So - ich hab’ nun auch endlich mal einen der noch ausstehenden FFF 2024-Filme nachgeholt… und zwar "Azrael".
„An unforeseen future nestled somewhere In time
Unsuspecting victims, no warnings, no signs
Judgment Day, the Second Coming arrives
Before you see the lights, you must DIE !!!“
(Slayer, „South Of Heaven“)
" Even as the end’s complete / Finding strength in one’s defeat
Living in an endless score / Killing me with battled sores
I’m the one that’s sent to kill / Feeling all destructive will
Bring forth one dead soul decay / The end completes the final day!"
(Obituary, „The End Complete“)
The End Complete - Samara Weaving’s Höllenfahrt
Puuh…
Danach muss man erstmal kräftig durchatmen, und blind verschüchtert um sich tastend sich selbst vergewissern, dass man überhaupt noch da ist, dass überhaupt irgend so etwas wie eine (wie auch immer geartete) Realität existiert.
Eines gleich vorweg: Ich beneide Alle, die „Azrael“ im Kino gesehen haben, überaus darum.
Und bin gleichzeitig unendlich froh, dass ich selbst ihn dort nicht habe sehen können.
Denn ich weiss wirklich nicht, ob und wie ich eine solche Sichtung geistig unversehrt hätte überstehen können.
Was für ein brutal-brachialer Brecher, was für ein viszeral-vernichtender Totalabriss, was für ein wahnsinnig-zerschmetternder Höllentrip, was für ein nachtschwarz-finsterer Alptraum.
Mehrmals musste ich während der Sichtung unterbrechen, weil meine innere Anspannung einfach viel zu sehr am Limit war, weil ich das nächste Bild beinahe so sehr fürchtete, wie der Teufel das Weihwasser, weil jeder Schlag, jede Gewehrkugel, jeder Hieb mit der Machete so krass heftig reinhauten, als würden sie mich selbst fast nur um Haaresbreite verfehlen.
Scheiß’ doch auf das ganze Gemäkel, von wegen „Keine Story, kein Hintergrund, keine Charakterzeichnung, keine Motivation“, bla bla bla, Mi-Mi-Mi!
Scheiß’ auch auf Dialoge, inneren Sinn, Dramaturgie, narrative Entwicklung, all diesen ganzen überflüssigen Firlefanz!
„Azrael“ braucht diesen oberflächlichen Mumpitz überhaupt gar nicht, weil der Film ohne Umschweife genau dahin geht, wo es RICHTIG weh tut.
Wie filmisches Heroin, das Du Dir direkt in Deine Venen knallst, und das Dein Hirn in einen düster-dräuenden, Todes-ähnlichen Tiefschlaf versetzt, durchzogen von pestilenz-nebligen Alptraum-Schwaden, aus denen nie mehr zu erwachen Du allumfassende Angst verspürst.
Zeitweise hatte ich während dieser un-fucking-fassbar intensiven Sichtung das Gefühl, „Azrael“ wäre gar kein Film mehr, sondern eine wild wütende Bestie, etwas, was Dich in pechschwarzer Nacht urplötzlich aus dem Dunkel des Waldes heraus anfällt, Dir seine rasiermesserscharfen Zähne tief in die Halsschlagader gräbt, mit einem Ruck seines unförmig-monströsen Schädels große Brocken von warmem Fleisch aus Deinem Gewebe reisst, Deine Gesichtshaut im Höllenfeuer seines glutheissen Flammenatems zu schwärender Kohle versengt, und Deine pulsierenden Adern mit grünlich-galligem Gift vollpumpt.
Was für eine nachtmahr-artige Grenz-Erfahrung, was für ein eigener cineastischer Opfergang auf dem Altar des filmischen Höllenfürsten.
Was für eine unter kaum auszuhaltenden Qualen und unvorstellbaren Schmerzen erfolgte eigene Wiedergeburt in den tiefsten Abgründen des Hades, im lodernden, alle Vernunft und alles Verstehen auslöschenden Schlund des ewigen Infernos.
Ein Film, der Dir heftiger in die Magengrube fährt, als der Basslauf in Death’s „Zombie Ritual“, der tausendmal boshafter röchelt und grunzt als Lars-Göran Petrov in Entombed’s „Left Hand Path“, der härter reinhaut als die Bass Drum in Bolt Thrower’s „The IVth Crusade“.
Nein, man muss nicht mit Death und Doom Metal aufgewachsen sein, und die Musik von Morbid Angel, Carcass, Obituary, Unleashed, Possessed, Slayer, Cathedral und Cannibal Corpse lieben, um diese gnadenlos-unvergessliche Höllenfahrt von Film zu mögen.
Aber es hilft vermutlich ungemein dabei. Denn „Azrael“ ist letztlich nichts Anderes, als ein Bewegtbild gewordener Old Skool-Death Metal-Song. Eine den kümmerlichen Verstand sprengende äusserste filmische Grenze, von hinter der es keine Wiederkehr mehr gibt.
Gehuldigt sei den apokalyptischen Höllenpriester:Innen bei Rosebud, die uns diese satanisch-schwarzmagische Scheußlichkeit an filmischer Verdammnis auf dem FFF kredenzten.
Gelobpreiset im Namen des Leibhaftigen seien all Jene, welche ihr eigenes Seelenheil und ihre gottgegebene Unschuld dafür hingaben, um für uns Unwürdige diese pechschwarze Perle eines verfluchten cineastischen Alptraums zu erschaffen.
In den Flammen ewiger Pein sollen all die erbärmlichen Heid:Innen brennen, welche seine grauenhaften Wunder, seine schreckliche Schönheit und seine völlige geistige Umnachtung verheissenden, Bild gewordenen endlosen Qualen nicht zu würdigen und zu lobpreisen wissen.
Was für ein infernalisches Biest von Film.
Bow down before „Azrael“, or begone forever more.
"Satisfy the urges with a quick and mindless set
Falsify the data as a hard truth goes unmet
Rectify the image as your word and mind are barred
Crawling on your hands and knees as a war torn world is scarred
Patronize the living in a dark and dying world
Recognizing evil as a darkened tale unfolds
You will find yourself living in the dark
Fearing your every move
And as your heart beats
Pounding out your chest
You’ll find your only choice is death!"
(Obituary, „Dying of Everything“)


