„It’s going to make a good image!“
(Alex Garland / 2024 / Kino ( DCP) / englischsprachige OV / Zweitsichtung)
„Heraus, heraus zum ersten Mai !“
…und dann bloß gleich wieder ins Dunkel des Kinosaals.
Nee, aber im Ernst: DGB-Demo ist mir zu oldskool-schnarchnasig, und die MayDay-Parade, auf der ich und diverse Freund:Innen Mitte der Nullerjahre öfter mitgelaufen sind, ist mir mittlerweile zu sehr von Linksanarcho-Gruppen „gekapert“ worden… das gibt dann zum Einen nur wieder unnötigen Krawall, und zum Anderen habe ich in diesem Jahr auch keine Lust auf irgendwelche arg denkverkürzten Parolen à la „From the River to the Sea - Palestine will be free“, gerufen von irgendwelchen judenfeindlichen Anti-Imp-Hanseln. Und außerdem war das gestern am frühen Nachmittag der letzte Termin, an dem Garlands-Bürgerkriegs-road movie noch im Savoy-Kino gescreened wurde. @todi war auch da, und hatte das absolut perfekte Timing (= war auf die Sekunde genau pünktlich zum Filmbeginn im Kinosaal, und hat somit superb den 20 Minuten-Werbe-Overkill geskipped)..
![]()
Im Grunde genommen hab’ ich meinen obigen Ausführungen von der Erstsichtung gar nicht mehr allzuviel hinzuzufügen - Ich hab’ mich jetzt ein bisschen mit dem finalen Showdown und dem Ende versöhnt, auch wenn ich’s immer noch für eher suboptimal halte. Jeder einzelne Gewehrschuss, jeder Heli-Raketen-Einschlag und jede abgefeuerte Panzergranate hauen allein vom akustischen impact her immer noch rein wie ein Faustschlag mitten in die Fresse. Und auch wenn man beim zweiten Ansehen schon weiß, was kommen wird, macht es das dennoch nicht weniger schmerzhaft - eher im Gegenteil. Überrascht bin ich tatsächlich auch, wie kurzweilig dieser road trip auch bei der Zweitsichtung ist, und wie schnell die knapp 110 Minuten rum sind… kam mir persönlich auch dieses Mal irgendwie viel kürzer vor. Ich hab’ jetzt ein bisschen mehr darauf geachtet, kann aber immer noch nicht wirklich die von @todaystomorrow eröffnete Perspektive, dass es in „Civil War“ wenn schon nicht primär, dann doch unterschwellig um eine konsequente eigene Positionierung von Reporter:Innen / Kriegs-)Fotograf:Innen / taking sides in puncto „soziale Spaltung“ gehe, nachvollziehen / einnehmen… was ja nicht heissen soll, dass dies nicht eine valide Interpretation des Films wäre, sondern nur, dass es eben nicht meine Wahrnehmung des Ganzen ist, bzw. ich eventuell das auch ein ums andere Mal übersehe. Was mir aber auch gestern wieder aufgefallen ist: Wie grandios der Film fotografiert / montiert ist, und was für eine formidable Glanzleistung / totale Wahnsinns-Vorstellung Kirsten Dunst hier abliefert. Ob der Streifen dann zum Jahresende in meinen Top Ten der besten Filme des (Kino-)Jahres stehen wird, das muss sich erst noch zeigen… aber Eines steht jetzt schon fest: Ein - trotz einiger (dann doch eher zu vernachlässigender) kleinerer Schwächen - absolut sehenswerter und sehr nachdenklich machender Film, der beunruhigend realistisch und unangenehm anschaulich eine mögliche Zukunft zeichnet, deren Eintreten so unwahrscheinlich gar nicht mehr scheint, wenn man sich mal die eine oder andere Äusserung bestimmter U.S.-Politiker:Innen ins Gedächtnis ruft und dann vor Augen führt, wohin so etwas im schlimmsten Falle führen könnte. Denn durch eine Filmkritik zu „Civil War“ in der jungle world bin ich gestern noch auf das hier gestossen - und da wird Einem dann ja doch Angst und Bange, wenn man solcherlei Spiel mit dem Feuer und staatspolitische Zündelei mal konsequent zu Ende denkt.
Aber da müssen wir wohl abwarten, was Donald Trump’s (leider wohl kaum noch zu verhindernde) zweite ( oder auch dritte
) Amtszeit an kaum ertragbaren Unannehmlichkeiten und Eskalationen so mit sich bringen wird…
So erschreckend das auch sein mag - Eine aktuellere und akutere state of the union adress hat das zeitgenössische Kino derzeit wohl kaum zu bieten. Ob sie aber auch Gehör finden wird…?
May god help us all.
Ach ja - weil ich’s beim review meiner Erstsichtung nicht erwähnt hatte, und wir ja gerade erst das Thema „Soundtrack“ und „Songs im Film“ hatten - „Civil War“ featured gleich zwei hypnotisch-hitzige und pulsierend-pluckernde Songs der alten New Yorker No Wave-Heroen Suicide:
P.S.: Auch wenn ich zwar erst bei der dritten Episode angelangt bin, und mir also noch gar kein abschliessendes Urteil erlauben kann - Stand jetzt ist „Civil War“ in meinen Augen die eigentlich bessere „The Last Of Us“-Verfilmung als die offizielle Serie… ![]()
Reise durch die gespaltene Seele einer Nation, die lichterloh in Flammen steht
