Die Jahresbesten 2024

Deine Liebe für und zum „Sexy Beast“ sei Dir unbenommen, aber auch wenn es tatsächlich nur die deutsche Synchro war (hab’ den irgendwann mal im TV geschaut), so halte ich selbst dennoch „Under The Skin“ für Glazers unübertroffenes Meisterwerk (wobei ich mit so einem Ausdruck wie „Meisterwerk“ eigentlich immer recht vorsichtig umgehe, und der bei mir auch nur für Regisseur:Innen wie Kubrick, Weir („Picnic At Hanging Rock“), Tarkovskji („Stalker“), Żuławski („Possession“), Jane Campion („The Piano“) und einige wenige Andere reserviert ist… insofern wäre da eventuell ein Terminus wie „Höhepunkt seines filmisch-künstlerischen Schaffens“ eigentlich angemessener), und auch „Birth“ sowie „The Zone Of Interest“ haben mich persönlich stärker und nachhaltiger beeindruckt und emotional mehr mitgenommen als das zugegebenermaßen für ein Debütwerk frappierend stilsichere und treffgenaue Safeknacker-VS.-Looney Goon-Psychoduell. Ist aber, wie so oft, sicherlich auch eine Frage des je individuell persönlichen Geschmacks.

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Okay, aber sag mal, wie fandest Du eigentlich FURIOSA?

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Na, da hat sich das Warten doch wieder mal gelohnt…!
Wie immer hatte ich viel Spaß, Deine Ausführungen zu lesen und möchte keine Zeile missen. Insbesondere bitte weiterhin die popkulturellen Anspielungen pflegen, ich liebe das - und während wir beim Film den einen oder anderen kleinen Dissens haben (können) (Strange Darling, mehr sog i net), warte ich beim Thema Musik noch auf irgendeine Erwähnung einer mir nicht so genehmen Band. Ich warte gern noch länger.

Übrigens könnte wegen mir jeder Post zu Rankings wie den Jahresbestenlisten so ausführlich und reich sein wie die Deinen, insofern bitte keine falsche Bescheidenheit oder Koketterie nötig. Aber ein dickes Dankeschön jedenfalls für die Mühen (das gilt selbstverständlich für alle, die in diesem Thread posten)!
Rankings sind für mich nicht etwa wegen des kompetitiven Wesens interessant, sondern weil sie (zumindest) mein Leben auf eine beruhigende Art strukturieren. Zudem intensiviert sich die Wirkung der gesehenen Kunst im Jahr, lässt Nachwirkungen und Reflexionen zu, nicht zuletzt in der je eigenen persönlichen Entwicklung.

Aber jetzt zu ein paar Anmerkungen inhaltlicher Natur!
Dass bei mir ZONE OF INTEREST, JOKER und FURIOSA außer Konkurrenz liefen, hab ich ja schon kurz erklärt. Alle drei verdienen jede Erwähnung in persönlichen Bestenlisten, daran besteht gar kein Zweifel, und zwar auch aus genau den Gründen, die Du jeweils vorrangig nennst (was lustig ist, da Film so ein subjektives Erleben sein kann, aber da haben wir dieselben Dinge - etwa den Mittelfinger von JOKER für manche Fans und Kritiker - wohlgeschätzt).

Den Bezug, den Du zwischen Glazer und Kubrick herstellst und der kurz bei @alex_wintermute für Irritation gesorgt hat, finde ich übrigens nicht so weit hergeholt. Meine persönliche Verbindung wäre dieser Art:
Ich kenne praktisch keine Regisseure, die nahezu ausschließlich Meisterwerke gedreht haben. Aber wenn das der Fall ist - das ist dann halt der Olymp, wo sich nur wenige aufhalten. Mr. Kubrick gehört dazu. Und Mr. Glazer hat noch nicht diesen Output, aber immerhin: vier Filme, vier Meisterwerke. Dazu noch völlig unterschiedliche Genres, auch dies ein gemeinsames Merkmal zu Kubrick. Ich würde je nach Tagesform entscheiden, welchen ich sehen will, weil alle grandios sind auf je eigene Art und Weise, aber das Masterpiece unter den Meisterwerken ist UNDER THE SKIN (so wie die BASTERDS unter all den Tarantino-Meisterwerken - aber jessas, ich will keine neue Debatte aufmachen… :wink:). Braucht’s dafür einen spezifischen Grund? Dann oute ich mich als Normalo unter den Cineasten und sage: Scarlett.

Sehr schön, wie leidenschaftlich Du ELSE gesehen und beschrieben hast. Das war ja nun nicht gerade bei jedem so, der den heuer gesehen hat, ich hab mich in meiner positiven Wahrnehmung schon gefragt, ob ich einen anderen Film genossen hatte.

HALTLOS ging mir tatsächlich durch die Lappen, nach Deiner Schilderung sollte ich das noch korrigieren. Lilith Stangenberg (die ein Freund von mir mal in natura kennengelernt hat, eine - passend - irre Story) hat mich in WILD komplett umgehauen, seitdem muss ich eigentlich jeden Streifen mit ihr sehen.

Wenn man Deine Liste nochmal durchgeht:
Not a bunch of Feelgood-Movies…
Ist wohl Ausdruck unserer Zeiten oder speziell dieses Jahres und sämtlicher (orangener) Verwerfungen darin.
Umso mehr lese ich gerne weiteres zu Taylor Swift :grinning:. Ob Guilty Pleasure oder nicht, ich liebe sie. Das geht also auch noch im etwas höheren Alter, wie man sieht. Erfrischend!

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Danke für die netten Worte… und naja, es waren ja auch (wieder mal) mehr als genug Zeilen… :wink: Aber ich plane das mit den Text-Bleiwüsten gar nicht immer so, das ergibt sich meist erst während des Schreib-, will meinen: Tipp-Prozesses. Wenn meine Fingerchen erstmal in Fahrt gekommen sind und sich warm gehämmert haben, dann gibt’s kein Halten mehr… :smile: Mehr als nur ein bisschen ärgerlich, wenn man dann - weil aus Versehen die falsche Taste erwischt (ich tippe ziemlich schnell, auch wenn’s nur mit zwei Fingern ist… kommt wohl auch daher, weil ich in den Nullerjahren mal für ein (lange eingestelltes) popkulturelles web-Fanzine, für das ich geschrieben habe, deren chatroom mit-moderiert habe… da eignet man sich das fast-typing ganz automatisch an) - einen ganzen Textabschnitt unabsichtlich in’s Bits and Bytes-Nirvana schickt. So geschehen mit den obigen Erläuterungen zu „The Zone Of Interest“.. ich hatte das eigentlich schon fertig geschrieben, und fand es perfekt passend, da rief dann ein guter Freund an, und nachdem wir eine knappe halbe Stunde miteinander geschnattert hatten, bekam ich irgendwie den falschen key auf dem keyboard zu fassen, und weg war Alles, was im Text-Vorschaufenster gestanden hatte… :dizzy_face: Nun mach’ ich es ja immer so, weil das auch nicht das erste Mal ist, dass mir sowas passiert, dass ich nebenbei immer mit copy and paste den ganzen Textwust, den ich hier eintippe, um ihn dann nach getaner Arbeit zu posten, ab und zu noch in ein word-Dokument übertrage, eben für genauen jenen Fall, dass ich versehentlich mal den gesamten Entwurf ins virtuelle Niemandsland verfrachte. Das hatte ich - des dazwischen gekommenen Anrufs wegen - im dem Falle aber leider versäumt, sodass ich den ganzen Text zu Glazers Film dann mühsam nochmal neu schreiben, bzw. die „verschwundenen“ Zeilen aus dem Gedächtnis rekonstruieren musste.. was mir IMHO leider nur so leidlich gelungen ist. Aber naja, shit happens… :wink:

Keine Sorge, das passiert bei mir quasi „automatisch“… ist irgendwie von vornherein in meiner I-Net-DNA mit drin.

Allright - challenge accepted !!! :stuck_out_tongue: :laughing: :wink: Nein, aber im Ernst: Eventuell musst Du da soooo lange gar nicht mehr warten. Ich hatte da für den zweiten Teil der Jahresbesten-Liste sowieso schon ein sehr, nun ja, sagen wir mal, „eigenwilliges“ musikalisches Projekt mit auf dem Zettel… was wohl für viele Ohren doch überaus gewöhnungsbedürftig klingen dürfte.

Selbst wenn auch ich von den Meisten hier Postenden gerne noch viel mehr lesen würde… ich glaube, Viele haben weder Zeit, noch Lust, sich derlei Mühe zu machen (zumal, wenn sie ein absurd anmutendes Jahres-Pensum bewältigt haben, wie beispielsweise @Leimbacher-Mario :crazy_face: :grin: ). Dazu kommt in meinem Falle auch noch, dass alle obigen Texte im Grunde genommen ja eigentlich blosse Re-Formulierungen / Um- und Neuschreibungen meiner bisher bereits hier gemachten reviews (bis auf „Haltlos“ den hatte ich - gesundheitlicher Gründe wegen - damals „hier in den Foren“ ja leider nicht besprochen) sind, welche den Original-Texten oft nur wenig bis gar nichts Neues mehr hinzuzufügen haben. Und in manch einem Fall, siehe z.B. „Furiosa“ auch arg repetitiv / redundant wirken (wie von @Herr_Kees dann ja auch zu Recht spöttisch-augenzwinkernd angemerkt) . @Alexander hatte es hier im Ärger ja schon mal vorgeschlagen, dass ich, anstatt „[seitenlange] und […] nicht nachvollziehbare Lobpreisungen im Bibelformat“ zu posten, doch besser ein Buch über „[m]eine ach so geliebte Furiosa“ schreiben sollte, und damit dann " [J]eden erschlagen, der nicht [m]einer Meinung ist". Vielleicht sollte ich diesen Rat ja wirklich mal beherzigen… Einen Titel hätte ich sogar schon: „Lessons from the Wasteland. A Survivor’s Tale or How watching ‚Furiosa‘ countless times changed my life“ :wink: :rofl: :crazy_face: Gibt’s irgendwo in den Untiefen des I-Net schon Statistiken und Berechnungen dazu, wieviele Seiten ein Buch haben muss / wieviel Kilo so eine Schwarte dann auf die Waage bringen muss, um damit effektiv Andersdenkende totzuprügeln? :wink: Für entsprechende Tipps und Hinweise, gerne auch per PN, wäre ich überaus dankbar… :smile:

Ja, ich finde so Jahresend-Listen auch immer hilfreich, um nochmal Rückschau zu halten. „Was war wirklich wichtig? Was wird bleiben? Wo hat sich die Perspektive gegebenenfalls verändert / relativiert? Wo ist der erste Eindruck vielleicht schon verflogen, was hat mit der Zeit eventuell sogar im Prozess des „Nachreifens“ gewonnen?“ Was ja überhaupt gar nicht den first look / die Momentaufnahme schmälern soll und kann, sondern eher noch als Ergänzung / persönliche Bestandsaufnahme / Inventur dient.

Ich finde auch immer noch, dass zumindest für mich persönlich, meine ursprüngliche Aussage zu Glazer und Kubrick durchaus zutreffend ist. Sowohl was den visuellen, als auch narrativen Stil (so gut wie nichts dialogisch / per Exposition erklären, sondern mehr zeigen, und die Zuschauer:Innen dadurch zum Nach- / Mitdenken „einladen“ / bringen), als auch das Schnitt-Tempo, die Abhandlung der zugrundeliegenden Kern-Themen, und sogar die eher rare / verschleppte Veröffentlichungspolitik (sorgfältige, ewiglaaaaaange Vorbereitung der Projekte, mit jahrelangen Zeiträumen zwischen den einzelnen Filmen) angeht. Wobei weder Kubricks exzeptionelle Stellung innerhalb der Filmgeschichte dadurch irgendwie herabgesetzt, noch Glazers impact künstlich aufgebläht werden soll - jedenfalls lag / liegt das nicht in meiner Absicht. Wenn Andere das so sehen mögen… nagut, ist dann deren „Problem“, nicht meines.

„Under The Skin“ kann und will ich mir ohne die Johansson gar nicht vorstellen. Wenn man sich mal so durchliest, wer für die Rolle alles in Betracht gezogen wurde, bevor sie an Scarlett Johansson ging… Gemma Arterton (liebe ich allerspätestens seit „Byzantium“ abgöttisch, wäre vielleicht am Ehesten was geworden), Eva Green (sehe ich nicht so gerne, das ist aber (m)ein persönliches Problem… ist so eine seltsam-unerklärliche Aversion, die ich weder begründen noch irgendwie selbst verstehen kann, und wofür Green auch gar nichts kann), January Jones (war superb in „Mad Men“, kann ich mir aber in Glazers Film so gar nicht vorstellen), Abbie Cornish (tolle actress, hätte für mich vermutlich dennoch nicht funktioniert), und Olivia Wilde (hab’ zuwenig Filme mit der gesehen (und immer noch nicht geschafft, endlich mal „Don’t Worry Darling“ nachzuholen), keine Ahnung) - Da kann man eigentlich nur froh sein, dass Johansson zugesagt hat. Und wenn mir vor Ansicht des Films jemand erzählt hätte, dass das Konzept: „Scarlett Johansson juckelt als Mensch verkleidetes Alien in einem Van durch Schottland, gabelt wahllos Männer auf und lockt sie sodann als femme fatale in eine pechschwarze Teergruben-venus fly trap“ auch nur im Ansatz funktioniert hätte, und sogar noch einen der besten Filme der 2010er hervorbringen würde, dann hätte ich die oder denjenigen vermutlich lauthals ausgelacht, und / oder ihr ‚nen Vogel gezeigt. Davon ab, finde ich, dass Glazers Art der Inszenierung und sein eigener / eigenwilliger visueller Stil hier nahezu perfekt und beinahe maßgeschneidert auf / für den Film und seine apart-apathisch agierende Hauptdarstellerin passen - mehr noch, als in „Birth“ und / oder „The Zone of Interest“. Was für ein hypnotisch-lakonischer, slomo-irisierender Identitäts-Trip (Jetzt hab‘ ich doch gleich wieder Lust bekommen, mir den Streifen nochmal zu geben… :wink: ).

Zu Tarantino kann und will ich mich gar nicht grossartig äussern… auch wenn ich die meisten seiner Filme gesehen habe („Death Proof“ muss ich unbedingt nochmal nachholen, habe eigentlich nur Gutes über den gelesen, „The Hateful Eight“ hatte ich damals absichtlich ausgelassen, und „Once Upon A Time In Hollywood“ bewusst boykottiert (ich schaue mir inzwischen keine neuen Filme von Tarantino oder Robert Rodriguez mehr an, wegen ihrer trotz Mitwisserschaft unterlassenen Hilfeleistung / Untätigkeit in der causa Harvery Weinstein.. das kann denen zwar egal sein, ob ich da noch reingehe oder nicht, mir aber nicht), war und ist er nun nicht so „mein“ Regisseur… auch wenn ich die beiden „Kill Bills“, bzw. „The Whole Bloody Affair“ abgöttisch liebe, und auch „Pulp Fiction“ sowie „Inglorious Basterds“ und „Jackie Brown“ ganz grossartig finde, habe ich in ihm noch nie so den herausragenden Meister-Regisseur gesehen, wie viele Andere das tun. Obwohl ich sein meisterhaftes Können, sein beinahe schon erschreckend umfangreiches Filmwissen und dass er in so gut wie allen Bereichen seiner Profession beinahe konkurrenzlos top of the game ist, natürlich absolut anerkenne. Ist bei mir dann aber eine Frage des persönlichen Geschmacks, und der individuell-subjektiven Perspektive, was ich selbst von einem Film so erwarte, bzw. wo ich die Rezeptions-Schwerpunkte setze, und was mir bei der mise en scene eines / einer Filmemacher:in dann jeweils zusagt, oder vielleicht auch eher widerstrebt. Immerhin isses bei QT nicht ganz schlimm, wie mit mir und Christopher Nolan, an dessen technokratisch-unterkühlte, bedeutungshuberisch aufgeblasen-pathetische Art des Filmemachens ich mich wohl nie so ganz werde gewöhnen können (auch wenn ich „Oppenheimer“ (und auch „Memento“) noch nicht gesehen habe, aber „Inception“ ist für mich ein gar fürchterlich misslungener und abgrundtief schlechter, absurd überbewerteter Film, und auch „Interstellar“ war damals überhaupt nicht meins (siehe dazu bei Interesse sonst gerne auch meine anno 2014 hier gemachten Anmerkungen im „Letzter Film, den ich gesehen habe“-thread)), oder Gaspar Noé, den ich - aller stilistischen Brillanz und Könnerschaft zum Trotz - für einen planlosen Provokateur halte, der sein Publikum gerne mal an der Nase herumführt ( bei „Irréversible“ war ich damals im Kino stocksauer und hätte beinahe einen walk out gemacht (was ich eigentlich nie tue), „Climax“ hingegen hat mir damals aber sogar ganz gut gefallen (siehe dazu auch hier im „FFF 2018“-thread).

Ja, das ging mir damals mit Stangenberg in „Wild“ genauso. Ich war hin und weg von dieser furchtlos-kraftvollen performance (Stangenberg selbst meinte auch erst kürzlich in einem Interview, dass das eine ihrer wichtigsten Rollen gewesen sei), wollte eigentlich auch jeden Film mit ihr schauen.. und hab’ dann seitdem aber doch keinen einzigen davon gesehen… :pensive: Müsste ich auch dringend mal nachholen, zumindest ihr entgrenzt-psychedelischer „Manila“-Film „Love Is A Dog From Hell“ (<— Jubel-review No. 1), der ja fast ausnahmlos nur gute Kritiken (<— Jubel-review Nö. 2) erhalten hat, Christoph Hochhäuslers ebenfalls vielgelobter „Die Lügen der Sieger“ (wie geil war damals bitteschön sein „Unter Dir die Stadt“?), und „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (interessiert mich alleine schon der Hauptperson und der Thematik wegen) sollten bei mir möglichst bald mal eine Sichtung erfahren…

Die „Aus Funk und Fernsehen bekannte Persönlichkeiten-Kennenlern“-Geschichte ist bestimmt weird-wild, das glaub’ ich ungehört… einer meiner Freunde arbeitet ja als Tontechniker bei einer Firma, die Zuliefer-Beiträge für den NDR macht, und hat in dieser Funktion auch schon eine Menge Promis und Schauspieler:Innen „hinter den Kulissen“ kennenlernen dürfen - da war Alles dabei, von anstrengend-ätzend, über nervig-hochnäsig, bis zu unterwartet natürlich und überaus freundlich. Sind halt letzten Endes auch alle nur (mehr oder weniger) ganz normale Menschen. Und, ich bin ja sonst nicht neidisch oder so, aber er hat auch bei Angelina Maccarones Dokufilm „The Look“ über Charlotte Rampling mitgewirkt (u. A. die Szene im Boxring), und hatte in dieser Funktion die „Ehre“, die Rampling zu verkabeln (a.k.a. ihr das Mikro anzuhaspeln)… Naja, das war dann IMHO schon ein ziemliches benefit of the trade.

Ansonsten hab’ ich in meiner Funktion als damals ziemlich grosser Fan der Neuauflage von „Battlestar Galactica“ auf diversen Conventions so ziemlich den ganzen cast getroffen (Edward James Olmos, Mary McDonnell, Michelle Forbes, James Callis, Michael Hogan, Nicki Clyne, Kandyse McClure, Aaron Douglas, Leah Cairns, Luciana Carro)… was zwar im Rahmen so eines gigantischen Fan-Auflaufs, wo die Leute die meiste Zeit über ja auch „arbeiten“ müssen, sicherlich nochmal was Anderes ist, aber dennoch auch zu allerlei witzigen Situationen geführt hat… Olmos hat sich persönlich bei mir bedankt, weil ich während des Q&A angeblich so eine kluge Frage zu „Wolfen“ gestellt hatte (es ging um die Repräsentation von native americans in dem Film), was mir selbst schon ein bisschen peinlich war, weil er dann erstmal gute zwanzig Minuten nicht aufhörte, darüber zu reden, und hinter mir in der Reihe die ganzen Adama / Roslin-shipper schon nervös mit den Hufen scharrten, weil sie Angst hatten, dass sie ihre amourösen Fragen dann nicht mehr stellen könnten (konnten sie dann auch nicht mehr, wofür ich abends auf der Tanzfläche auch noch böse angeschnauzt wurde, aber das ist dann nochmal eine andere Geschichte…), Luciana Carro hat mich auf die Wange geküsst (was ich - ungelogen, ich schwöre - erst gar nicht wollte, sie das dann aber fast schon als eine persönliche Beleidigung auffasste), mit Michael Hogan hab’ ich noch angestossen, von Leah Cairns und Luciana Carro haben wir uns dann Alle mit Whiskey taufen lassen (don’t ask..), Kandyse McClure hat sich bei mir beschwert, weil ich sie mit meiner Frage nach dem Suizid ihres Charakters Dee in die Bredouille gebracht hätte (wir hatten dann aber doch noch ein sehr nettes Vier-Augen-Gespräch)), Katee Sackhoff habe ich beim gemeinsamen photo shoot zum Lachen gebracht, weil ich (da viele doof anhimmelnde Fans solche shootings ja oft genug als eine Art „Hochzeitsfoto“ ansehen, und sich auch dementsprechend merkwürdig verhalten) zwecks Auflockerung des Ganzen eine Kinder-Pappmaske zu / von einem der Viecher aus Dreamworks’ „Madagascar: Escape 2 Africa“, die es beim McDreck gegenüber vom Convention-Hotel zum Veggie-Burger dazu gab, aufgesetzt hatte… das Foto ist dann auch dementsprechend großartig geworden… und Michelle Forbes war die einzige Person, bei der ich wirklich ein bisschen starstruck war, und weiche Knie hatte. Mann, die hat aber auch eine Präsenz! Ansonsten war ich absolut geflashed von Terry Farrell (Jadzia Dax in „Deep Space Nine“, und ja auch in „Hellraiser 3 - Hell On Earth“ zu sehen)… die war wie die große Schwester, von der Du nie wusstest, dass Du sie hast, und die eines Tages einfach mal so reinschneit, und Du hast das Gefühl, dass Du sie Alles, aber auch wirklich Alles fragen kannst. Marina Sirtis hat ein Schandmaul ohnegleichen, und erzählte einen schmutzigen Witz nach dem anderen, und als Nichelle Nichols (R.I.P.) von ihrer Begegnung mit Martin Luther King erzählt hat, hatte ich Tränen der Rührung in den Augen, obwohl ich die Geschichte natürlich vorher schon gekannt hatte. Und Nana Visitor war sehr offen und ehrlich, und überaus nett. Ach ja, und Herbert West-Darsteller Jeffrey Combs aus Yuznas „Re-Animator“-Filmen war auch da, und, wenn ich es jetzt richtig rekapituliere, während seines Q&A-panels auch sehr witzig-spritzig. Aber so genau kann ich mich an den gar nicht mehr erinnern. Ist ja auch Alles schon 17 bis 15 Jahre her. Das Panel mit Summer Glau hab’ ich damals übrigens boykottiert, weil die Dame mich nicht die Bohne interessierte. Wobei ich die „Terminator: S.C.C.“-Serie eigentlich ganz gut fand, aber mehr Lena Headeys, Thomas Dekkers und Shirley Mansons wegen.

Joa, mag sein… wobei ich zumindest „La Morsure“ dann doch als eine sehr beglückende / verzückende Seh-Erfahrung in Erinnerung habe, nach der ich erstmal gefühlt ‚nen halben Meter über dem Gehweg geschwebt bin, nachdem ich das Kino verlassen hatte… :wink: Aber auch „Furiosa“ hat mich bei den meisten der sechs Sichtungen doch auch mit einem guten Gefühl aus dem Kinosaal entlassen. Und mit "Joker: Folie à Deux“ erging’s mir, glaub‘ ich, dann doch ein bisschen anders, als Dir… ich empfand den gar nicht als soooo tieftraurig, und / oder bitter. Alldieweil ich Arthur Fleck, obwohl natürlich eine Art (Raub- oder Schwarzer-)Ritter von der traurigen Gestalt, ob seiner im Vorgängerfilm verübten Missetaten jetzt gar nicht so bemitleidet habe, und mich davon ab auch einfach nur über die Meta-Ebene des Films (ein süffisant-sattes „Fuck you!“ an alle (Möchtegern-)Fans) beömmelt habe. Ansonsten habe ich im vergangenen Jahr aber auch eher wenige bis gar keine Komödien und / oder feel good movies gesehen… am Ehesten vielleicht noch „Les pistolets en plastique“ und „Hundreds Of Beavers“, die ich beide zwar auch ziemlich großartig fand, es jedoch aus diversen Gründen nicht in meine Jahresbesten-Liste geschafft haben. Und der von mir ebenfalls endlich nachgeholte „Robot Dreams“ ist ja genau genommen schon ein Film aus dem letzten Jahr (und hätte aber auch ansonsten wohl die Besten-Liste knapp verpasst). „Inside Out 2“ hab’ ich leider nicht geschafft zu sichten, und ansonsten war da auch nicht viel mit feel good. Helge Schneider müsste mal wieder sowas wie „00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse“ drehen, oder ein Film wie „Fraktus - Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ rauskommen. Es fehlt halt so ein bisschen das Genie, das Komödien leicht und unbeschwert aussehen lässt. Ich meine, was hätte jemand wie Billy Wilder zu seligen „One, Two, Three“-Zeiten aus der heutigen (nicht nur) politischen Weltlage Alles an geilen Stoffen für zünftig-Zwerchfell-erschütternde Komödien rausholen können. Oder jemand wie Mel Brooks eine Art „The Producers“ der Jetzt-Zeit drehen können. Stattdessen aber all diese obskuren frenchy feel good-Möchtegern-Komödien, oder schlechte deutsche Spießigkeits-Pseudo-Witz-Filme, die zumindest ich gar nicht goutieren kann. Und mit sowas wie „Le fabuleux destin d’Amélie Poulain“ hat man mich schon immer jagen können… Dann lieber zum -zigsten Mal „Harold and Maude“, das ist immer noch mein :heart:-allerliebster „feel good and sad at the same time“-Film aller Zeiten. Bis dahin bleib’ ich sonst gerne freiwillig auch weiterhin bei den Dramen, Psycho-Storys, schwermütigen Filmen und eher düsteren Stoffen. Und fühl’ mich tatsächlich auch da und damit ganz wohl bei.

Ich wüsste nun nicht, warum Taylor Swift eine Art guilty pleasure sein sollte…Klar, wenn man als nicht informierte:r Hörer:in nur ihre Plastik-Pop- / Radio-Hits kennt (wobei ich „Blank Space“ schon seit dem allerersten Hören als den (fast) perfekten Popsong ansehe) - aber davon ab, ist das eine der profiliertesten Songwriter:Innen (vermutlich nicht nur) ihrer Generation. Gut, sie ist keine Lana Del Rey, Leslie Feist oder Cat Power, schon gar keine PJ Harvey oder Tori Amos… das muss sie ja aber auch gar nicht sein, es reicht schon mehr als aus, dass sie Taylor Swift ist (und darüber hinaus ist diese ganze Gegeneinander-Abwiegen von musikschaffenden Frauen ja eh’ totaler Mumpitz, und hat Swift auch darüber bereits einen Song geschrieben (Zitat: „And we see you over there on the internet / Comparing all the girls who are killing it / But we figured you out / We all know now, we all got crowns“). Ich erfahre diese seltsamen Anwürfe ja auch manchmal, wenn Freund:Innen / Bekannte erfahren, dass ich (auch) Taylor Swift höre, und dann oft ein konsterniert-schockiertes: „Warum?“ zurückkommt… so, als wäre das jetzt irgendwie vollkommen out of the question, und quasi Tabu / off limits. Mir doch egal - ich war Anfang der Nullerjahre auch grosser Britney Spears-Fan (und bin’s auch immer noch). Dass ich dann aber dennoch nicht immer mit Allem down bin, was Spears und auch Swift so verzapfen, ist dadurch ja aber eben nicht außer Frage gestellt (Mein leider verstorbener jüngerer Bruder schenkte mir anno 2000 mal die VHS-Cassette eines Britney Spears-Konzerts auf Hawaii, die ich aber nach erfolgter Teil- und nicht Zu-Ende-Sichtung an ihn zurückgeben musste - zum Einen sang Spears dabei nicht mal live, zum Anderen hatte es da zwischen den Songs immer so seltsame schlüpfrige Zwischen-Sequenzen, wo Spears sich, mit cloudy eyes und als Möchtegern-Lolita inszeniert, halbnackt im Bikini auf irgendwelchen Palmenstämmen räkelte, was mir total gegen den Strich ging). Solange mich die Musik irgendwie berührt, und in mir etwas auslöst, ist es mir gelinde geschrieben schnurzpiepegal, was Andere davon halten / darüber denken. Das war in den 1980ern schon so, als ich sowohl Bruce Springsteen, Jackson Browne und Suzanne Vega, als auch Iron Maiden, Motörhead, Metallica, Slayer, die Misfits, die RAMONES, Dead Kennedys und Die Toten Hosen gehört habe, und ist auch heute noch so. Ist ja nun auch nicht mein Problem, wenn Andere das irgendwie seltsam finden. Sondern deren. Oder, wie es mal so schön auf einem T-Shirt stand:

:wink:

Davon ab, und vielleicht hast Du es ja auch schon gelesen, aber ein wenig zu Swift habe ich ja bereits letzten August hier in meinem „A L I E N: Romulus“- / Taylor Swift-mashup-review geschrieben…

Tarantino ist für mich dermaßen overhyped wie kein anderer Regisseur. Natürlich sind seine Filme schön anzuschauen, unterhalten wirklich prächtig, Dialoge oftmals alle fantastisch, aber zum Nachdenken regen seine Filme nicht viel an. Für mich verkörpern Tarantinos Filme exakt das, was fast alle Werke von Dali in der Malerei für mich verkörpern. Perfekte Technik, aber wenig Tiefe, viel Oberflächlichkeit, ganz hübsch anzusehen, aber wenig Substanzielles. Einzige Ausnahme „Die Beständigkeit der Erinnerung“ (1931) und „Der Zerfall der Persistenz der Erinnerung“ (1954) mit denen ich zumindest etwas mehr anfangen kann, neben evtl. noch 1-2 anderen Werken von Dali.

Man vergleiche mal alle Filme von Tarantino mit Scorseses Meisterwerk „Taxi Driver“, dazwischen liegen Welten! Oder mit Kubricks Meisterwerk „2001: A Space Odyssey“, oder seiner grandiosen Burgess Literaturverfilmung „A Clockwork Orange“, oder seinem faszinierenden Antikriegsfilm „Full Metal Jacket“, oder seiner bissigen Satire „Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb“. Neben Tarantino kackt dagegen auch Glazer ab.

Tarantino ist nichtmals in meiner Top 10 der besten Regisseure aller Zeiten. Glazer ebenfalls nicht, werden beide auch nicht. Dort befinden sich aber definitiv Scorsese, Kubrick, Lynch, Kurosawa und Hitchcock. Das sind wahrlich ganz andere Kaliber.

„Memento“ ist ein existenzialistisches Meisterwerk der Filmkunst. Es stellt alle späteren Christopher Nolan Filme in den Schatten. Guy Pearce in der besten Rolle seines Lebens. Für mich ein ganz klarer 10/10 Kandidat. Dringend an der Zeit das Nolan Meisterwerk mal nachzuholen. Es ist ganz anders als all seine pompösen Filme danach konzipiert. Empfehle den O-Ton.

Hier die jahresbesten Horrorfilme laut Letterboxed.

Fehlen mir nur Platz 4 und 9, Platz 3 gibt’s auf den White Nights.

Dann sind wir ja schon zwei. Schön das dieser Film hier mal erwähnt wird, und ist ja auch bereits lange her. Den Rest Deines Romans werde ich dann später lesen. :slight_smile:

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„Byzantium“ war damals für mich persönlich - neben „El Desierto“, den ich wohl als Einzige:r mag - das absolute Highlight des 2012er-FFF-Jahrgangs… und Gemma Arterton einfach nur superb in der Rolle. Alle Anderen fanden Saoirse Ronan so toll, weiss nicht, die hat ganz okay gespielt, aber Arterton… now, that was something different. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich mit dem von Dir so gemochten „The Congress“ mal eher weniger anfangen konnte… der hatte großartige Momente, keine Frage. Kam für mich aber nicht mal ansatzweise an sein literarisches Quellenmaterial heran, und hat sich IMHO dann auch ständig verheddert, und war vor Allem auch viiiiiiel zu lang. „Makkhi“ und Dupieux’ „Wrong“ hatte ich da nicht gesehen gehabt, ich glaube, die lagen beide eher ungünstig (time table sagt: „Stimmt nicht!“… tja, da hab’ ich in dem Jahr wohl doch 'ne schlechte Auswahl getroffen). Wie auch immer, ein ganz wunderbarer Vampir:Innenfilm, mit wirklich auserlesenen Bildern, und einer tollen Atmo.

Byzantium gefällt mir nach wie vor auch recht gut. Bin damals in den Film hauptsächlich wegen Saoirse Ronan gegangen, eine begnadete Schauspielerin, kannte sie zu jener Zeit schon aus Peter Jacksons faszinierenden Film In meinem Himmel und aus Wer ist Hanna? von Joe Wright. Eine äußerst talentierte Schauspielerin. Das FFF 2013 empfand ich als einen sehr guten Jahrgang, dort haben es direkt 12 Filme in meine BD/DVD Sammlung geschafft. Absolute Highlights sind für mich definitiv die Filme New World, Cheap Thrills, You’re Next und 100 Bloody Acres gewesen. Allesamt grandios. Aber auch Sweetwater, Big Bad Wolves, Big Ass Spider, Cold Blooded, A Field in England und Fresh Meat haben mir sehr gut gefallen. Und selbst den von vielen gehassten Zombie Hunter konnte ich etwas abgewinnen. Wahrlich unglaublich wie schnell die Zeit vergeht.

Mit Taylor Swift in Auschwitz

(M)Ein Ein popkultureller Rückblick auf das (Nicht nur-)Filmjahr 2024

Part 2: Long Live All The Magic We Made / The Story Isn’t Mine Anymore

Mit gut zweiwöchiger Verspätung (nachdem ich diesen Text hier eigentlich am Abend des 16.01.2025 in die Tasten hatte hämmern wollen, dann aber der todtraurigen Nachrichten des Tages wegen davon abgehalten wurde, und erst einmal 'ne gute Woche brauchte, um mich einigermaßen von dieser niederschmetternden news zu erholen) nun also der zweite (und wohl auch letzte) Teil meines Jahres-Rückblicks… beginnen wir zuerst wieder einmal mit den Filmen, bevor’s dann in anderen (pop)kulturellen Bereichen weiter geht.

The Honourable Mentions

Filme, die ich zwar auch für gut bis großartig befand, die es aber - diverser unterschiedlichster Gründe wegen - nicht in meine Jahresbesten-Liste geschafft haben:

„Dune: Part Two“ - Das (zu) kühl-distanzierte, aufgeräumt geordnete Mammutwerk

Ich mochte „Dune: Part Two“ wirklich, und habe ihn gerne gesehen (sogar gleich zweimal). Im direkten Vergleich mit dem von mir heiss und innig geliebten „Furiosa: A Mad Max Saga“ allerdings wurden dann aber auch die Schwächen und Mängel, welche Denis Villeneuves bildgewaltig-monumentale Blockbuster-Adaption von Frank Herberts „Terraforming meets civil uprising and feudal power games“-Romanschinken nun mal aufweist, offenbar. Um nicht wieder Alles neu schreiben zu müssen, zitiere ich mich aus reiner Bequemlichkeit mal eben wieder selbst (aus meinem oben verlinkten review zur „Furiosa“-Drittsichtung):

„[I]m Gegensatz zur kühl-intellektuellen Distanziertheit und klar aufgeräumten Bildsprache von Denis Villeneuves jüngstem Werk hat „Furiosa“ vor Allem Eines: Er hat ein laut schlagendes Herz, er hat eine tief empfindende Seele. Er hat heisskalte Emotionen, er hat eine wüste, unbezähmbare Wildheit. Er hat eine alle Sinne gleichzeitig ansprechende Direktheit, die mich auf der Stelle gefangennimmt, und bis zu seinem letzten Bild nicht mehr loslässt.“

Und all das hat Villeneuves „Dune“ in meiner Wahrnehmung eben leider nicht. Weshalb er zwar (zu einem Gutteil) werkgetreu erzählt und mit phänomenal unvergesslichen Szenen bebildert daherkommt, mich gefühlsmäßig aber nicht ansatzweise so mitnimmt, wie Millers opulent-opernhafter Endzeit-Rachewestern.

„Les chambres rouges“ - Das enigmatisch-verschlossene, trist-minimalistische Psychodrama

Rein von der atmosphärisch klaren Stilistik, dem reduziert-verknappten Formalismus und den opulenten Bildern her einer der hervorstechendsten Filme des letzten Kinojahres. War mir aller inszenatorischen Finesse und atemberaubenden Intensität zum Trotz dann aber zu hermetisch-unzugänglich, beinahe schon abgeriegelt-verschlossen in seinem Sozial-Isolationismus, und hatte IMHO nach hinten raus auch leichte Probleme in der Narration.

„Hundreds Of Beavers“ - Der überbordend durchgeknallte, innovativ-irre Wahnsinn

Der Gaga-Hit der letztjährigen FFF White Nights. Ein Film, der selbst unheilbar vom Trapperfieber infiziert zu sein scheint, der so dermaßen grenzdebil drüber inszeniert und gespielt ist, der quasi am laufenden Band im Sekundentakt so viele bekloppt-bescheuerte Einfälle raushaut, dass man aus dem ungläubigen Staunen und schallendem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Mit unglaublicher Liebe zum Detail und überquellendem Herzblut fürs Filmemachen fast aus dem Nichts heraus erschaffen. Was für ein Erlebnis! Dessen cineastische Halbwertszeit für meine Person jedoch leider nur von extrem kurzer Dauer war.

„Vampire humaniste cherche suicidaire consentant“ - Der leichtfüssig-verzaubernde feel good-Hit

Wunderbare coming of age-Liebesgeschichte zweier adolescent social outcasts, scheu-lakonisch geschilderte unsterbliche Untoten-Liebe, die man nur ins Herz schliessen und bis in alle Ewigkeit lieben kann. Hat nur deshalb den Sprung in die Bestenliste verpasst, weil der thematisch ähnlich gelagerte „La morsure“ mir dann halt doch noch etwas besser gefallen / mich bedeutend stärker gerührt hat.

„The Substance“ - Der ultrastylish-wummernde body horror-Wutschrei gegen beauty norms

Von seinen perfekt durchkomponierten Tableaus, seiner stylish-reinknallenden Bildsprache, seinem exzeptionellen Schnitt und seiner grandiosen Kamera wollen wir hier nun nicht wieder anfangen - dafür reicht ja ein Blick auf den Film. Coralie Fargeats wutbebender Aufschrei gegen sexistische double standards, ageism und Macho-Gehabe (nicht nur) im movie business ist zu Recht auf vielen Jahres-Top Ten-Listen aufgetaucht. Auf meiner allerdings nicht, weil mir da irgendwo dann doch noch das entscheidende Quentchen gefehlt hat, was genau zu benennen mir zugegeben schwer fällt, beziehungsweise ich ihren Erstling „Revenge“ dann doch nochmal was mehr mochte. Dennoch ein wirklich herausragend bemerkenswerter Film.

„Poor Things“ - Der überkandidelt-spleenige Female Self Empowerment-Arthouse-Auteur

Hab’ ich anno 2023 schon auf dem Filmfest Hamburg gesehen, taucht deshalb nicht in meiner Liste für’s letzte Jahr mit auf, und war aber auch auf der Bestenliste für 2023 nicht vertreten. Was zum Teil am seltsam-unpassenden Steam Punk-Stil, diesen (zu) vielen überbordend-überkandidelten Szenerien, und zum Anderen auch an der IMHO etwas zu glatten, bestimmte Probleme der Story schlichtweg ignorierenden Narration lag. Trotzdem ein funkensprühend-fabulöser, interessant-lebenslustiger Streifen, den ich gerne gesehen und sehr genossen habe.

The Miss Outs

Ich habe es vor einiger Weile andern Orts bereits schon einmal erwähnt - es ging mir die letzten zwei Monate des Jahres 2024 (gelinde geschrieben) nicht gerade gut. Mich plagten sowohl physische, als auch psychische Probleme, welche mir die Kinobesuche in den Monaten November und Dezember vergällten / verunmöglichten. Somit habe ich leider eine ganze Reihe von Filmen, welche ebendort ihre(n) Kinostart(s) hatte(n), versäumt… unter Anderem „In A Violent Nature“, „Des Teufels Bad“, „The Room Next Door“, „The Outrun“ und auch „Nosferatu“. Was vor Allem in puncto Franz / Fiala und Almodóvar doch überaus ärgerlich ist. Mit gut Glück laufen die vielleicht nochmal im Hamburger „Metropolis Kino“ im Rahmen der „Kino-Highlights 2024“-Filmreihe, dann könnte ich die eventuell noch nachholen. Ansonsten sind mir im Laufe des Jahres auch noch „Love Lies Bleeding“, „Cuckoo“, „C’è ancora domani“, „Challengers“, „I Saw The TV Glow“, und „All Of Us Strangers“ durch die cineastischen Lappen gegangen. Wobei ich dazu schreiben muss, dass so manch einer dieser Streifen hier in HH auch nur eine sehr begrenzte Kino-Auswertung erfahren hat, teilweise mit nur einer Handvoll Termine in arg kleinen Kinosälen. Vermutlich hätte aber der eine oder andere dieser von mir verpassten Filme auch noch seinen Weg in die Bestenliste gefunden. Ich hoffe, die alsbald doch noch mal nachholen zu können.

Performances des Jahres

Bei den Frauen: Anya Taylor-Joy („Furiosa“), Lilith Stangenberg („Haltlos“) und Leonie Dahan-Lamort („La morsure“). Ganz knapp dahinter Sandra Hüller („The Zone Of Interest“, die ich nur deshalb nicht ganz nach vorne gepackt habe, weil sie da ja für 2023 schon stand, und ihre performance in „Anatomie d’une chute“ dann doch noch um Einiges besser war, als ihre Verkörperung von Hedwig Höß), und Kirsten Dunst („Civil War“). Honourable mention: Andō Sakura („Kaibutsu“ (a.k.a.„Monster“)), die ich seit Sono Shions „Love Exposure“ wahnsinnig gerne mag, und mich gefreut habe, dass die mal wieder auf der Kinoleinwand zu sehen war. Und superb gespielt hat sie natürlich auch.

Bei den Männern: Sebastian Stan („A Different Man“) und Thibaud Dooms („Skunk“), knapp dahinter: Kurokawa Sōya („Kaibutsu“ (a.k.a.„Monster“)).

Schönster Filmmoment des Jahres

Im Kino: Die Tanz-Szene der beiden jungen Liebenden zu Brenda Lees „Emotions“ aus „Vampire humaniste…“. Hach! :heart:

Heimsichtung: Ein x-beliebiger der vielen ikonischen Schlüsselmomente in George Millers „Mad Max: Fury Road - Black And Chrome Edition“ , vermutlich am Ehesten Furiosas Zusammenbruch und stummer Klageschrei nach der Rückkehr zu den Vu(l)valini.

Krassester Filmmoment des Jahres

Das Anschauen des Videos (Ihr wisst schon, welchen Videos) in „Les chambres rouges“. Da schüttelt’s mich auch jetzt noch innerlich durch, wenn ich nur daran denke… Brrrr !!!

Schönste Film-Entdeckung des Jahres

Ganz sicher war die schönste (Neu-)Entdeckung des Kinojahres die auf dem FFF gezeigte Roman Porn-Rachegeschichte „Ningyo Densetsu“ (a.k.a. „Mermaid Legend“). Was für ein träumerisch-weltentrücktes, schwelgend-blutgetränktes, märchenhaft-melancholisches Gedicht von einem Film! Und wie wunderbar, den als Erstsichtung auf der großen Leinwand zu erleben.

Schönster Re-watch des Jahres

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Fatih Akins Meisterwerk „Gegen die Wand“ noch nie im Kino gesehen hatte. Das habe ich dann Ende Oktober letzten Jahres endlich mal nachgeholt, und war tief ergriffen. Sibel Kekilli und Birol Ünel (R.I.P.) vermutlich nie wieder besser, als hier… und wie Akin die stillen Hoffnungen, das Gefühl der Entwurzelung und Verlorenheit, und diese innere Zerrissenheit bei den Angehörigen der zweiten und dritten Generation darstellt und überlebensgross empathisch-nachvollziehbar auf die Leinwand bringt, nötigt mir immer noch den allerhöchsten Respekt ab, und macht „Gegen die Wand“ für mich zum besten deutschen Film der letzten zwanzig Jahre.

Lustigste Filmsichtung des Jahres

Im März letzten Jahres habe ich es dann auch endlich mal geschafft, die kongenial-kaputte Splatter-Trash-Gute Laune-Granate „PG: Psycho Goreman“ nachzuholen, und zwar bei einer feuchtfröhlichen Sichtung im erweiterten Freundeskreis… was für eine ausgelassen-alberne anarchische Gaudi! Allein schon dieser cut zum „Im-Film-Musikvideo“, oder die Szenen mit dem zerschmolzenen Polizisten !!! :rofl: Wunderbarer Wahnsinn - wir haben uns Alle scheckig gelacht! Ganz grosser Quatsch! „Let’s play Crazyball!“ :wink: :crazy_face:

Enttäuschung des Jahres

Auch wenn „A L I E N: Romulus“ im Grunde genommen bedeutend schlechter war - eine Enttäuschung war er (allein schon aufgrund der Tatsache, dass ich von vornherein nicht viel von ihm erwartet hatte) nicht. Nein, dieser Titel gebührt - leider, leider - dem von mir doch so heiss ersehnten „Beetlejuice, Beetlejuice“. Welchen ich als vollkommen überladen, bis zum Platzen vollgestopft mit unnötig-sinnlosen sub plots, unentwirrbar verheddert, und obendrein in seinen Bildern allzu oft auch noch potthässlich empfand. Da half auch keine noch so schöne 1960er-Italo-Kino-Schwarzweiss-Hommage mehr. Jammerschade, aber isso.

Schlechtester Film des Jahres

Ihr ahnt vermutlich, was jetzt kommt - ich weiss es ganz sicher. Und wünschte mir innig, ich müsste kein einziges Wort mehr zu diesem grottenschlecht-grässlichen Werk verlieren. „Strange Darling“ ist mein Bodensatz des Kinojahres. Ein unerträglich selbstgefälliges, blasiert-borniertes, geckenhaft auf cool machendes Machwerk, eine affig-affektierte, albern-abstruse Zumutung, die überhaupt „Film“ zu nennen mir zutiefst widerstrebt. Am Liebsten hätte ich den nie gesehen. Und werde fortan versuchen, ihn so gut es geht zu vergessen.

Bester Original Score

Die von Dominique Plante komponierte Filmmusik zu „Les chambres rouges“, die majestätisch-erschreckend die Zuhörer:Innen regelrecht überwältigt, und durch Mark und Bein geht, trägt immens viel zur verstörend-verunsichernden Unterkühltheit dieses kanadischen Psychothriller-Perle bei.

Bester Soundtrack

Der Soundtrack zu „La morsure“ (a.k.a. „Bitten“) ist voller catchy groovender Sixties-Perlen… eine komplette Liste aller in dem Film zum Einsatz kommender Songs siehe hier. „Scorpio Red“ hatte ich oben ja schon geposted, darum hier die Chymes mit „He’s Not There Anymore“.

Traurigste Filmbiz-Nachricht des Jahres

Ob Ihr mir das nun glaubt, oder nicht - aber ich hatte am 16. Januar (und auch schon vorher so im Kopf abgespeichert / bereits auf dem script vermerkt) schreiben wollen: Das hier. Ich hatte auf der Arbeit schon mehrmals mit COPD-Erkrankten / Menschen mit Lungen-Emphysem zu tun, und weiss deshalb recht gut, was für eine Qual das sein kann, und wie schrecklich sich diese Krankheit auf die Lebensqualität und -umstände der davon Betroffenen auswirkt. Und hatte darum, seitdem @Herr_Kees diese Nachricht damals geposted hatte, so hart das jetzt auch klingen mag, beinahe tagtäglich mit einer entsprechenden Todes-Nachricht gerechnet. Und dann kam diese auch, und hat mich dennoch so unvorbereitet und tief getroffen, wie wohl überhaupt kein anderer Tod eines:einer prominenten Persönlichkeit überhaupt. Ich habe hier in den Foren ja nun schon zwei Nachrufe geschrieben, in der letzten Woche fünf Sichtungen von Lynch-Filmen vorgenommen, zu denen ich ja auch schon Einiges an Texten im betreffenden „David Lynch und seine Filme“-thread abgetippt habe, und es ist also hier an dieser Stelle dementsprechend auch nicht mehr viel zu sagen. Und dennoch bleibt da auch weiterhin dieses Gefühl einer kaum zu füllenden Leerstelle. Das neue Jahr fing wirklich mehr als besch…eiden an. Godspeed, dear Mr. Lynch. We’ll keep our eyes on all the Donuts you’ve left behind for us.

Schockierendster popkultureller Moment des Jahres

Habt Ihr sowas schon mal erlebt, dass eines Eurer größten Idole von einem Moment auf den anderen in Eurem Ansehen von kaum vorstellbarer Ehr-Erbietung ins Bodenlose fällt? Well, last summer I’ve had one of these moments (just click on the video):

Selbstverständlich habe auch ich eine ganze Menge am Vorgehen von Bibi Netanjahus rechtskonservatiker Regierung und der Art und Weise, wie die IDF Gaza in Schutt und Asche leg(t)en, zu kritisieren… so etwas sollte jedoch immer wohl überlegt, durchdacht-reflektiert und mit dem nötigen Augenmaß und einer das Leid beider Seiten anerkennenden Perspektive geschehen, und schon gar nicht und auf keinen Fall mit derart verkürzend-sinnentstellenden Parolen, in deren versimplifizierend-verkürzender Sichtweise eben auch ganz andere Untertöne mitschwingen. Ich bin sogar - als Teil der Menge - auf dem Video zu sehen, und auch, wenn man meinen entgeisterten Gesichtsausdruck darauf nicht erkennen kann, so erinnere ich mich doch nur allzu gut an jenen Moment, und wie völlig vor den Kopf gestossen ich mir auf einmal vorkam. Urplötzlich fühlte ich mich wie ein isolierter Fremdkörper in diesem zuvor als alle Beteiligten respektierenden und achtenden wahrgenommenen safe space. Und das umso mehr, als ich beim gemeinsamen Essen im vietnamesischen Straßen-Restaurant direkt vor dem Konzert zu einem Freund, der mit auf dem Gig war, und einer gemeinsamen Freundin aus Berlin in Angesicht einer „Free Palestine“-Wandschmiererei noch sagte, ich hätte jetzt gerne einen Edding-Marker, um darunter „From The Hamas“ schreiben zu können. Was zu rufen ich mich in dem betreffenden Moment auf dem Konzert aber nicht getraut habe, aus Sorge, ich könnte beim anschliessenden slam dancing etwas rauher und ruppiger angegangen werden, und / oder von irgendwelchen Hanseln beschimpft und bespuckt werden. Wofür ich mich dann nachher (und auch immer noch) geschämt habe. Und auch, wenn Kathleen Hanna selbst für meine unterlassenen Handlungen / meine zögerlich-zauselige Haltung ja gar nichts kann… allein schon, dass ich durch ihr unreflektiertes Aufgreifen dieses die Komplexität der Sachlage viel zu vereinfachenden Slogans in eine solch mich selbst beschämende Lage gekommen bin, ist das Allerschlimmste daran. Jedenfalls, so sehr ich ihr ihre vielfältigen Verdienste um die Stellung von jungen Mädchen und Frauen in der Musiker:Innen-Welt auch weiterhin hoch anrechne, und ihre Musik und die ihrer Bands auch immer noch abgöttisch liebe - ich habe daraufhin für mich beschlossen, vorerst keine weiteren Konzerte von Hanna’s Bandprojekten (sei es nun Bikiní Kill, Le Tigre oder auch The Julie Ruin) mehr zu besuchen. Jedenfalls nicht, bis sie diese IMHO doch arg kurzsichtige und grob vereinfachende Haltung / Sichtweise grundlegend revidiert hat.

Schönste Lektüre des Jahres

Das re-reading von Simon Stålenhags todtraurig-trister, in einer futuristisch anmutenden, Post-Technokalyptischen Alternativ-Realität des Jahres 1997 (welche jetzt ja schon Vergangenheit ist) verorteter, melancholisch-kontemplativer Cyberpunk Grunge Road Movie Illustrated Novel „The Electric State“, seines hauntingly beautifully, eerie and unsettling literary opus magnum, hat mich auch dieses Mal wieder tief bewegt und schmerzhaft getroffen zurück gelassen… Je nachdem, wie schnell man liest, und wie lange oder kurz man sich in den kongenial detailierten, fast schon mehr als die Worte erzählenden Illustrationen verliert, benötigt man zwischen zwei und vier Stunden für die Lektüre… welche man sein:ihr Leben lang nicht vergessen wird. Das letzte Kapitel besteht allein aus vier doppelseitigen Gemälden - aber sagt doch Alles aus, und versetzt der:dem Leser:in nochmal den letzten, endgültigen Schock. Ein absolutes Meisterwerk der postmodernen Science Fiction-Literatur, das Niemanden kalt lässt.

Video Game des Jahres

Ja, der „Shadow Of The Erdtree“-DLC zu From Softwares Meisterwerk „Elden Ring“ mag die monumentaleren Boss-Kämpfe haben; ja, das quietschig-knuddelige „Astro Bot“ nutzt die Möglichkeiten des DualSense-Controllers kongenial aus; und ja, „Dragon’s Dogma II“ hat innovativ-ungewöhnliche Spielmechaniken vorzuweisen, welche das gameplay in all seinen Optionen auf großartig-verblüffende Art und Weise erweitern - aber kein anderes Spiel hat einen solch wundervoll-verzaubernden Ton getroffen, und stellt so betörend sich entfaltende Bilderwelten aus, wie dieses mehr Kunstwerk als Spiel zu sein scheinende Kleinod eines Computerspiels namens „Neva“. Wer bereits den Vorgänger „Gris“ gespielt hat, dürfte in etwa wissen, was sie:ihn erwartet.. und wird dennoch ein ums andere mal verblüfft sein von dieser interaktiven video game-Perle, die beinahe wie die spielgewordene Adaption eines Studio Ghibli-Films à la „Prinzessin Mononoke“ anmutet. Ein einzigartiges Wunder von Videospiel.

Album des Jahres

Die psychedelisch-filigranen, ausufernd-überquellenden Wall of Sound-Klangwelten der frenchy Blackgaze-Post Metaller Alcest laden auch auf ihrem neuen Album „Les Chants de l’Aurore“ dazu ein, sich in ihnen zu verlieren, und neu wiederzu(er)finden. Musik, wie nicht von dieser Welt, gemacht von und für Menschen, in und auf dieser Welt. Die kristallen-funkelnde Schönheit und ätherische Anmut ungekannter sonischer Sphären. Sounds to daydream to, Songs to forever live in.

Song des Jahres

„The Bolter“, „I Look In People’s Windows“, „How Did it End“, „The Prophecy“, „I Hate It Here“, „The Manuscript“ - die weitaus besseren Songs als auf dem one disc main release ihres neuen Albums hat Taylor Swift auf „The Tortured Poets Department: The Anthology“ versteckt. Interessanter Weise hauptsächlich Aaron Dessner („The National“)-Koproduktionen, im Gegensatz zu Jack Antonoff, welcher den Löwenanteil der Songs auf dem offiziellen „TTPD“-Album mitverfasst / produziert hat. Und dessen Sounds dieses Mal doch etwas sehr müde, angestrengt und repetitiv klingen. Im Gegensatz zu Dessners meist immer noch pointiert anmutenden, melodisch-getragenen Kompositionen. Und unter allen diesen Songs ist „Peter“ das absolut herausragende Kronjuwel. Eine unfassbar todtraurige, von ewiger Sehnsucht und endgültigem Abschiedsschmerz, von endlosem Ausharren und letztlichem Loslassen-Müssen, von Liebe und Verlust erzählende Ballade. „Peter losing Wendy“ ( „cardigan“ ), aus Wendys Perspektive gesehen. Ich weiss nicht, wie oft ich „Peter“ nun schon gehört habe (aber es ist oft, sehr oft gewesen) - ich habe es noch nicht ein einziges Mal geschafft, den Song bis zum Ende anzuhören, ohne dabei in Tränen auszubrechen. Um mich mal selbst zu zitieren (mein Kommentar zum youtube-Video):

„How anyone, in whatever galaxy, under whatever moon, could ever make it through this shimmering, darkly glistening gem of sadness, silent longing and final realisation of having to let go, without completely breaking down, crying their heart(s) out, shedding endless streams of tears, sobbing like a little baby, is and will forever be beyond me… but then again, so is the unfathomed, aching melancholia of this song. Thank you so so much, Miss Swift, for breaking my heart once more.“ :broken_heart: :sob: :heart:

Konzert des Jahres

Der im Wonnemonat Mai stattgefunden habende Auftritt des britisch-U.S.-amerikanischen Synth-Dreampop-Duos Still Corners, verstärkt durch ihren Tour-Schlagzeuger Jim Wallis, im Bahnhof Pauli in Hamburg war ein mitreissend-traumhafter Abend voller Höhepunkte. Die Band spielte so ziemlich alle ihre Hits, vom treibend-pulsierenden „Black Lagoon“, über das poppig-up lifting „Heavy Days“, das dunkel-hypnotische „Midnight Drive“, bis hin zum wüstenrockigen „White Sands“. Am Schluss des regulären Sets, natürlich, ihr signature song „The Trip“. Was für eine Nacht! Allerdings - und damit kommen wir nun zur vielleicht ersten Band, bei welcher @splattercheffe unter Umständen nicht so ganz 100%ig mitgehen mag - hätten Sunn O))) in Hamburg gespielt, dann wäre das mit ziemlicher Sicherheit mein Konzert des Jahres geworden. Aber nein, die traten leider nur in Den Haag auf einem Festival auf. Schade, denn ich liebe ihren dekonstruktiven Black Metal, die dröhnend-drohenden, ewig andauern zu scheinenden, minutenlang vor sich hin vibrierenden Riff-Gebirge. Muss man aber auch live erlebt haben, um das Besondere an deren Musik wirklich und vollständig nachvollziehen zu können. Weil sie so unfassbar laut spielen, dass die Dich völlig durchdringenden Klangwellen zuvor vollkommen ungekannte Dinge mit Deinem Körper- und Musik-Empfinden anstellen.

Kein Video vom Hamburg-Gig abrufbar, darum hier eines aus Kopenhagen vom Tag davor

Tour des Jahres

Tiger Stripes oder Short Gold, Swirls oder Cupcake, Berry oder Cream, Chevron oder doch Moonstone? 22 Hat und Rep TV, "Baby The Duck Is Vegan!” und “1, 2, 3, LGB!” Wer mit all diesen scheinbar kryptischen Begriffen nichts anfangen kann, die:der hat sehr wahrscheinlich das popkulturelle Event des gesamten letzten Jahres verpasst - Taylor Swifts monumental-epochale „The Eras Tour“, welche alle bekannten und unbekannten Superlative verblassen liess, und über ein Jahr nach ihrem 2023er-U.S.-Start im April 2024 endlich auch europäisches Festland erreichte. Wozu die Sängerin, ihres Zeichens momentan der Welt grösste und bekannteste Kulturschaffende überhaupt, sich nicht lange lumpen liess, und anlässlich der Veröffentlichung ihres brandneuen Albums „The Tortured Poets Department“ extra ein neues Segment in die über dreistündige Mammut-Show einbauen liess (wofür leider auch einige ihrer besten Songs (unter Anderem die Hymne schlechthin, „Long Live“, das (auto)biographisch-ironische „The Last Great American Dynasty“ und das tolle „The Archer“ aus dem ansonsten ja felsenfest zementierten und jeden Abend absolut gleichen Programm flogen). Wer nun also gute zwölf Monate zuvor bereit gewesen war, zwischen 200 und 650 Euro in ein Ticket zu investieren, die:der konnte sich an drei Stationen in Deutschland unter Swifts wunderbar inklusives und umfassend-respektvolles Publikum mischen, selbstgebastelte Freundschafts-Armbändchen austauschen, und dem dargebotenen Querschnitt durch die nun auch schon gute 18 Jahre andauernde Ausnahme-Karriere der apart-freundlichen Pop-Chanteuse lauschen. Hamburg hatte dabei besonderes Glück - nicht nur, dass es am ersten der zwei Konzertabende in Strömen regnete (wer sich ein bisschen auskennt, weiss, dass für Swift die so-called rain shows immer die ganz besonderen highlights unter ihren Auftritten darstellen, und sie dann meist zur absoluten Höchstform aufläuft), nein, es gab während des Solo Acoustic / Surprise Songs Sets am ersten Tag auch zwei Premieren zu hören, und in der darauf folgenden Nacht fand das schmerzlich vermisste „The Last Great American Dynasty“ erstmals wieder seinen Weg zurück ins Set, zusammen mit „Run“ als mash up auf der akustischen Gitarre dargeboten.

Alle, die bei den Konzerten live vor Ort waren, und auch Alle, die so wie ich, Nacht für Nacht die per Handy-Kameras in Echtzeit aus dem jeweiligen Stadion übertragenen, verwackelt-krisseligen, unscharf-verhallten Live Streams mitverfolgten (ich habe vom Sommer letzten Jahres bis zum Tour-Ende am 8. Dezember 2024 weit über 20 Konzerte live angesehen), konnten eine Künstlerin auf dem absoluten Höhepunkt ihres kreativen Schaffens bewundern, die bravourös und souverän durch ihren beeindruckend umfangreichen und stilistisch überaus vielfältigen output geleitete - und das, obwohl sie noch nicht einmal live sang, und auch ihre Band nicht live spielte (bzw. genauer gesagt, sang und spielte(n) sie zwar live, das war aber nicht das, was das Publikum zu hören bekam - was allerdings Niemanden überraschen sollte, die:der mehr als zwei oder drei Konzerte der Tour mit angehört hat… zu perfekt klang das Alles). Was für mich eigentlich schon ein völliges no go darstellen würde. Aber dennoch war diese Tour so überaus bedeutsam und ungeheuer wichtig… and be it just for this reason alone (und nein, da reichen jetzt keine zehn Minuten aus, dafür müsst Ihr schon gute zwanzig Minuten investieren… aber es ist definitiv und mit Abstand der allerallerbeste Artikel, den ich bislang zu Taylor Swift und ihrer kaum zu unterschätzenden Bedeutung gelesen habe (und ich habe eine Menge gelesen…), und ja, am Ende habe ich Tränen vergiessen müssen).

Nein, ihr perversen Lustmolche, ich habe das nicht wegen Minute 0:22 hier eingestellt… :wink: :stuck_out_tongue:

Überhaupt, die - neben Swifts allerbestem Song „All Too Well“ - wohl das Herzstück der Abende darstellenden Acoustic Surprise Songs Sets… je näher die Tour ihrem Ende kam (was wir Alle natürlich unaufhaltsam näherrücken sahen, und aber dennoch nicht wahrhaben wollten), desto besser wurden Swifts mash ups und song selections. Ich erinnere mich daran, wie sie in Toronto zwei meiner absoluten Lieblings-Songs (nach „august“, but that one’s on a completely different level) in einem Piano-mashup spielte. Bereits bei den ersten, altbekannten Tönen von „evermore“ hatte ich eine Gänsehaut, und als Swift dann zu „Peter“ umschwenkte, da begann ich hemmungslos zu weinen. Aber als wäre das nicht schon todtraurig-tränendrückend genug, spielte sie wenige Abende später „You’re Losing Me / How Did It End“…and I swear to God The Almighty Cthulhu, in that very moment you could hear the sound of a million hearts all around the globe, sitting in front of their computer screens, staring in disbelief at their smartphones, all breaking and shattering at the same time, into a countless myriad of tiny little pieces. In Vancouver gab es dann mit „Never Grow Up“ und „The Best Day“ noch eine nicht minder herzzerreissende Hommage an ihre (inzwischen geschiedenen) Eltern, die auch live vor Ort waren, zu hören… und am allerletzten Abend der Tour stimmte Swift auf dem Piano zuerst das von Allen vermutete „Long Live“ an, ging dann wenig später zu „New Year’s Day“ über, um mit „The Manuscript“ zu enden. Womit sich der Kreis schloss… der erste Song im allerersten Surprise Songs Set, über eineinhalb Jahre zuvor in Glendale, Arizona, war „Tim McGraw“, der erste Song auf ihrem ersten Album gewesen. Und „The Manuscript“ der letzte Song auf „The Tortured Poets Department: The Anthology“, dem vorerst letzten veröffentlichten Album, dann auch das allerletzte Lied der Surprise Songs. Als hätte sie Alles schon lange im Voraus geplant. But well, that’s Taylor Swift for ya.

Ich hasse vertical filming auch, aber Swifts Management hat alle guten Videos löschen lassen.

Ich denke immer noch gerne an all diesen langen Sommerabende und Winternächte zurück, als ich mit sovielen Anderen gemeinsam die Live Streams verfolgte. Als wir vor den Bildschirmen jubelten, weinten, aufjauchzten, lauthals mitsangen, es kaum glauben konnten, wenn Swift wieder einmal ein zuvor ungehörtes, kongenial passgenaues mash up anstimmte. Als wir im chat endlos darüber diskutierten, ob / wenn ja, warum Jake Gyllenhaal so ein blödes Arschloch sei (ist er meiner Meinung nach nicht), und wo er Swifts Schal gelassen hat, den er ihr nach dem Ende der Beziehung nie zurück gegeben hat, und der jetzt auf immer und ewig in den Textzeilen von „All Too Well“ verewigt ist. Ja, ich erinnere mich mit Wehmut und Dankbarkeit an all diese Abende, die nun vergangen sind, in denen wir ergriffen Miss Swift lauschten, und ein:e Jede:r von uns sich in ihren intrikat elaborierten Songzeilen auf ganz eigene Art und Weise wiederspiegelte, als wir uns selbst und einander in diesen schon so oft gehörten Songs (wieder)erkannten, und wir sie darob ganz neu entdeckten.

„Now and then I reread the manuscript / But the story isn’t mine anymore“, heisst es im Text von „The Manuscript“. Und Taylor Swift weiss nur allzu gut um die Bedeutung, die das für uns Fans, und auch für sie selbst hat. Denn ja, sie mag die Story geschrieben, und in die Welt gesetzt haben. But us fans, among ourselves, and together with her, we’ve made so much more of it.

„Hold on to the memories / They will hold on to you“ singt Swift in „New Year’s Day“.

And I will.

Rest in peace, Eras Tour.

I’ll miss you forever.

Long Live All The Magic We Made.

:heart: :heart: :heart:

Und das war’s, endgültig und tatsächlich, mit meinem Rückblick auf das letzte Jahr.

Von furios-fulminanten postapokalyptischen Fahrzeug-Lenkerinnen, Fliederblüten abrupfendem SS-Wachpersonal und scheu-lakonischen Vampirinnen, die sich standhaft und beharrlich weigern, Lebendbeute anzuzapfen, über Eishockey spielende pubertierende Teenagerinnen mit Gefühlschaos im Köpfchen, jungen Erwachsenen mit familiären Gewalterfahrungen und einer Hölle aus Schlägen und Misshandlungen als Kindheit, bis hin zu alternden Schauspielerinnen mit zu wenig Rückenmarks-Flüssigkeit und psychisch labilen jungen Berliner werdenden Müttern ohne sozialen Rückhalt, von champagne problems bis zu Bürgerkriegs-Fotos: Das Jahr 2024 liegt ein für allemal hinter uns, und ist bereits Geschichte.

Und 2025 hat längst begonnen.

R U Ready 4 It?

:wink:

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Noch hast Du mich nicht erwischt… :wink:
Ich verehre Sunn O))) spätestens seit dem Gemeinschaftswerk mit einem meiner großen Helden, Scott Walker. Habe die Platte auch im Schrank stehen, wenngleich ich gestehe, ist nur was für besondere Momente.

By the way hab ich Deine popkulturellen Reminiszenzen wieder mit großem Interesse gelesen - und bin dabei, mich zunehmend näher mit Taylor Swift zu beschäftigen (die ich ja erst sehr verspätet wirklich wahrgenommen hatte).
Mein persönliches Äquivalent war dieses Jahr wiedermal Nick Cave - wahrscheinlich der Künstler, der mich schon immer mit der höchsten Relevanz durch meine Lebensphasen begleitet. Als ehemaliger Schmerzensmann und heutiger den Menschen zugewandter Hohepriester der Kunst und der Liebe, als Gesprächspartner mit den weisesten und nettesten Erwiderungen (www.theredhandfiles.com), als der Musiker, der es sogar schafft, aus der für Konzerte eigentlich völlig ungeeigneten Münchener Olympiahalle eine Messe zu zaubern, die mich tagelang noch auf Wolken schweben ließ (was ich dieses Jahr aus vielerlei Gründen gut brauchen konnte). Und natürlich mit der aktuellen Platte am Start, Wild God, ein neuerliches Wunderwerk von außerirdisch schönen Klängen.
Möge er noch lange leben. Künstlerisch wird er an der Seite von Kumpel Warren Ellis eh immer noch besser.

Jaaaa… Leider in den letzten Monaten und Jahren ein paar Mal zu oft, fürchte ich. Ich war zwar auf keinem Konzert, aber grade über die Story mit Kathleen Hanna habe ich natürlich gelesen, das hat ja für Aufsehen gesorgt. Und leider, leider war - ist - sie ja nicht die einzige Person, die sich im Rahmen des Gaza-Konflikts/dem 07/10/23 derart geäußert hat, was mich sowohl im Rahmen musikalischer Wortmeldungen als auch in der Filmszene (remember Berlinale) immer wieder schockiert und geschmerzt hat, weil ich gar nicht fassen konnte, wieviele Künstler sich da unfähig zeigten, ein ausgewogenes, für alle Seiten empathisches Meinungsbild anzueignen.
Bitter, sehr bitter. Ging mir - anderer Themenbereich, aber gleicher Vorgang - schon mit Morrissey mal so, dessen Texte für die Smiths mir in meiner Jugend (nicht nur metaphorisch gemeint) das Leben gerettet haben.

And the people on the ground cried when does it start?
And the wild god says it starts with the heart, with the heart, with he heart

Bring your spirit down

                                       NICK CAVE, *Wild God*
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Hmmm… na gut, the quest continues… :wink: Muss ich wohl mal a bissi wühlen - ich find’ schon noch was! :stuck_out_tongue: :smile:

Ja, die Kollaborationen vom SOMA und The Lord sind auch immer ziemlich großartig - eines meiner Lieblingsalben ist auch „The Altar“, ein Gemeinschaftswerk mit den japanischen Psych-Frickel-Noise-Rockern Boris. Aber stimmt schon, Sunn O)))) daheim und aus der Konserve zu hören, ist schon noch mal was ganz Anderes, als der Besuch eines Live-Konzerts. Ich hab’ die jetzt zweimal gesehen, einmal anno 2006 mit Earth als Support (was auch irgendwie ironisch anmutet, wenn man mal bedenkt, dass sich Sunn O))) ja auch als stark von Earth beeinflusstes Bandprojekt formiert haben), und dann nochmal 2018. Und es war beide Male eine fast schon transzendental-trancehafte Grenz-Erfahrung. Unglaublich, was diese brachial dröhnend lauten Frequenzen und sonischen Schwingungen mit Einer:Einem so anstellen. Beim zweiten Konzert hatte ich es die ersten gut zehn Minuten auch mal ohne Ohrstöpsel versucht, das war aber auf Dauer nicht auszuhalten, weil es dann wirklich schmerzhaft wurde. Wie auch immer, ich hoffe, die kommen alsbald nochmal auf Tour, am Besten wieder bloss zu zweit, so hab’ ich sie nämlich noch nie gesehen (bei mir waren da immer noch andere Musiker:Innen mit dabei).

He he he - da sind wir ja schon zwei. Ich wusste spätestens, seit ich vor etwa vier, fünf Jahren mal einen Beitrag über Swift im Radio gehört hatte, wo ihre ausgefeilten-tiefgründigen, alle möglichen literarischen Werke referierenden Songtexte sehr gelobt wurden, dass ich mich irgendwann mal eingehender mit der beschäftigen würde müssen… und habe’ das dann trotzdem noch jahrelang vor mir hergeschoben. Bin dann auch erst letzten Sommer im Zuge der Tour dazu gekommen, mich mal gründlich mit Swifts Werkverzeichnis und ihrer künstlerischen Herangehensweise zu beschäftigen… und wenn man jetzt nur die (ja auch schon sehr tollen) Plastikpop-Songs wie „Blank Space“, „Shake It Off“, „…Ready For It?“, etc. pp. kennt, dann wird man sehr schnell doch sehr überrascht sein, wie vielfältig und facettenreich ihr musikalisch-stilistisches Spektrum doch ist. Gerade auch die beiden während der CoViD19-Pandemie veröffentlichten „sister albums“ (O-Ton Swift) „folklore“ und „evermore“ haben es mir doch sehr angetan, weil sie mehr so in Richtung Indie-Folk-Pop gehen. Jedenfalls war gerade die „Eras Tour“ und dort vor Allem die allabendlich variierenden surprise songs eine wunderbare Gelegenheit, sich ihren output von fast 300 Songs nach und nach zu erschliessen. Und das Swiftie-fandom ist wirklich herzallerliebst, und absolut offen / inklusiv. Manchmal allerdings etwas sehr fanatisch-abgedreht, aber sowas hat man ja eigentlich überall. Von daher würde ich mich jetzt zwar auch als „Fan“, aber durchaus nicht als „Swiftie“ bezeichnen (manche meiner Freund:Innen sehen das zwar anders, aber naja… :wink: ).

Da muss ich nun wiederum zu meinem Leidwesen gestehen, dass ich Cave seit etwa Mitte der 90er schon weitestgehend aus den Augen verloren habe… seine Bad Seeds-Alben „Tender Prey“, „The Good Son“, „Henry’s Dream“ und „Let Love In“ sind aber natürlich auch für mich unsterbliche Klassiker, und absolut stilprägend gewesen (wie oft haben wir zu „Mercy Seat“ beim Gothic Club-Abend abgedanced (wenn man den „Ich hab mein 5-Mark-Stück verloren und such’ es gerade angestrengt!“-Gruftie-typischen In-die-Mitte-Aus-der-Mitte-Stampftanz so nennen mag). „Murder Ballads“ fand’ ich dann nur teilweise gelungen (jetzt ist das natürlich anders), und das PJ Harvey-Break up-Album „The Boatman’s Call“ konnte / wollte ich, eben weil es halt das PJ Harvey-Break Up-Album war, damals nicht anhören. Und auch live hab’ ich ihn leider nie gesehen. Vor einer Weile gab’s ja mal das „At Alexandra Palace“-Konzertvideo auf arte zu sehen / hören, wo er ohne Publikum performed, das habe ich aber mit großem Genuss geschaut. Müsste mal anfangen, seine Discographie nach und nach a bissl aufzuarbeiten.

Joa, ist seit dem 7. Oktober '23 wirklich nochmal was „explodiert“, mit diesen ganzen zweifelhaft-unreflektierten Solidaritäts-Bekundungen. Ich glaube, am Meisten war ich damals von der von mir abgöttisch verehrten Lana Del Rey enttäuscht, dass sie dem doofen BDS-Boykott-Druck nachgegeben, und ihr geplantes Israel-Konzert dann doch noch, obwohl sie erst trotzdem hatte auftreten wollen, abgesagt hat. Wobei das ja schon 2018 sich ereignet hat. Und ja, die Sache mit Morrissey ist ja auch schon lange her. Wenn ich mich recht erinnere, ging das doch schon den Neunzigern los, oder? In der „Zillo“ wurde da sogar auch noch drüber berichtet, if I recall correctly. Hat mich damals auch sehr konsterniert, zumal er seine nationalistisch-rassistischen Ausfälle auch bis heute nicht so richtig unterlässt / abzustellen gewillt ist.

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Zum Glück seid Ihr ja nur ein bisschen off topic gekommen, Ihr zwei :laughing:. Gab‘s für sowas nicht mal einen Chatroom? Egal, trotzdem amüsant.

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Darf ich auch noch einmal kurz nachreichen, für 2024 :upside_down_face:

  1. Hundreds of beavers
  2. else (finde ich sehr schade, dass der so untergeht)
  3. Oddity
  4. Late night with the devil
  5. The Substance
  6. Love lies bleeding
  7. Poor Things
  8. Emilia Perez
  9. Des Teufels Bad
  10. Humanist Vampire seeking…

2025 bisher

  1. MadS
  2. Kneecap
  3. The Surfer
  4. Nosferatu
  5. Night Call
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Better late than never…

Cinema Visits 2024

The Dirty Dozen:

  1. 12.12 – The Day
  2. Hundreds Of Beavers
  3. The Seed Of The Sacred Fig
  4. Captain Miller
  5. Les Chambres Rouges (Red Rooms)
  6. The Road To Boston (Boston 1947)
  7. A Place Called Silence
  8. Noryang – Deadly Sea
  9. The Dream Songs
  10. Civil War
  11. The Substance
  12. L’Art D’Etre Heureux

….and then some more:

Anora
Last Stop In Yuma County
Concrete Utopia
En Fanfare
Maldoror
Monster (Die Unschuld)
Poor Things
Prodigieuses
Cobweb
Twilight Of The Warriors – Walled In
Kingdom Of The Planet Of The Apes
New Religion
Animale
Dune Part 2
Les Femmes Au Balcon (The Balconettes)
Colocs De Choc (Retro Therapy)
Escape From The 21st Century
Pendant Ce Temps Sur Terre (Meanwhile On Planet Earth)
Lucy, Grizzli, Sophie
Love Lies Bleeding
Steppenwolf

Kann man gucken:

Alien - Romulus
Los Colonos (The Settlers)
Le Procès Du Chien
Fighter
The Roundup - Punishment
Nosferatu
Wicked
Emilia Pérez

Ach ja: Zone Of Interest natürlich auch gesehen, den möchte ich aber ungern in ein Ranking packen…der sollte für sich stehen.

Last but not least:

Der bisherige Jahrgangsbeste ist La Cocina. Eine bitterböse Tragikomödie, superb gefilmt (grandiose Kamera!) und mit tollen Figuren / Darstellern. Obwohl manches gerade absurd-grotesk anmutet verkommt der Film nie zur bloßen Slapstick-Farce und hat sogar einige bewegende, nachdenklich stimmende Momente.
Anders, aber doch ähnlich und um einiges überzeugender als die letzten Filme vom doch arg überschätzten Östlund.
Ein Skandal, dass der für keinen einzigen Goldbuben nominiert wurde.

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Ohne Reihenfolge hier meine besten Filme aus 2024, die ich im Kino sehen konnte:

Home Sweet Home - Wo Das Böse Wohnt
Hundreds of Beavers
the Last Stop in Yuma County
Red Rooms
Reality
All of Us Strangers
Linoleum
Guy Richie’s The Covenant
Civil War
Morgen ist auch noch ein Tag (C’è ancora domani)
Furiosa: A Mad Max Saga
Late Night with the Devil
The Bikeriders
Love Lies Bleeding
The Watchers
MaXxXine
Tatami
Didi
Alien: Romulus
The Crow (2024)
Blink Twice
Thelma
Speak No Evil (2024)
Wake Up
The Well
Things will be Different
Skunk
Sleep
Humanist Vampire Seeking Consenting Suicidal Person
Escape from the 21st Century
The Wasp
Twilight of the Warrior: Walled In
Strange Harvest
Sayara
M
From Darkness
Tim Travers & the Time Travelers Paradox
Bleeding
Kneecap
The Wild Robot
Anora
Riefenstahl
The Outrun
Conclave
Black Dog
We Live In Time
Juror No. 2
Dune: Part 2
Challengers
Deadpool & Wolverine
A Place Called Silence
Early Birds
Smile 2

Für mich war es ein ziemlich gutes Jahr und ich freue mich natürlich, noch viele weitere Filme im Jahr 2025 sehen zu können. Denke, meine persönlichen Favoriten aus der kleinen Liste oben sind Dune: Part 2, Smile 2 und Challengers.

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