dem Elend ja auch immer wieder bewegende Momente des kleinen Glücks, oder persönlicher Triumphe mitzuerleben. Ein kleines, still anrührendes Wunder von Film. Fast so, wie seine Protagonist:Innen, und deren Schutzbefohlene selbst ja auch.

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„Un, deux, trois, vive les lesbiennes!“

„La petite dernière“
( Hafsia Herzi / 2025 / Kino (DCP) / OmdU / Erstsichtung)

Die 17-jährige Fatima, jüngste Tochter in der Pariser Banlieue lebender Algerien-stämmiger und streng Islam-gläubiger Eltern, steht kurz vom dem Abitur. Und hat’s auch sonst nicht leicht: Ihr Freund beschwert sich, dass sie sich keine Mühe gäbe, ihm zu gefallen, und sich feminin(er) zu kleiden. Zudem wird sie von einem Mitschüler auch noch als „Lesbe“ beschimpft… was sie sich natürlich nicht gefallen lassen kann. Aber nächtens, ganz allein in ihrem Bett, und mit der „Girls dating Girls“-App auf dem Smartphone, kommen Fatima dann doch erste Zweifel: Was, wenn da vielleicht wirklich was dran sein könnte, und sie dem eigenen Geschlecht möglicherweise doch mehr zugetan ist, als sie sich selbst einzugestehen bereit ist?

Hafsia Herzis LesBiQueeres „Coming Out And Of Age“-Liebesdrama wurde mit jeder Menge Vorschußlorbeeren aus Cannes bedacht. Vor Allem die performance von Hauptdarstellerin Nadia Melliti wurde allerorten gepriesen. Und ja, wie die Newcomerin hier abliefert, zwischen Selbstzweifeln, sexueller Neugierde, und langsam erwachender Identität scheinbar mühelos hin- und her-oszillierend, das ist wirklich ein Schauspieler:Innen-technisches Glanzstück sondergleichen. Und gleichzeitig auch das grösste Pfund, mit dem der ansonsten doch eher recht gewohnt und konventionell inszenierte und geschriebene Film wuchern kann. Denn, wer so wie ich, in den letzten dreissig Jahren dutzende und aberdutzende an TransLesBiSchwulen Selbstfindungs- und Coming Out-Filmen gesehen hat, dem:der dürfte hier so ziemlich Alles bereits altbekannt vorkommen. Was aber nichts weiter ausmacht, weil der Streifen neben seiner tollen Hauptdarstellerin und als deren love interest nicht minder fabulös aufspielenden Park Ji-min (deren filmische Biographie @Kumiho vermutlich in- und auswendig kennt, die mir selbst aber bis dato noch unbekannt war, ich die aber als so dermaßen sensationell wahrgenommen habe, dass ich nun unbedingt alsbald „Return To Seoul“ sehen möchte), die Beide in ihren gemeinsamen Szenen eine so unglaubliche Chemie miteinander haben, dass Du da fast das Atmen bei vergisst, auch noch eine tolle Kamera-Arbeit, stimmige Ausleuchtung und einen wirklich guten Schnitt aufzuweisen hat. Sodass man da dann doch die eine oder andere Drehbuch-Schwäche zu verzeihen bereit ist, oder wenigstens leichter darüber hinwegsehen kann. Warum beispielsweise der plot point um Ji-Na’s Depressive Erkrankung überhaupt gar nicht mehr wirklich ausgespielt wird, das wollte und will sich mir tatsächlich mal überhaupt nicht erschliessen, und betrachte ich fast schon als ein mittleres narratives Kapitalverbrechen! Selbst, wenn das in der Roman-Vorlage genauso, oder ähnlich sich dargestellt haben sollte. Schade, denn gerade hier hätte der Film noch bedeutend mehr Tiefe erlangen, und zudem seine beiden Protagonist:Innen auch nochmal anders und stärker konturieren können. Auch hatte ich selbst erwartet, dass es im Großen und Ganzen doch ein wenig mehr um Fatimas Leidenschaft für’s Fussball-Spielen gehen würde. Die hier aber nur mal kurz am Rande erwähnt wird, dann aber so gut wie gar nicht mehr vorkommt. Mir persönlich zwar fast egal, mein kleines Herz schlägt ja ohnehin mehr für American Football (und da vor Allem für die NFL und U.S.-College Football), aber auch das wäre nochmal eine andere, interessante Facette von Fatimas Persönlichkeit gewesen, die zu ergründen sich vermutlich gelohnt hätte. Die innere Zerrissenheit Fatimas, verursacht durch ihre tiefe, und zunehmend mehr und mehr in Frage gestellte Gläubigkeit als streng religiös erzogene Muslima wiederum, werden hier glaubhaft-nachvollziehbar auserzählt, und vermittelt. Alles in Allem ein schöner, wenn auch streckenweise fast schon zu gewöhnlich erzählter und opulent abgefilmter Lesbian Awakening-Streifen doch recht klassischer Machart, mit zwei tollen Hauptdarstellerinnen, die hier so dermaßen bravourös aufspielen, als gäbe es kein Morgen mehr, und bei deren gemeinsamen Liebesszenen fast schon die Luft brennt. Kann man sich durchaus anschauen, vor Allem der superben Schauspieler:Innen-Leistungen wegen. Wenn man nun aber schon einige dieser Streifen kennt, dann ist das IMHO aber auch kein absolutes must-see. Es sei denn, Ihr steht auf solche Filme, und / oder seid Park Ji-min-Fans.

Ich habe vor drei Jahren mal ihren Wikidata-Eintrag angelegt und das wars. Auch Return to Seoul habe ich noch nicht gesehen.

In so vielen Filmen hat sie ja auch noch nicht mitgespielt.

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In aller Kürze (muss um 07:00 h schon wieder aufstehen, und gen Hamburg düsen, um dort dann schon wieder im Kino zu sitzen):

Auch wenn es jetzt schon wieder gefühlte sechshundertsechsundsechzig Ewigkeiten her ist, dass ich „Save The Green Planet“ zum letzten Mal gesehen habe, und demzufolge auch nicht mehr allzuviele Details erinnere, und dieselben erstmal in der englischsprachigen wikipedia nachlesen musste - Aber Lanthimos’ „Bugonia“ hält sich tatsächlich doch überaus eng an die 2003er-Vorlage. Da, wo er einige wenige kleinere Änderungen vornimmt, tut er das meist zum (zeitaktualisierten) Vorteil des Narrativs / Ausgangs-Stoffs. Mit vielleicht ein, zwei kleineren Ausnahmen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Und Emma Stone… Naja, Let’s just put it this way: Direkt vor dem screening sprach die Ankündigungs-Dame noch von der etwaigen Gründung neuer Emma Stone-Fanclubs nach dem Film… Wer das danach nicht getan hat, oder nicht noch vorhat, die:der dürfte wohl mit ziemlicher Sicherheit selbst ein Alien aus der Andromeda-Galaxie sein. Womit Ihr nun quasi die Bestätigung dafür habt, dass ich selbst ein solches bin. Auch, wenn ich nicht solche albern-abgedrehten weirden Ganzkörper-Eierwärmer-Wollanzüge mein Eigen nenne, wie Stone und Co. im Film. :wink: Aber im Ernst: Top Performance!

(Vermutlich nicht ganz so) Ausführliches review dann entweder am späten Nachmittag / frühen Abend nach meiner Rückkehr aus HH, oder aber vielleicht auch erst des Nächtens (bin vorher am Abend noch lose mit einem Freund verabredet).

Edit-To-Add: Mein „Bugonia“-review siehe bei Interesse hier (<— Link / klick’ mich!).

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