Ich bin unwürdig.Oder wie ein griechischer Philosoph mal sagte „Alles was ich weiß ist, das ich nichts weiß“. Ich muss das jetzt erst mal verarbeiten und danke Dir für Deine Expertiese. Alter… wow.
Ach was, viel zuviel der Ehre… Du siehst mich keusch erröten, ob soviel unverdienten Lobs.
Aber freut mich ja, wenn mein unnützes Möchtegern-Wissen auch mal wem weiterhelfen kann.
Ich hab’ ja nun mittlerweile auch schon gute 37 Jahre mit dem Film auf’m Puckel. ![]()
Hab’ diesen grausigen Astro-Ultimate- / Krekel-Cut vor knapp 20 Jahren tatsächlich auch mal bei einem Bekannten gesehen, fand’ den damals aber mehr als nur unsäglich erbärmlich. ![]()
Hier auf Schnittberichte gibt’s übrigens nochmal mehr Infos zum Film und seinen Fassungen, und auch zur größtenteils zum Haareraufen absurden bundesdeutschen Indizierungshistorie:
Als langjähriger De Palma Fan war ich 1992 begeistert, dass einer meiner Lieblingsregisseure nach langer Abstinenz endlich mal wieder einen Thriller gedreht hatte. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd und ich kam extrem enttäuscht aus dem Kino.
33 Jahre später wollte ich dem Film nochmal eine Chance geben und wählte dafür den „Fan Recut“, der die ursprüngliche Drehbuchfassung wiederherstellt und sogar von De Palma selbst bevorzugt wird! Ein wirklich guter Film ist dadurch leider auch nicht daraus geworden, aber die Hintergrundgeschichte ist sehr interessant.
Hier geht‘s zu meiner Review:
Hier die Backgroundstory inklusive Intro und Video-Essay:
Und hier der komplette Recut:
Azrael
Wusste schon, warum ich den beim Festival ausgelassen habe. Ich bin kein Slasher Fan und der ist ganz besonders dumm. Möchte schlau und speziell sein, davon kann ich aber wenig erkennen. Von der Stimmung annehmbar, aber die Kreaturen sind 08/15, der Hintergrund eher unschlüssig bis dämlich, voraussehbar und besonders schlau verhalten sich die Protagonisten auch nicht. Einmal geschaut und wieder vergessen. Aber immerhin solide umgesetzt. (4/10)
Dark Touch
Kleiner Indiegrusel, der besonders von seiner jungen Hauptdarstellerin lebt. Carrie like, aber mit finsterer Aura und etwas Langeweile, wenn einen der Stoff nicht packt. Auch hier gilt, eher eine kleine Fingerübung, einmal geschaut und schnell wieder vergessen. (3/10)
Talk to Me
Typischer Mainstream Gruselschinken, der aber durchaus mit einer netten Idee daherkommt und solide, sowie unterhaltsam umgesetzt ist. Brauche ich nicht im Kino, aber so nebenbei im Stream ganz ordentlich. (5/10)
Die Kritik an „Azrael“ kann zwar verstehen, wenngleich ich selbst den Film auch ganz anders empfunden, und bedeutend positiver wahrgenommen habe (bei Interesse siehe hier im „FFF 2024“-thread) - mich hat der RRRichtig geflashed, und total fertig gemacht (ich weiss aber auch, dass ich mich damit hier „in den Foren“ auch in der Minderheit befinde - in etwa wohl ähnlich wie Du damals anno 2008 mit Deiner positiven Wahrnehmung von „Eden Log“). Aber ein „Slasher“ war der doch nun wirklich nicht, oder habe ich da irgendwas übersehen, in meinem Überwältigtsein von der brachialen In your face-Attitüde des Films? Konnte bei meiner Sichtung jedenfalls keine Samara Weaving im Korn-, ähem Maisfeld, ausmachen.
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Der Begriff Slasher ist vielleicht nicht ganz passend. Gemeint sind alle Filme die ihre inhaltlich Spannung daher ziehen, dass Personen von einem oder mehreren Killen verfolgt werden. Das läuft mir zu häufig zu 08/15 ab und ist auch häufig sehr vorhersehbar. Ganz schlimm, wenn auch noch Kinder als Killer herhalten, da es fällt mir i.d.R. schwer es ernst zu nehmen. Also Slasher als Begriff sehr weit gefasst.
Dein Review habe ich durchgelesen, interessant wie der FIlm auf dich wirkt! Leider vermittelt mir dein Review nicht direkt, warum das konkret so ist. Ich höre fast nur Black und Death Metal und davon auch eher die Härteren Sachen. Daran kann es also nicht liegen ;))
Aber wie du schon sagst, manche Filme bewegen einen sehr speziell, obwohl sie großteils nicht so richtig ankommen. Ja, Eden Log ist in derTat auch so ein Film! ![]()
Also Azrael ist ja wohl so ziemlich alles, aber eines ganz bestimmt nicht, nämlich ein „Slasher“ im herkömmlichen Sinne des Subgenres.
Ich verstehe jeden, der den Film nicht mag, weil doch sehr speziell, wollte ihn zunächst auch nicht sehen, war dann aber doch sehr angetan. Siehe hierzu meine Review.
Tja, naja, in meiner Perspektive haben halt so ziemlich alle Punkte, welche Andere an „Azrael“ kritisieren mögen, dem Film eher zum Vorteil gereicht… ich brauche, wenn ein Streifen gut gemacht ist, und mich so unmittelbar-umfasssend, intensiv-immersiv in seine inhärente Welt und Realität hineinzieht, wie „Azrael“ das bei meiner Erstsichtung es eben vermocht hat, weder großartige Exposition, noch Dramaturgie, Charakter-Entwicklung oder irgendwelchen background - es reicht manchmal auch völlig aus, wenn ein Film Einer:Einem so richtig schön und mit Schmackes in die Fresse haut (um es mal arg platt, aber IMHO dennoch überaus zutreffend, jedenfalls für meine eigene Seh-Erfahrung, auszudrücken). Oder, um mich nochmal selbst zu zitieren (aus meinem hier zu findenden Antwort-post auf @Michaela ):
"[D]er (fast) völlige Verzicht auf gesprochenes Wort hat dem Film umso Vieles zum Vorteil gereicht, weil er sich und wir Zuschauenden mit ihm uns dadurch einfach umso mehr auf diese unglaublich intensive Erfahrung, die für mich selbst beinahe schon eher einem miterlebenden Dabeisein, statt nur einem blossen Zuschauen, gleichkam, konzentrieren können. Weil er uns durch den bewussten Verzicht auf Hintergrund, Dramaturgie und Story die Unmittelbarkeit des Gezeigten soviel eindrücklicher mitempfinden lässt. Und in Verbindung mit diesem dröhnend-immersiven Sound Design hat mich das heute aber sowas von einfach nur weggepustet. […]
Der Film hat mich einfach nur brutal in den Schraubstock genommen, hart am Schlafittchen gepackt, und unbarmherzig hinter sich hergeschleift… Was für eine krasse Nummer!!!
Ich brauch’ halt nicht immer ‚ne Story, oder so - Wenn ein Streifen so gnadenlos reinhaut, wie „Azrael“ das heut‘ nachmittag bei mir getan hat, dann ist das manchmal das grösste filmische Geschenk von Allen. Und nein, das muss auch beileibe nicht Jede:r nachvollziehen können. Ich zum Beispiel kann ja auch nicht wirklich verstehen (bzw. nachempfinden), was Leute denn an Filmen wie „Strange Darling“, „I See You“, "Diner" oder dem 2019er „Freaks“ so finden… Geschmäcker sind halt verschieden, ne? Oder, wie wir hier oben im Norden zu sagen pflegen: „Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall!“ "
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Die Banalität des Blöden - Wie Robert Eggers einmal „Nosferatu“ verfilmen wollte, aber noch nicht einmal einen Andrew Lloyd Webber hinbekam, Oder:
Warum ein Robert Pattinson, der so bedrömelt ausschaut, als wäre er gerade mit dem Kopf voran gegen einen Laternenmast geknallt, immer noch den besseren Vampir abgibt, als ein zerfledderter Friedrich Nietzsche-Zombie im zauseligen Gewand eines russisschen rumänischen Bettelgrafen
„Nosferatu“ (Extended Cut)
(Robert Eggers / 2024 / BluRay / englischsprachige OmeU / Erstsichtung)
Vorab-Bemerkung: Würde es sich um einen anderen Film als den hier zu besprechenden handeln, so würde ich in meiner jetzigen Verfassung davon absehen, mich überhaupt dazu äussern zu wollen, und bis zu einem Zeitpunkt mit dem Verfassen dieses Textes warten, an dem es mir wieder etwas besser geht. Da Eggers beinahe auf ganzer Linie misslungener „Nosferatu“-Versuch mir aber doch ziemlich am Allerwertesten vorbeigeht, ist mir das Alles gerade schnurzpiepegal, und hau’ ich jetzt einfach in die Tasten, was gerade so geht. Was in Anbetracht der Umstände (ich habe von Sonntag auf Montag eher schlecht geschlafen (was aber definitiv nicht mit irgendwelchen erotisch-morbiden Träumen zu tun hat, in welchen ich somnambul und unbekleidet durch mondhell beschienene Gärten wandle, um mich im bleichen Lichte des Erdtrabanten (m]einer ungezügelt-enthemmten Wollust hinzugeben), auf der Arbeit war es heute auch eher anstrengend, und generell bin ich gerade in keinem allzu guten Allgemeinzustand) wohl nicht allzuviel sein dürfte. Man möge es mir also nachsehen, wenn die nachfolgenden Zeilen darum einen eher durchschnittlich-ungenügenden Sub-Standard an schriftlicher Auseinandersetzung mit dem filmischen Korpus darstellen sollten. Da die näheren Umstände der Textgenese leider nicht die Allerbesten waren und sind.
Ich kann mich leider nur noch sehr verschwommen daran erinnern, wie mein mittlerweile verstorbener jüngerer Bruder, zwei gute Freunde und ich selbst irgendwann Ende der 1990er einmal der Vor-, bzw. Aufführung von Friedrich Wilhelm Murnaus kongenialen Stummfilm-Klassiker „Nosferatu“, in einer Hamburger Kirche beiwohnten. Selbstverständlich kannte ich den Streifen da schon seit längerer Zeit, hatte ihn mehrmals im Fernsehen geschaut, und dann auf VHS aufgezeichnet. Aber dieses Meisterwerk des deutschen Expressionismus des frühen 20. Jahrhunderts in der sakral-andächtigen Atmosphäre eines Gebetshauses, begleitet von (vermutlich, ich kann das nicht mehr genau abrufen) stimmungsvoll-passender Orgelmusik, mitanschauen zu dürfen, das war schon ein einmaliges Ausnahme-Erlebnis. Wobei Murnaus Klassiker ja vor ikonischen Tableaus und Einstellungen, vor beunruhigenden Schattenspielen und stilprägenden Charakter-Bildrahmungen nur so wimmelt. Und sein immenser Einfluss nicht nur auf das Genre des Phantastischen Films, sondern auf die Filmhistorie und -Produktion nach ihm ja kaum zu überschätzen ist. Werner Herzog wagte sich dann im Jahre 1979 an eine eher spröde-sedierte, karg-knappe Neuinterpretation des Stoffes, durchzogen von einer drängenden Unterströmung und einer seltsam melancholisch-morbiden Grundstimmung, mit einem fabulös-schlaflosen, todessehnsüchtig-lebensmüden Klaus Kinski als Dracula, und einer ätherisch-sylphenhaften Isabelle Adjani, quasi eine Art neuromantisch-realitätsbezogener Dracula-Mythos des deutschen Autor(:Inn?)en-Films. Und nun, im Jahre 2024, also Robert Eggers, dessen Folklore-Familienhorror „The Witch“ mich vor gut neun Jahren so sehr gefesselt hat, und das nicht nur aufgrund der starken Bilder und superben Kamera-Arbeit, sondern auch vermittels seines wuchtig-donnernden Soundtracks und vor Allem der phänomenal aufspielenden, mir damals noch nicht bekannten Jungdarstellerin Anya Taylor-Joy, die ihrer Filmfigur ein unfassbar nachvollziehbares Eigenleben und eine unbezähmbare Individualität einhauchte. Ein Film, von dessen Verwirklichung und dem Wunsch, ihn zu machen, Eggers laut eigener Aussage schon geträumt hatte, seitdem er acht Jahre alt war. Und der ihm vermutlich auch bedeutend besser gelungen wäre, hätte er ihn in jenem zarten Kindesalter bereits umsetzen können. Aber warum ist das so, was genau sind die Gründe dafür, dass Eggers - aller formal-stilistischen Brillanz zum Trotz, oder besser gesagt, vermutlich genau wegen ebendieser Brillanz - an der Verwirklichung dieses seines Lebenstraums auf so spotthaft-tragische, schauderlich-spektakuläre Weise gescheitert ist, ja, wohl auch scheitern musste?
Eggers’ eigene Vision des Ausgangs-Materials beginnt mit Ellen Hutter, die hier eingangs eine somnambul-entrückte Alternativ-Realität durchlebt, die benommen-verängstigt durch die entgrenzte Gegenwirklichkeit ihres mühsam unterdrückten sexuellen Verlangens schreitet - nur, um sodann allein aufgrund des Klangs einer grabestiefen, vielleicht nur in ihrem eigenen Kopf vorhandenen männlichen Stimme zu Boden zu sinken, und sich dann in koital-konvulsischen Bewegungen im Rhythmus des sexuellen Aktes, oder vielleicht auch der eigenen Masturbation, lustvoll im vollmondbleichen Herrenhaus-Garten zu winden. Der Film wird auch im weiteren Verlauf mehr bei ihr, und ihren eigenen Begehrensformationen, sowie der Verunmöglichung von deren Artikulation, bleiben. Die sociocultural repression of female desire, die sexual politics of misogynist bodily restraint, der patriarchal approach of power over women, stehen hier ganz offenbar im Zentrum der Geschichte, bzw. sollen dort stehen. Das junge Eheleben der beiden frisch Vermählten mutet dann auch eher an, wie eine keusche Beziehung zwischen Bruder und Schwester. Wobei sie von Anfang an mehr will, sich ihm immer wieder in eindeutiger Absicht anbietet, er aber ein ums andere Mal ihren sexuell-erotischen Avancen ausweicht. Der trist-emotionslose Alltag des Paares wird dann mehr und mehr in Kontrast gesetzt zu Ellens anderweltlichen (aber nicht außerweltlichen, sondern ganz ihrem Innersten entspringenden) Traum-Erlebnissen, die von einem dunkleren Ort künden, einem Locus, an dem keinerlei Tabus, oder moralisch-restriktive Schranken mehr zu existieren scheinen. Ja, selbst eine Liaison mit dem Tod selbst (als kaum verhohlene Allegorie auf die später noch mehrmals in die Tat umgesetzte Nekrophilie) nicht als Aufhebung, sondern im Gegenteil integrative Verschmelzung des scheinbaren Antagonismus von Eros und Thanatos, scheint Ellen ein höheres Glück zu verheissen, als der dagegen lächerlich-profan anmutende Vollzug des Eheversprechens. In seiner ersten halben bis dreiviertel Stunde entwickelt Eggers’ „Nosferatu“ gerade auch in den dem Alltags-Erleben enthobenen, unheimlich-unwirklich wirkenden Szenen eine sonderbar beklemmende, unterschwellig verstörende (Alp)Traumhaftigkeit, in der ihre auch sonst im Film oft und immer wieder aufscheinende, überdeutlich ausgestellte Gemachtheit, diese Anmutung des künstlich Artifiziellen, nicht nur nicht stören, sondern sogar noch zu seiner eingangs enorm starken Wirkung beitragen. Und zumindest ich beim Durchstreifen des nun allein und einsam durch Karpatien irrenden Thomas, seines wortlosen mitternächtlichen Wartens an einer gottverlassenen Wegkreuzung mitten im Wald, und des Auftauchens der fahrerlosen Kutsche, immer noch durchaus ergriffen-gespannt der Dinge harrte, die da noch kommen sollten… Bedauerlicher Weise stellt sich dann mit zunehmender Laufzeit mehr und mehr heraus, dass Eggers, sein Kameramann Jarin Blaschke, und Licht-Ingenieur Jeff Billings aller stilistischen Finesse, aller technischen Brillanz, und aller elaboriert-ausgefeilten Kamera-Arbeit zum Trotz nicht wirklich wissen (oder wissen wollen), was sie mit diese von ihnen geschaffenen Bildern idenn überhaupt sagen wollen, oder wie sie diese sinnvoll und sinnhaft in den Kontext des filmischen Narrativs einbauen könnten. Stattdessen lumpert der Streifen dann etwa die gute nächste Stunde oder so ohne klaren Focus und inneren Faden lustlos und traumverloren vor sich hin, schwenkt mal zu dieser „bad mood on the beach“-Sequenz mit Ellen und ihrer BFF Anna, dann zu jener Schloss-Szene mit einem irgendwie fürchterlich übertrieben agierenden und aufgesetzt inszenierten Grafen Orlok, der auch die ganze Zeit über kaum eine eigene Präsenz gewinnt (was seltsam anmutet, wo er doch im Kontext der Geschichte die Präsenz überhaupt darstellen soll). Dessen gesamte mimische Ausdrucksfähigkeit hinter seinem Friedrich Nietzsche-Gedächtnis-Walross-Schnauzer verborgen bleibt, der beinahe beständig nur als blosse, ungeschlacht-hochaufragende Silhouette im Halbdunkel verbleiben muss, der kaum irgendeine Art von Motivation oder eigenem inneren Antrieb erhält, und zudem als eine Art wurmzerfressener Zombie mit schwärend-fauligen Narben und modernd-verwesendem Fleisch, sowie mit schweren Problemen des Respirationstraktes behaftet, ungelenk und ziellos durch den Film stakst, im zauselig-loddeligen Gewand eines russisschen, will meinen: rumänischen Bettelgrafen, und mit einer dröhnend schleppenden Grabesstimme, wie aus der klischeehaft-selbstparodistischen Untoten-Jahrmarkts-Version eines Kasperle-Theaters für schlecht gealterte 1980er-Grufties. Orlok kann hier als Gegenspieler von Ellen (und vermutlich blosse Projektion / Verkörperung von deren dunkelsten Begierden) niemals wirkliche Konturen gewinnen, weil er zum Einen immer bloss schattenhafter Schemen, zum Anderen aber, wenn er dann doch einmal Physis gewinnt, aber zur Karikatur geronnenes Abziehbild einer lebenden Leiche verkommt. Wobei „Nosferatu“ ja nicht nur hier viiiiiiiiiel zu dick aufträgt, um mittels dieser überzogenen Fassade seine darunter nur notdürftig verborgene innere und auch emotionale Leere und Inhaltslosigkeit zu kaschieren. Auch Ellens sich immer mehr steigernde Anfälle und fits, die mehr und mehr spastischen Zuckungen, und epileptischen Krämpfen ähneln, und schliesslich an die Besessenheits-Szenen aus William Friedkins „The Exorcist“ gemahnen, sind in all ihrer albernen Überzogenheit, und seltsam ungerührt lassenden Bemühtheit nicht wirklich ernst zu nehmen. Ein sich dann doch noch ereignender Sex-Akt zwischen den beiden Eheleuten lässt in seiner puppenartige Verrenkungen zelebrierenden Nichtigkeit vielmehr an eine sexmanische, grotesk-debile Variante einer deftig-depperten Volkstheater-Aufführung denken, denn an eine soziale Normen transzendierende, und rigide moralische Grenzen überschreitende Skandalität. Lily-Rose Depp gibt sich zwar sichtlich Mühe, und ist mit vollem Körpereinsatz dabei, bekommt aber vom Skript (welches zudem eine mittlere Katastrophe ist, und vor geschwätzig-belanglosem Dialog-Ballast nur so strotzt) nicht viel zu tun, um ihre Rolle mit glaubhaft-überzeugendem Leben anzufüllen, und hat darüberhinaus mit beständig nach unten gezogenen Mundwinkeln, schmal aufeinander gepressten Lippen, Trauerflor-Schlafzimmerblick und nach vorne gezogenen Schultern auch eher die stocksteife Leinwandpräsenz einer schwer depressiven, akut suizidgefährdeten Schaufensterpuppe. Bill Skarsgård bleibt wie schon erwähnt, auch nicht mehr zu tun, als seine Gummihaut zu Markte zu tragen, sich unter seiner Maske schwer Einen abzukeuchen, und ansonsten beeindruckend sinnentleerte Sätze durch die Gegend zu donnern. Und wenn er dann irgendwann die beiden kindlichen Töchter der Hardings am Wickel packt, und aussaugt, als wären sie saftgefülltes, prallreifes Obst, dann fühlte zumindest ich mich an die Darstellung des querschnittgelähmten Christoper Reeves und seiner Bejahung der adulten Stammzellforschung aus der „South Park“-Episode „Krazy Kripples“, erinnert, wenn er sich ab und an mal einen aufgetauten Fötus schnappt, diesem das Genick bricht, und ihn sodann genüsslich schlürfend aussaugt, als wäre er eine Packung „Capri-Sonne“. Wobei der Streifen auch und gerade bei den Biss-Szenen beinahe schamhafter zu Werke geht, als die doofen „Twilight“-Filme. Der Akt des Beissens und / oder Aussaugens wird hier nie wirklich im Bild gezeigt, wir hören es entweder nur auf der Tonspur, oder aber bekommen es aus einer Perspektive zu sehen, die zwar das sexuelle Element daran (über-)betont (beispielsweise macht Orlok beim Saugen an Thomas’ Brust mit seinem Unterkörper stossende Bewegungen, dass auch ja der:dem allerletzten Zuschauer:In klar werden muss, worum es hier gerade wirklich geht, nämlich ums Ficken / Gefickt-Werden), das Moment der Penetration aber kein einziges Mal offen ausstellt. Auch der Soundtrack ist mindestens fünfzig Spuren zu dick aufgetragen, und kleistert erbarmungslos Alles mit bleierner Bedeutungsschwere zu, sodass weder die Schauspieler:Innen noch die Bilder irgendwie eine Chance haben, ihr(e) Anliegen immersiv-überzeugend zu vermitteln. Weil das Alles, was bereits in Murnaus Ur-„Nosferatu“ als Subtext vorhanden war, hier in jedem einzelnen Stil-Element viel zu gewollt überbetont, zu plastisch-überdeutlich herausgestellt, und damit nicht nur seiner Zeichenhaftigkeit verlustig geht, sondern auch eines Gutteils der intendierten Wirkung beraubt wird. Sodass das Gothic-Horror-Schauerstück vielmehr zu einer gerade in der Überwürztheit ihres Geschmacksniveaus, in der Über-Eindeutigkeit der einzelnen Zutaten, der Absenz des Geheimnisvollen ihres Rezepts, der fehlenden Feinheiten ihrer aromatischen Vielfalt, zu einer jeglicher gustativen Zwischentöne abhanden gekommenen Sosse gerinnt, und mich mit fortschreitender Spielzeit eher zu langweilen begann. Und mögen seine Bildkader noch so präzise ausgetüftelt sein, seine Tableaus noch so sehr zeitgenössischen Gemälden ähneln, und seine Ausleuchtung noch so stimmungsvoll sein - letzten Endes verbleibt das Alles viel zu blutleer-anämisch, leichenblass-totenstarr, und farbentsättigt-leblos, als dass es mich auf Dauer hätte in seinen Bann ziehen können. Wobei auch das ganze Gefasel um schwarzmagische Rituale und esoterisch-okkulten Mummenschanz der Atmosphäre eher abträglich waren. Und zudem auch Willem Dafoe, der ja auch in jüngerer Vergangenheit meist schon mehr seinen Stiefel herunterspielte (wobei das in „Poor Things“ und „Beetlejuice Beetlejuice“ aber immerhin noch irgendwie zum Stil und Ton der Filme passte), denn wirklich überzeugend agierte, hier endgültig zu einer traurig-bemitleidenswerten Selbstparodie verkommt, und sein geckenhaft-glanzloses, blasiert-borniertes Herumgezappel dem Film eher schadet, als nützt. Am Ende bleibt ein mindestens eine halbe bis dreiviertel Stunde zu langer Film, der sich viel zu wichtig nimmt, dem niemals während seiner 137 Minuten langen Laufzeit einfällt, was genau er denn jetzt erzählen, und sagen will, der sich in der plattitüdenhaften Geschwätzigkeit seiner Dialoge ebenso verliert, wie in der dröhnend-drömeligen, um mindestens 30 Dezibel zu lauten, geschmacklos-herausposaunten Überbetonung seiner gefühlig-manipulativen Musik, der die Künstlichkeit sowohl seiner Bilder als auch seiner Geschichte nie wirklich in den Griff bekommt, und der unterm Strich ein Film für Menschen ist, die zu einer Musical-Aufführung von Andrew Lloyd Webbers „Phantom Of The Opera“ gehen, und dann nachher denken, das sei jetzt aber ganz grosse Kunst gewesen. Womit ich nichts gegen Lloyd Webber gesagt haben will - der wusste und weiss wenigstens ganz genau, wie er welche Bilder einsetzen muss, um welche Wirkung zu erzielen. Hell - Sogar die nervig-doofen „Twilight“-Filme (von denen ich aber nur den ersten gesehen habe, wozu ich auch noch halb „gezwungen“ wurde) wussten das! Und sind, trotz ihrer erzkonservativ-revanchistischen, bedenklich-rückwärtsgewandten message und ihres moralinsauren Gesellschaftsbildes („Kein Sex vor der Ehe!“, etc. pp.), darum auch immer noch die besseren Vampirfilme, als Robert Eggers’ völlig daneben gegangenes, zwar schön bebildertes, aber schlussendlich zu dick aufgetragenes, und mit zu wenig Eigenleben erfülltes Drama um weibliche Perversionen, unausgesprochenes Verlangen und unerfülltes Begehren. „Let’s make haste, and just forget this decrepit mess of a movie!“
In all seiner plakativ-penetranten Überdeutlichkeit, seinem Verzicht auf subtile Zwischentöne, gelingt es Eggers’ Neuauflage des „Nosferatu“ aber immerhin in seinem Schlussbild, eine gut versteckte Wahrheit ans Licht des Tages zu zerren (die dann aber sogleich von Willem Dafoe’s Filmfigur nochmal bis ins allerletzte Detail auf der Tonspur auserzählt werden muss, obwohl wir sie doch gerade erst vor unseren Augen sich haben abspielen sehen… Aaaaargh!!!).
Dass es sich bei Ellens perversem Verlangen nach Orlok letztlich um Nichts Anderes, als um pure Nekrophilie handelt.
Aber so sehr auch Eggers’ „Nosferatu“ selbst in meinen Augen nichts Anderes ist, als eine filmische Totgeburt:
Das ist ein Gefühl, was ich ihm beim besten Willen nicht entgegen bringen kann und will.
Das sehe ich ähnlich. Einer der wenigen Filme, die ich frühzeitig im Kino abgebrochen habe. Schrieb zu „Nosferatu“ im DP Forum vor nicht allzu langer Zeit auch ein paar kurze Zeilen und Eindrücke nieder:
Nun ja… mehr schlecht als recht. Meine Erwartungshaltung zur Neuinterpretation von Nosferatu unter der Regie von Robert Eggers war immens hoch, am Ende war die Enttäuschung umso größer. Eggers ist kein wirklich schlechter Regisseur, zum Beispiel seine beiden exzellenten Werke „The Witch“ von 2015 und „Der Leuchturm“ von 2019 empfand ich als absolut großartig. Bis dato seine mit Abstand besten Filme in seinem Oeuvre. Aber sein neuestes Werk „Nosferatu - Der Untote“ hat mich jedenfalls nicht wirklich überzeugt. Dafür ist der Charakter von Graf Orlok viel zu schlecht ausgearbeitet. Orloks Look wie auch seine penetrante Stimme im O-Ton ist wahrlich eine Zumutung für mein Auge und mein Gehör und passt meiner Meinung nach nicht wirklich zum Charakter an sich. Auch das zu Anfang des Films stärkere Overacting von Lily Rose Depp als gequälte Ellen Hutter gefiel mir nicht. Ihr emotionales Verhalten kommt nicht wirklich von innen. Ihre Gestik und Mimik in manchen Szenen wirken für mich komplett aufgesetzt und man merkt als aufmerksamer Zuschauer sofort, dass da etwas nicht stimmt. Nicht, dass ich an sich etwas gegen Overacting auszusetzen hätte, liebe Murnau, Lang und Wiene Stummfilmklassiker und ebenfalls Nicolas Cage ist großartig darin, zumindest in manchen seiner Filme, aber hier passt das nicht. In „Nosferatu - Der Untote“ wirkt das alles eher befremdend und kontraproduktiv. Ansonsten ist die Kinematographie absolut großartig, Eggers optische bzw. visuelle Inszenierung kann sich durchaus sehen lassen. Der „Gothic Look“ des Films hat mir sehr gut gefallen, neben den wirklich atemberaubenden Stadt- und Landschaftsaufnahmen. Aber das allein reicht für einen guten Film nicht aus. Zumindest für mich nicht. Bei mir punkten in erster Linie immer starke und authentische Charaktere, die den Film tragen und in ihrer Glaubwürdigkeit 100 Prozent zu überzeugen wissen. Alles in allem: Eine herbe Enttäuschung. Schade eigentlich, man hätte wesentlich mehr aus dem Werk herausholen können. Besser nochmals den Murnau Klassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von 1922 anschauen. Der ist um Welten besser als Eggers moderne Neuinterpretation. Murnaus Werk ist ein Meisterwerk. Eggers Film ein Desaster. Vergebe mal bis zu meinem Abbruch des Films 4/10
Nur mal kurze „Verständnis“-Frage, aus reinem Interesse: Bei etwa welcher Szene hast Du denn Deinen walk out gemacht? Wen Du das überhaupt einigermaßen rekapitulieren kannst… Bei mir war’s in etwa ab der Ein-Stunden-Marke, dass der Streifen anfing, mich so richtig zu langweilen. Ich bin jedenfalls heilfroh, den damals nicht im Kino gesehen zu haben (auch wenn die BluRay mit ca. 18, - Oironen ja teurer war, als der Besuch einer Kino-Vorführung). Tscha, hätte ich mir mal doch lieber die BluRay der remastered version von Tarkovskij’s „Stalker“ gegönnt… zum Einen ist das mein zweitliebster Lieblingsfilm überhaupt, nur ganz knapp hinter Peter Weir’s „Picnic At Hanging Rock“, zum Anderen wäre der sogar 2 Euro billiger, und 10.000mal besser gewesen. Naja, hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer, und so, ne? Jedenfalls liegt Eggers’ „The Northman“ immer noch ungesehen hier herum - Jetzt hab’ ich gerade ein bisschen Bammel, bzw. nicht so wirklich Lust, mir den in absehbarerer Zeit mal rein zu tun. „The Witch“ ist für mich von Eggers’ bisherigem d’œuvre immer noch unübertroffen, und bei „The Lighthouse“ mochte ich auch den Großteil über diese strange and creepy Atmosphäre, und hatte viele tolle Bilder. Fiel IMHO aber leider zum Ende hin doch ziemlich ab.
Das ist die Tischszene auf Orloks Schloss gewesen, wo der junge Thomas Hutter mit dem Grafen ein Gespräch führt. Irgendwann hatte ich keinen Bock mehr. Wobei ich Nicholas Hoult in seiner Rolle recht gut fand. Graf Orlok dagegen eine totale Katastrophe. Allein seine Optik und die penetrante Stimme. Keine Ahnung was Eggers da geritten hat.
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Ich habe Brad Pitt beim Autofahren zugesehen:
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Coming soon, in some other place…
Neulich, auf dem Flug von den Solomons zur Erde…
… war eigentlich schon für Ende Sommer letzten Jahres eingeplant gewesen, hat dann aber aus diversen Gründen leider nicht geklappt. Aber jetzt - Im Weltall hört mich Keine:r tippen. ![]()
…und ja, das dürfte vom Text-Umfang und der Sichtungs-Anzahl her wohl mindestens so absurd-gigantomanisch werden, wie anno 2024 der „Mad Max“-thread… Ob Ihr das nun als Drohung, oder aber als Versprechen auffassen mögt, bleibt ganz Euch selbst überlassen. ![]()
… und nein, das hier sollte möglichst nicht als großspurig-selbstverliebte, narzisstisch-egomane Selbstbeweihräucherung verstanden werden, sondern soll vielmehr als reminder an mich selbst dienen, dass ich da demnächst noch Einiges zu stemmen habe / an filmtherotischer Arbeit und Aufarbeitung vor mir habe. But well, we’ll see how it goes - just bear with me, and be patient.
Sprichst du von Alpha Caeli Vb–h? Sehr gut. Ich wette jetzt schon, dass „Prometheus“ und „Alien: Romulus“ bei dir besser abschneiden werden als bei mir. Beim Alien Franchise bin ich definitiv dabei.
Da bin ich jetzt mal wirklich gespannt drauf. ALIEN zählt zu meinen Top 10 Lieblingsfilmen aller Zeiten. Ich war 12 Jahre alt und sie wollten mich, trotz Begleitung mit Papa, nicht in Frankfurt ins Kino lassen. Auf dem Heimweg hielten wir in unserer Kleinstadt vor einer roten Ampel und ich schaute durchs Fenster auf ein kleines Kino (das es immer noch gibt!) und sagte „Papa, der läuft hier auch!“. Und dem Kinobetreiber war die schnelle Mark wichtiger als das Jugendschutzgesetz. Hat mich nachhaltig geprägt, intensivstes Filmerlebnis aller Zeiten. Hab mich bald eingeschissen und irgendwelche Typen hinter mir meinten, ich soll mal meine Klappe halten
Mit etwa 16 Jahren wollte ich mir den dann in einer Videothek ausleihen und WIEDER Stress. Mama musste mit der Chefin telefonieren, das das klar geht. Was für Zeiten …
Neben der Kamera, die aus dem Ansaugstutzen des V8 in „MadMax II“ rausfährt, zählt die Eröffnungs-Szene von ALIEN zu den mich am meisten beeindruckenden aller Zeiten. Ich hab mir manchmal sogar nur die ersten 10 Minuten des Films angesehen, weil ich immer wieder kleine Details sehen wollte (was auf dem Röhrenfernseher auf dem das VHS Band früher lief, einfach nicht möglich war). Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, schon alleine wegen dem Sound-Design. Diese unfassbar geniale Atmosphäre. Ausser bei 2001 hat nie wieder ein Regisseur diese EINSAMKEIT des Weltraums eingefangen. Und dabei hätten sie bleiben sollen, anstatt die Filme immer mehr zu überladen. Bin sehr gespannt auf Deinen Roman, äh, extensiven Text zu den Filmen. Ich könnte dazu auch ein Buch schreiben, bin aber zu faul. Du machst das schon. ![]()
Die drei „Nachzügler:Innen“ „Prometheus“, „A L I E N: Covenant“ und der gar fürchterlich mediokre „A L I E N: Romulus“ (<---- Link / Klick’ mich!) (den ich allerdings im letzten Jahr bereits besprochen hatte, was Du im Übrigen sogar damals schon kommentiert hattest) mag ich alle drei überhaupt gar nicht, und kommen in meinem persönlichen „A L I E N“-canon deshalb auch nicht vor… da wird’s wirklich ausschliesslich um die vier Filme gehen, welche Ripley zur Protagonistin haben. Der Focus wird dabei im Übrigen auch ein wesentlich filmtheoretischerer sein, als letztes Jahr noch im „Mad Max“-thread… was unter Umständen nicht Allen gefallen könnte. Mir aber völlig egal, sowas hat mich ja noch nie großartig gekümmert. Habe den ersten Streifen (plus noch einer kleinen feinen „Zugabe“) in der letzten Nacht bereits gesichtet, und bin gerade noch an den Vorbereitungen zum Text. Kann sich also noch ein wenig ziehen, mit Glück wird’s aber in der Nacht von heute auf morgen was. Mal schauen, wie weit ich da so komme.






